Rosenmontag in Düsseldorf
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Fährt nicht: Der Kölner Motivwagen
Fährt nicht: Der Kölner Motivwagen

29.01.2015

Ein Kommentar zum Verzicht auf den "Charlie Hebdo"-Wagen im Kölner Rosenmontagszug Helau statt Alaaf!

Kölner Karnevalisten ziehen "Charlie-Hebdo"-Motivwagen zurück. Droht der offizielle Karneval endgültig zu einer reinen Kommerzveranstaltung zu verkommen? Das wäre ein Armutszeugnis. Ein Kommentar zu einer Entscheidung mit Folgen.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hatte es Anfang des Monats in seiner Predigt an die Karnevalisten noch einmal auf den Punkt gebracht: "Im Karneval wird das Kleine groß, das Schwache stark, und die Herrschenden werden dem Gelächter preisgegeben." Zwar könne der Karneval nicht die Welt verbessern, er nehme aber die Verhältnisse aufs Korn und gebe den Gedemütigten eine Stimme und den Armen Macht. Da schwang wohl auch der fromme Wunsch mit, der Karneval dürfe nicht zu einer reinen Spaßveranstaltung mutieren. Und Woelki erinnerte die Karnevalisten auch an die Morde von Paris.

Vielleicht auch durch diese Worte ermutigt, plante das Festkomitee Kölner Karneval für den Rosenmontagszug einen eigenen Motivwagen, der die Taten von Paris ächten und die Meinungs- und Pressefreiheit hochhalten sollte. Ein eindeutiger, wenn auch recht harmloser Entwurf wurde mit stolzgeschwellter Brust den Medien und den Kölnern vorgestellt. Der Entwurf zeigte einen Jecken, der einen Buntstift in das Gewehr eines maskierten Attentäters steckt, und war damit ein klares Bekenntnis zur Meinungs- und Pressefreiheit und eine eindeutige Verurteilung der Gewalt. Ferner zu sehen waren Porträts der bei dem Pariser Anschlag getöteten Karikaturisten. Der Entwurf zeigte weder den Propheten Mohammed noch den Koran. Das Motiv war bei einer Internet-Abstimmung ausgewählt worden, an der sich 7.000 Menschen beteiligten: Er erhielt unter insgesamt 14 Vorschlägen fast 2.500 Stimmen.

Nun zieht das Festkomitee den geplanten "Charlie Hebdo"-Wagen zurück. Man stehe zwar immer noch zur Aussage des Entwurfs. Aber: "Wir möchten, dass alle Besucher, Bürger und Teilnehmer des Kölner Rosenmontagszuges befreit und ohne Sorgen einen fröhlichen Karneval erleben." Und ein Wagen, der „die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt“, sei nicht gewollt.

Was für eine fadenscheinige Argumentation. Es sollte doch nie das Hauptziel des Karnevals sein, im allgemeinen (Voll-)Rausch alle Sorgen, Nöte und Ungerechtigkeiten zu vergessen. Droht nun der offizielle Kölner Karneval endgültig zu einer rein folkloristischen Kommerzveranstaltung zu verkommen, bei der jegliche kritischen oder nicht dem angenehm harmlosen Mainstream entsprechenden Töne in vorauseilendem Gehorsam unterbunden werden, um der Touristik und der Gastronomie bloß nicht das große Geschäft zu verderben? Das wäre ein Armutszeugnis.

Last Exit Geisterzug

Mutig ist der Kölner Karneval freilich schon lange nicht mehr, seine Unschuld verlor er spätestens unter den Nazis. Erst vor wenigen Jahren erinnerte eine vielbesuchte Ausstellung des Stadtmuseums an das unrühmliche Verhalten in der NS-Zeit, als antisemitische Wagen beim Rosenmontagszug bejubelt und Juden in der Bütt verächtlich gemacht wurden. Das hatte dann nichts mehr gemein mit der frechen Veräppelung der Obrigkeit - und auch der Kirche - früherer Zeiten. Auch die Mär von der NS-kritischen Kölner Bürgerschaft ist schon lange widerlegt.

Denjenigen Kölnern, die das reine Feiern um des Feierns willen nicht glücklich macht, bleibt nun wohl nur noch der Geisterzug, alternativer Karnevalsumzug und politische Demonstration in einem, der traditionell am Abend des Karnevalssamstags durch die Straßen zieht. Denn der kölsche Fastelovend lebt nicht vom schönen Schein alleine. Er sollte immer auch Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten in Frage stellen. Er darf nie blasphemisch oder verletzend sein, aber er sollte den Finger stets in die Wunde legen. Die Taten von Paris sind verachtungswürdig, unmenschlich und himmelschreiendes Unrecht. Umso schlimmer, dass sie im Namen einer Religion verübt wurden. Es hätte dem Kölner Karneval sehr gut gestanden, das klar und deutlich zu thematisieren.

Wir Kölner schauen ja immer mit leichter Verachtung auf den Düsseldorfer Karneval. Heute wird deutlich: zu Unrecht. Denn dort geht es seit langem nicht nur – wie in Köln beim Karneval oder in München beim Oktoberfest – darum, den Hektoliter-Verbrauch an Bier zu steigern und die Stadtkassen zu füllen. Nein, dort ist es gute Tradition, auf mutigen Karnevalswagen Missstände mit deutlichem Spott und Hohn an den Pranger zu stellen. Es tut weh, aber es muss sein: Heute heißt es "Helau" und nicht "Alaaf"!

Ralf Walter
(dr)

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