16.02.2017

Stellvertretender Kölner Dombaumeister klettert auf den Nordturm Schwindelfrei bei der Arbeit

Für den stellvertretenden Kölner Dombaumeister Albert Distelrath war es ein besonderer Tag: Zum ersten Mal ist er angeseilt auf 100 Meter den Nordturm hochgestiegen. Doch viel Zeit für die Aussicht blieb nicht, wie er domradio.de verriet.

domradio.de: Was war das für ein Gefühl, zwischen Himmel und Erde am Kölner Dom zu klettern?

Albert Distelrath (Stellvertretender Dombaumeister): Es war ein ganz besonderes Erlebnis, zum ersten Mal auf das Gerüst rauszusteigen und dann ordentlich Luft unter den Füßen zu haben. Das ist ein nicht ganz unbekanntes Gefühl für mich, weil ich Sportkletterer bin und das auch von Wänden in den Alpen kenne. Aber es ist natürlich etwas Besonderes, wenn unten nicht irgendwelche Landschaften sind, sondern die Domplatte mit Leuten, die darüber spazieren.

domradio.de: Waren Sie am Gerüst unterwegs? 

Distelrath: Genau, wir haben die nächsten Baumaßnahmen am Hängegerüst am Nordturm geplant und inspiziert. Am Nordturm stehen große Fialtürme an den Seiten, die immer 30 Meter freistehend sind. Das kann man sich kaum vorstellen, denn wenn diese vier Türme an den Seiten irgendwo auf einem Platz stehen würden, wären das eigene Kirchtürme. Die sind oben nur die Verzierung. Und an diesen 30 Meter freistehenden Türmen haben wir diese Hängegerüste abgehängt; eins kann man von der Westseite aus sehen. Die Gerüste sind so ausgelegt, dass man wegen des Gewichtes nur drei bis vier Lagen reinlegen kann, und die oberen Lagen sind ohne Gerüstlage. Wir mussten angeseilt in den Gerüstlagen hochsteigen, dort wo keine Gerüstbretter sind, um die nächsten Maßnahmen inspizieren zu können.

domradio.de: Was ist das Ergebnis dabei?

Distelrath: Es war erwartungsgemäß das, was wir in den unteren Lagen auch entdeckt haben. Wir haben teilweise Metallverankerungen, die korrodiert sind. Das heißt, die Teile sind gelöst und müssen neu verankert werden. Fugen sind gelöst, eine kleine Fiale müssen wir komplett ab- und wieder aufbauen, weil die Verankerung sich gelöst hat. Das sind noch Einwirkungen aus dem Krieg. 

domradio.de: Sie sind Sportkletterer und haben wahrscheinlich kein Problem mit der Höhe. Braucht man für so eine Kletteraktion am Dom eine besondere Ausbildung? 

Distelrath: Man hätte das mit einem normalen Gurt machen können und mit entsprechenden Fangeinrichtungen. Wenn man am Seil klettert und es höher hinausgeht, braucht man eine Industriekletterausbildung, die ich abgeschlossen habe. 

domradio.de: Steht so eine Aktion demnächst nochmal an, oder war das einmalig? 

Distelrath: Ich denke, das wird immer wieder anstehen. Im Gerüst hochsteigen, um die weiteren Maßnahmen zu planen, ist fast Routine. Aber um ganze Fassaden zu inspizieren, die nicht eingerüstet sind, müsste man sich abseilen und die Stellen dann von dort aus in Augenschein nehmen. 

domradio.de: Hatten sie auch Zeit, den Ausblick zu genießen?

Distelrath: Ja, es war ein vom Wetter her ein guter Tag und ein guter Einstieg für die Maßnahme. Man hat die Möglichkeit, sich ein bisschen zu umzusehen, zumal ich auch das erste Mal oben war. Aber man vertieft sich schnell in die Arbeit und sieht die Steine und die Fugen; und man verliert das Gefühl von der Höhe, weil man auf die Arbeit konzentriert ist. 

Das Interview  führte Verena Tröster.

(dr)

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