Thomas Frings mit dem Kölner Karnevalsprinz Christian II.
Thomas Frings mit dem Kölner Karnevalsprinz Christian II.
Pfarrer Thomas Frings als Sitzungspräsident
Pfarrer Thomas Frings als Sitzungspräsident
Thomas Frings mit dem Elferrat der Karnevalsgesellschaft "Die Große von 1823"
Thomas Frings mit dem Elferrat der Karnevalsgesellschaft "Die Große von 1823"
Thomas Frings mit dem Präsidenten der Karnevalsgesellschaft Joachim Zöller
Thomas Frings mit dem Präsidenten der Karnevalsgesellschaft Joachim Zöller
Prinz Christian II. und Jungfrau Griet
Prinz Christian II. und Jungfrau Griet

22.01.2020

Wenn ein Priester zum Sitzungspräsidenten im Karneval wird "Es geht um eine lebendige Kommunikation"

Nach seiner Zeit im Bistum Münster schlugen seine Aussagen zur Erneuerung der Kirche Wellen. Pfarrer Thomas Frings lebt heute in Köln. Als neuer Sitzungspräsident einer Karnevalsgesellschaft merkt er, dass Priester etwas von Büttenrednern lernen können.

DOMRADIO.DE: Bei der ältesten Karnevalsgesellschaft der Stadt Köln, das ist "Die Große von 1823", sind Sie seit dieser Session Sitzungspräsident. Wie ist das zustandegekommen?

Thomas Frings (Seelsorger in Herz Jesu und St. Mauritius, Köln und Sitzungspräsident der Kölner Karnevalsgesellschaft "Die Große von 1823"): Ich bin jetzt bald 20 Jahre Mitglied in dem Verein, auch wenn ich in Münster rund 40 Jahre gelebt habe. Ich bin Rheinländer durch und durch. Die einen Großeltern haben im Bonner Münster, die anderen im Quirinus-Münster in Neuss geheiratet, deren Kinder wiederum haben im Kölner Dom geheiratet. Von daher sind das alles linksrheinische Gene, die in mir und meinen Geschwistern vertreten sind. Egal, wo wir wohnen, im Herzen sind wir ziemlich rheinländisch geblieben. Deswegen war auch schon immer klar, – ich bin gerne da, wo ich wohne und lebe –  ich möchte eigentlich über die Karnevalstage nirgendwo anders als in Köln sein.

DOMRADIO.DE: Nachdem Sie 2016 in Münster zurückgetreten sind, waren Sie zunächst in Dorsten und seit 2018 in Köln. War es keine große Umstellung, nach Köln zu kommen und im Karneval Fuß zu fassen?

Frings: Nein, das war überhaupt keine Umstellung. Das wussten auch die Menschen in meinen früheren Gemeinden, dass ich spätestens zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch dort nicht mehr zu sehen bin.

DOMRADIO.DE: Einerseits sind es zwei Welten und doch ist es ein Miteinander: Wie passen Karneval und Kirche zusammen?

Frings: Wahrscheinlich bin ich da grundkatholisch. Also so katholisch, dass es heißt "sowohl als auch". Ich schaue also nicht nach den Unterschieden, sondern nach den Gemeinsamkeiten. Was verbindet uns? Wenn Sie hier in Köln einfach mal sehen, wie viel Pfarrkarneval gefeiert wird, wenn Sie den rausnähmen, haben Sie zwar noch die großen Säle, aber in den Pfarrheimen und Pfarrsälen finden doch die allermeisten Sitzungen statt.

DOMRADIO.DE: Gibt es dann dennoch einen Unterschied, ob ich vor einer Gemeinde stehe oder zu einer Karnevalsgesellschaft spreche?

Frings: Ja, das ist ein anderes Gefühl und gestern Abend war für mich dann die Premiere im Gürzenich. Ich gebe unumwunden zu, dass ich ziemlich Lampenfieber davor hatte. Nicht allein wegen der Menge der Menschen, man steht ja auch schon mal sonst vor vielen Menschen. Aber ich stehe dort dann in einer Funktion, die auch liturgisch rituell eine große Klarheit vermittelt. Ich bin jetzt schon im 33. Jahr Priester. Man gewöhnt sich auch daran und bekommt hoffentlich auch eine gute Routine.

Das war gestern Abend anders, auch wenn ich schon an vielen Sitzungen teilgenommen habe, auch im Elferrat. Aber jetzt vorne zu sitzen und fünf Stunden lang die Leitung der Sitzung zu haben, das hat mich schon ein bisschen nervös gemacht. Während der Sitzung ist man hochkonzentriert, weil immer wieder jemand von hinten kommt, einem etwas zuflüstert und sagt, die Gruppe ist da, oder jene Gruppe muss früher wieder gehen und pünktlich anfangen.

Gestern kam zum Beispiel eine Gruppe später. Das Herrliche war – und da freue ich mich total drüber – die Höhner waren auf der Bühne und wussten, dass Brings sich verspäten würde, sodass sie dann noch eine Zugabe gegeben haben. Sie guckten mich an und fragten: "Können wir noch eins?" Sie hatten Zeit, gaben noch eine Zugabe und der Saal tobte vor Begeisterung. Mir ist dann ein Stein vom Herzen gefallen.

DOMRADIO.DE: Sie haben es gesagt, Sie sind seit 33 Jahren Priester. Ist es eine andere Art, im Karneval auf die Menschen zuzugehen?

Frings: Wenn ich jetzt sage, dass es dasselbe ist, könnte man falsche Bilder im Kopf haben. Aber wer mich mal predigen gesehen und gehört hat, wird da Ähnlichkeiten sehen. Im gottesdienstlichen Geschehen bin ich ausgesprochen konservativ, halte mich sehr streng an bestimmte rituelle Vorgaben. Das, was wir immer und immer wieder tun, wenn wir die Eucharistie feiern, kann nicht immer wieder neu erfunden werden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es einen klaren Rahmen gibt.

Aber in dem Moment, wo ich nicht vor Gott stehe oder mit Gott spreche, indem ich bete, sondern zu den Leuten spreche, hat das sehr viel mit dem zu tun, was ich auch auf der Bühne im Gürzenich mache. Ich kommuniziere mit den Menschen und gehe auf sie zu. Ich mache das schon seit über 25 Jahren, dass ich mit Headset oder einem Handmikrofon predige und so nah rangehe, dass ich den Leuten gegenüberstehe, die in den ersten Bänken sitzen.

DOMRADIO.DE: In allen kirchlichen Diskussionen zurzeit geht es auch um die immer weniger werdende Bindung der Menschen zur Institution. Kann sich die Kirche etwas vom Karneval abschauen?

Frings: Ich möchte nicht immer alles gleich für Kirche verzwecken, von daher tue ich mich ein bisschen schwer mit der Frage. Aber ja, es geht um eine lebendige Kommunikation. Ich glaube, dass die Predigt für Menschen, wenn sie einen Gottesdienst besucht haben, eine große Bedeutung hat. Wie steht der Predigende da? Wie spricht er mit uns? Kommuniziert er mit uns? Spricht er mich an – im doppelten Sinne – im Äußeren, aber auch im Inneren?

Das tun alle Büttenredner. Sie sprechen das Publikum an, sonst hört das Publikum ihnen nicht zu. Im Saal wird es dann laut, in der Kirche schlafen sie ein: beides dasselbe und nachher sind diese Menschen weg. Büttenredner sind eher darauf angewiesen und bekommen eine deutlichere Reaktion. Ich glaube, an der Stelle könnten zumindest viele Männer und Frauen, die in der Kirche predigen, etwas davon lernen. Wie kommuniziere ich richtig mit den Menschen, die da sind?

DOMRADIO.DE: Bald steht die nächste Sitzung für Sie an. Ist das Lampenfieber jetzt überwunden?

Frings: Ein bisschen Lampenfieber wird auch bei der nächsten Sitzung noch vorhanden sein. Insgesamt hat meine Gesellschaft vier Sitzungen. Darauf muss man sich natürlich vorbereiten, das sind vier Abende und einer pro Woche in der Session, das geht. Da haben andere Vereine sehr viel mehr Stress.

Ich wurde im Frühjahr des letzten Jahres gefragt. Winrich Granitzka, Polizeipräsident in Köln, hat 15 Jahre großartig unsere Sitzungen geleitet und wollte dann aufhören. Wir haben einen Vereinspräsidenten, Joachim Zöller, der sich enorm einsetzt. Wenn Sie jemanden haben, an dem Sie sehen, wie sehr er sich engagiert und der fragt: "Würdest du dich auch engagieren?", dann fällt es schwer, nein zu sagen. Er hat es mir zugetraut und ich versuche mein Bestes zu geben. Ich habe auch Spaß daran. 

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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