Symbol von Heimat: Eine Karnevalistin lacht vor dem Dom
Symbol von Heimat: Eine Karnevalistin lacht vor dem Dom

03.03.2019

Psychologe über die Kölsche Sprache Aus dem Bauch heraus

"Uns Sproch es Heimat" lautet das diesjährige Motto des Kölner Karnevals. Warum in unserer Muttersprache nicht nur Heimat zu finden ist, sondern auch eine besondere Beziehung zu Gott, verrät der Psychologe Wolfgang Oelsner.

DOMRADIO.DE: "Uns Sproch es Heimat" heißt das diesjährige Karnevalsmotto. Was ist das für eine Heimat bei den Kölschen?

Wolfgang Oelsner (Psychologe, Autor, Karnevalsexperte): Naja, die Kölsche Heimat ist auch ein ganz großer Mythos. Und ein Mythos ist ja immer auch etwas Irreales, er hat aber eine reale Wirkung. Und damit sind wir bei dem, was uns von der frühesten Kindheit an begleitet: Da ist das große Bild "Mama", nicht nur die reale Person, sondern ein Sehnsuchtsort, als die Welt noch paradiesisch schön war, in der man noch nicht die anstrengende Verantwortung des Erwachsensein haben musste. Und all das schwingt mit, wenn wir von der Muttersprache reden, die ja oft auch regional dialektisch gefärbt ist.

DOMRADIO.DE: Da sind wir ja auch gleich bei der Mutter Kirche. Wie sprechen denn die Kölschen über die Kirche?

Oelsner: So, wie er sie erlebt, und das ist etwas ungefilterter als es in der hochdeutschen Sprache. Die Originalsprache hat ja das Privileg, aus dem Bauch heraus und direkt zu sein. Sie kann sich die Filterinstanzen des Kopfes ersparen und das, was erfreut, wird auch so wiedergegeben und das, was wütend macht, kommt aber dann auch oft sehr unverstellt zum Vorschein. Da wird über Strukturen geschimpft, dass sie nicht die Sehnsüchte erfüllt, die man gerne erfüllt sehen möchte.

DOMRADIO.DE: Gerade in der Karnevalszeit haben ja Kölsche Lebensweisheiten wie "D‘r leeve Jott es nit esu" Hochkonjunktur. Das ist doch ein bisschen respektlos, oder?

Oelsner: Darin liegt auch die Sehnsucht von uns Erwachsenen, ab und zu doch noch einmal die Welt vereinfacht sehen zu dürfen. Das genehmigen wir uns ansonsten im Urlaub. Da sind wir anders gekleidet, sprechen anders, haben ein anderes Freizeitverhalten und eine andere Tagesstruktur. Es ist nicht mehr so anstrengend und so verantwortungsgeladen. Und das nimmt man sich auch im Karneval heraus.

Und so sieht man auch die Beziehung zum lieben Gott nochmal wie ein Kind. Es ist ja verblüffend, dass selbst die intellektuellsten und vernünftigsten Menschen in der Alltagssprache immer vom lieben Gott sprechen. Da muss man sich gar nicht genieren, man kommt sich gar nicht komisch vor. Und ein besonderes Phänomen in Köln und in der Region Rheinland ist, dass durch dieses enorme Liedgut und die Sprachcodes aus dem Karneval ganze Gedankenkomplexe in einer sehr einfachen Sprache mitgegeben werden.

DOMRADIO.DE: Im Kölner Karneval gibt es viele Lieder, wo Gott und die Kirche vorkommen. Zeigen diese Lieder, die alle singen, dass da doch noch eine Verbindung zum lieben Gott und der Kirche noch da ist?

Oelsner: Vorbewusst ja. Das hält dann oft nicht mehr stand, wenn es ins Bewusstsein geht. Dann distanziert man sich davon. Das wäre eine Chance für die Kirche, um Menschen abzuholen. Eine Sehnsucht spricht daraus, in der Psychologie würden wir sagen, eine Bindungswilligkeit. Die Bindungsfähigkeit ist heute ja insgesamt sehr schwierig geworden, aber diese Bindungswilligkeit ist in diesen sprachlichen Angeboten noch einmal zu sehen. Und es ist dann eine große didaktische und pädagogische Kunst, die Menschen da abzuholen und das in die Erwachsenenwelt hinüberzuführen, damit es auch zu einem erwachsenen Gottesbild kommt. Und durch Brauchfeste wird genau das gepflegt und unterstützt, und das kann man ihm hoch anrechnen und ihm dafür dankbar sein.

Das Interview führte Birgitt Schippers.

(DR)

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