09.02.2013

Seit 400 Jahren treibt Blankenheim den Winter aus Mit Mehl und Kribbeln in der Hose

Blankenheim feiert 2013 Jubiläum: Vor 400 Jahren wurde die Tradition des Geisterzuges begründet. Ein Brauchtum, das Jahrhunderte lang im ganzen Rheinland verbreitet war – und sich nur in dem Eifelort erhalten.

Mit Einbruch der Dunkelheit wird das Kribbeln stärker. Das kleine Eifel-Örtchen Blankenheim füllt sich mit eigentümlichen Gestalten. Überall werden weiße Laken übergestülpt, mit Kordel zwei drollige Öhrchen abgebunden und Gesichter mit Mehl oder Schminke gekälkt. Was soll das wohl werden? Man begrüßt sich mit "Juh-Jah"; vereinzelt ertönt ein spukiges "jaahuuu". Bei der eigentümlichen Gesellschaft handelt es sich um ein jahrhundertealtes Brauchtum: den Geisterzug, ein ursprünglich germanisch-heidnisches Tun, wo in wirbelndem Tanz die Frühlingsgeister die finsteren Winterdämonen vertreiben.

Auch wenn die Tradition schon weit älter ist: In Blankenheim wird dieses Jahr ein stolzes Jubiläum gefeiert. Vor 400 Jahren, 1613, gründete Graf Hermann von Manderscheid die "Junge Mannschafts-Compagnie", die in der närrischen Zeit als örtlicher Karnevalsverein fungierte. Schon damals wurden viele der Figuren der "Blangemer Fassenaach" eingeführt.

Juh-Jah, Kribbel in d'r Botz

"Alle denkbaren und nie geahnten Geister des unergründlichen Erdinneren", so heißt es auf dem Karnevalsplakat von 1934, "sämtliche Kobolde, Gnome, Nymphen, Najaden, Feen, Nixen und Hexen der alten und der neuen Welt veranstalten bei dieser Gelegenheit einen brillanten, erznärrischen, diabolisch-elektrisch-bengalischen Geister-Fackel-Zug". Und das mit, wie das Plakat von 1884 ergänzt, "Illumination sämmtlicher närrischer Hirnschädel und hirnverbrannter Oberstübchen".

Trotz all solcher Unterscheidung der Geister: Das Erscheinungsbild des Zuges, der durch das alte Fachwerk und über das Pflaster des Ortes wirbelt, ist denkbar einheitlich. Mitlaufen darf nur, wer das ordnungsgemäße Kostüm von Laken, Hörnchen und Pechfackel trägt.  Aliens, Skelette, Mumien und andere Modernismen werden freundlich, aber bestimmt an den Rand gebeten.

Voran tanzen in eigentümlichem Schritt die beiden "Jecke Böhnchen", schon seit 400 Jahren als närrische Zugordner eingeteilt. Danach kommen das Schellenbäumchen, ein paar Hexen mit Besen, ein Teufel - und dann der Zugführer, Prinz Karneval als der Obergeist, mit Flügeln und hoch zu Ross. Ihm folgen Hunderte weißer Geister, eingehakt zu Paaren, mit schrillen Schreien und einem Zickzack-Tanz, dem sogenannten Juh-Jah-Marsch: "Juh-Jah, Kribbel in d'r Botz, wer dat net hät, dä is' nix notz" (Wer nicht das Kribbeln in der Hose hat, der ist zu nichts nütze).

Schwierige Suche nach dem Obergeist

Wer möchte bei diesem närrischen Treiben nicht der Obergeist sein? Offenbar nicht allzu viele: Zuletzt war es nicht leicht für die Findungskommission, jedes Jahr einen neuen Prinzen präsentieren zu können. Der Ort und die umliegenden Dörfer sind klein, die Rechnung für das Fastnachtsvergnügen groß. Von rund 20.000 Euro "als Hausnummer" spricht Thomas Bons vom Vereinskartell. Dabei kennt im Ort jeder jeden, und es ist gar nicht leicht, die Kommission abzuwimmeln. "Das geht dann schon mal in Richtung Nötigung", verrät Isolde Meyer, Prinzessin des Jahres 1991. Zur Not werde mit der Cognac-Flasche nachgeholfen.

Im 399. Jahr des Bestehens war es besonders schwer. Gut möglich, dass sich die Jungmänner ihre Kandidatur für das Jubiläumsjahr aufsparten. Und so musste 2012 nach 38 Jahren Werner V. noch einmal in den Sattel. Bereits 1974, im WM-Jahr von Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Berti Vogts, war er erstmals Blangems Prinz Karneval - als Werner II.

Auch 2003 war die Not so groß, dass am Ende nach schlafloser Nacht der Pfarrer von der Kanzel in die Bütt springen musste. Karl-Heinz II. (Stoffels) brachte zwar gemäß dem katholischen Kirchenrecht keine eigene Prinzessin mit. Beim Ball hatte er am Ende aber doch 15 (Ex-)Prinzessinnen, die ihm beisprangen. "Das Bütze" (Küsschengeben), sagte er damals augenzwinkernd, "muss ich natürlich voll ausnutzen."

Die Prozession durch die von bengalischen Feuern beleuchtete Stadt endet mit einem "Geisterball". Erst am nächsten Morgen, bei der karnevalistischen "Junggesellenmesse", findet sich der beflügelte "Obergeist" vom Vorabend verwandelt: von einem spukigen Schmetterling in den Prinzen Karneval.

Hinweis: Selbst mitmachen macht mehr Spaß, als am Rand stehenzubleiben. Die Einheimischen und Zugerfahrenen helfen gern beim Ausstaffieren. Mitzubringen sind ein Bettlaken oder eine weiße Tischdecke, Kordel, Schere und Feuer. Pechfackeln sind vor Ort zu kaufen. Der Zug startet am Karnevalssamstag, 9. Februar, um 19.11 Uhr am Rathaus und dauert etwa eine Stunde. Nicht allzu dicke Unterkleidung wählen - trotz Winterskälte: Für einige innere Wärme sorgt das Tanzen.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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