Dompropst Gerd Bachner testet die Virtual-Reality-Brille im Kölner Dom
Dompropst Gerd Bachner testet die Virtual-Reality-Brille im Kölner Dom
Gerd Bachner, Kölner Dompropst (l.) und Tom Buhrow, Intendant des WDR (r.)
Gerd Bachner, Kölner Dompropst (l.) und Tom Buhrow, Intendant des WDR (r.)

07.04.2017

Weltkulturerbe Kölner Dom in 360-Grad-Optik erlebbar "Ganz neue Art des Erlebens"

Jahrhunderte hat der Bau des Kölner Doms gedauert. Wie er mal im Mittelalter aussah, lassen nur Zeichnungen erahnen. Ein neues multimediales Angebot des WDR bietet jetzt die Möglichkeit, zumindest virtuell dabei zu sein.

Ringsherum liegt alles in Schutt und Asche. Überall ragen die Trümmer von Gebäuden auf. Nur ein Bau steht noch, zwar etwas angekratzt, aber er steht. Der Kölner Dom hat die Kriegswirren halbwegs unbeschadet überstanden. Mit einem Klick bietet sich das nächste Bild: Die Dombaustelle im Mittelalter. Linker Hand steht noch das Erzbischöfliche Palais; Südturm und Chor sind schon fertig. Auf dem Platz vor dem Dom stehen Marktstände. Ein weiterer Klick führt in die Römerzeit: Nur eine Villa ist zu sehen. Weit und breit keine Baustelle - und erst recht kein Dom. 

Die Zeitreise in die Geschichte und Vorgeschichte des Doms ist mit modernster Technik erlebbar. Ein Virtual-Reality-Projekt des Westdeutschen Rundfunks eröffnet einen völlig neuen Zugang zu dem Weltkulturerbe, das jährlich rund sechs Millionen Besucher anzieht und Deutschlands meistbesuchte Sehenswürdigkeit ist. Notwendig dazu ist ein Computer mit Internetverbindung oder ein Handy. Per App und am besten mit einer Virtual-Reality-Brille lässt sich das gotische Gotteshaus in ungewöhnlicher Weise erfahren.

Einhorn suchen und Privatkonzert anhören

Der Nutzer steht virtuell im Dom und kann sich mit 360-Grad-Drehungen in dem Bauwerk umgucken. Wer sich auf Erkundungstour begibt, kann das Einhorn suchen, das sich im Dom versteckt. Oder ein nächtliches Privatkonzert in der Kathedrale hören. Auch die Dombauhütte steht für einen Besuch offen. Dort sind Restaurateure zu beobachten, wie sie eine der vielen Skulpturen erneuern.

"Das ist eine ganz neue Art des Erlebens", sagt WDR-Intendant Tom Buhrow am Freitag bei der Vorstellung des Projekts. Der erste virtuelle Besuch im Dom sei "überwältigend" und "gigantisch" gewesen. "Fast besser als die Realität." Man sehe Stellen, an die sonst keiner hinkomme. Das Projekt könne Menschen den Dom sehr nahe bringen, auch wenn sie nicht vor Ort seien. Am Dienstag startet dom360.wdr.de.

Quelle: Youtube

Die neue Technik lasse sich auf verschiedene Weisen nutzen, erklärt Lisa Weitemeier, die bei der Entstehung des multimedialen Projekts beteiligt war. "Wir wollten, dass es für alle zugänglich ist." Deshalb gebe es neben der Internetseite mit sämtlichen Inhalten auch eine App für Smartphones für die Entdeckungstouren. Besonders würden die 360-Grad-Rundumschauen mit einer Virtual-Reality-Brille.

Wer eine solche Brille hat, kann sich auch wirklich im Gebäude fortbewegen. So besteht unter anderem die Möglichkeit, auf einer Empore stehend in den Dom zu blicken oder durch Ausgrabungen zu wandern. Ohne Brille findet sich der Nutzer an einem festen Punkt wieder, um den herum er die Details der Umgebung wahrnehmen kann.

Technik ermöglicht Zeitreise

Dompropst Gerd Bachner zeigte sich nach dem ersten Ausprobieren der neuen Technik begeistert. "Man ist richtig in der Zeit drin, das hat man nicht, wenn man sich nur Bilder davon anschaut." Von dem neuen Angebot erhoffe er sich, gerade auch jüngeren Menschen die Kathedrale zu erschließen. "Ich möchte ihnen die Türen des Doms öffnen und sie für ihn begeistern." Das Gotteshaus sei nie fertig, so der Geistliche. "Auch das Erschließen ist nie abgeschlossen." Es gebe immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Die Erfahrung hat auch Dombaumeister Peter Füssenich gemacht, der die Kathedrale sehr gut kennt. Auch ihm fielen immer wieder neue Dinge in dem Weltkulturerbe auf. Besonders beeindruckt habe ihn die virtuelle Zeitreise. "Das war spektakulär", so sein Resümee. Köln in der Nachkriegszeit, alles zerstört, nur der Dom stehe noch. "Beeindruckende Bilder."

Von Dana Kim Hansen

(KNA)

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