Rund um den Kölner Dom soll es sicherer werden
Der Kölner Dombau-Verein unterstützt unter anderem die Dombauhütte

14.02.2017

175 Jahre Kölner Dombau Verein Die längste Bürgerinitiative

Der Kölner-Zentral Dombau-Verein feiert Jubiläum. Er wurde am 14. Februar vor 175 Jahren gegründet. Doch was steckt eigentlich dahinter? Michael Hoffmann, Präsident des Zentral-Dombau-Vereins, rollt beim domradio.de-Besuch die Geschichte auf.

domradio.de: Der Dombau-Verein ist die am längsten andauernde Bürgerinitiative Deutschlands. Wie war das vor 175 Jahren - wieso wurde sie damals im traditionsreichen Kölner Gürzenich gegründet?

Michael Hoffmann (Präsident des Zentral-Dombau-Vereins): Normalerweise sind die Bürgerinitiativen ja nur ein paar Jahre oder überschaubar lang. Hintergrund war der Weiterbau des Kölner Doms. Die Kölner waren etwas müde geworden, diesen Torso seit 300 Jahren im Herzen der Stadt zu haben. Und schon Sulpiz Boisserée, Anfang des 19. Jahrhunderts, hat sich um den Weiterbau des Kölner Doms bemüht, aber in Berlin stieß man da auf taube Ohren. König Friedhelm III. war nicht besonders begeistert, den Kölner Dom als eine Art nationales Denkmal fertigzubauen. Als Protestant hat er das eher abgelehnt. Aber der Kronprinz, der dann 1840 König Friedrich Wilhelm IV wurde, ließ sich durchaus begeistern. Und so kam Hoffnung auf und man stellte den Antrag, dass der Dom weiter gebaut werden sollte. König Friedrich Wilhelm IV hat zwar auch Geld dazu gegeben, aber er hat gesagt, die Bürgerinnen und Bürger müssten auch etwas dazutun. Und das war die Geburtsstunde des Zentral-Dombau-Vereins.

domradio.de: Schon in wenigen Tagen stieg die Zahl der Mitglieder um fast 2.000 Unterstützer. Woher kam die Begeisterung?

Hoffmann: Die Begeisterung war nach jahrhundertelangem Warten überwältigend. Wir haben im Gürzenich eine Dokumentation, wo sich 3.327 Kölner Bürger versammelt haben, um den Zentral-Dombau-Verein zu gründen. Wenig später waren es schon 5.000 Mitglieder und überall in und außerhalb Europas waren plötzlich 150 Hilfsvereine, damals hießen die noch Hülfsvereine, gegründet worden, so dass eigentlich nach der Gründung des Dombau-Vereins Köln drei bis vier Monate später daraus der Zentral-Dombau-Verein entstand. Die Hilfsvereine lösten sich wieder auf, aber den Zentral-Dombau-Verein gibt es bis heute. Und wir sind natürlich glücklich, heute unseren Geburtstag feiern zu können.

domradio.de: Sie sind der Präsident, ich sehe das in Ihren Augen, für Sie ist das auch Berufung, oder?

Hoffmann: Ja, Überzeugung, Berufung, Leidenschaft, das kann man schon sagen. Und ich glaube, dass alle, die mich kennen, das auch wissen. Ich glaube nicht, dass es viele Menschen in meinem näheren Umfeld gibt, die nicht Mitglied im Dombau-Verein sind.

domradio.de: Wie kann man denn Mitglied werden?

Hoffmann: Es gibt nichts Einfacheres. Über das Internet, dort gibt es einen roten Button "Mitglied werden". Es gibt keinen Grund, nicht Mitglied zu werden, denn der Mitgliedsbeitrag beträgt 20 Euro pro Jahr; nach oben hin sind die Grenzen natürlich offen. Alle, die jetzt Mitglied werden, erhalten nicht nur das tolle Jahrbuch, in dem die Geschichte des Zentral-Dombau-Vereins beschrieben ist, sie bekommen auch eine wunderbare CD mit insgesamt 20 Liedern. In jedem dieser Lieder kommt der Kölner Dom vor. Und man bekommt eine Art Wimmelbuch "Wie der Dom nach Köln kam" mit vielen Texten von der ehemaligen Dombaumeisterin Schock-Werner. Wir haben für dieses Päckchen, das wir jetzt verschicken, schon so unglaublich viele Dankesschreiben bekommen, die Menschen sind begeistert. Und das war genau unsere Absicht. Wir wollten damit auch einen Schritt auf die jüngere Generation zugehen, unsere Mitglieder sind ungefähr in der zweiten Lebenshälfte. Und wir haben gesagt, wir müssen auch die Jugend begeistern. Denn der Dom gehört sich selbst und wird eine immerwährende Baustelle sein. Das Sprichwort sagt ja, "wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter". Aber der Dombaumeister hat gesagt, Arbeiten bis zum Jahr 2070 sind schon identifiziert. Also bis dahin brauchen wir schon mal keine Sorgen zu haben, dass die Welt untergeht.

domradio.de: Es braucht viel Geld, um so ein Riesenbaudenkmal wie den Kölner Dom zu erhalten. Welche Wege geht der Zentral-Dombau-Verein, um genug Geld für die immerwährende Baustelle Kölner Dom zu sammeln?

Hoffmann: Wir haben in erster Instanz unsere Mitgliedsbeiträge. Zusätzlich profitieren wir als Nachfolger der Dombaulotterie aus dem 19. Jahrhundert von "Spiel 77". Von dort bekommen wir jährlich rund 1,5 Millionen Euro. Neben den Mitgliedsbeiträgen ist das natürlich auch eine unglaublich wichtige Stütze. Wir sind aber auch darum bemüht, Erbschaften, Nachlässe zu bekommen. Insofern haben wir auch einen Flyer gemacht, in dem es darum geht, dem Dom etwas zu hinterlassen. Und da haben wir in den vergangenen sieben bis acht Jahren durchaus einen erklecklichen Betrag zusammenbekommen. Insgesamt um die acht Millionen Euro. Aber jedes Jahr gibt der Zentral-Dombau-Verein ungefähr vier Millionen Euro an die Dombauhütte und die Dombauverwaltung. Das sind 60 Prozent der gesamten Kosten dieser Dombauhütte. Das heißt also von jedem Steinmetz, von jedem Steinrestaurator, von jedem Gerüstbauer zahlt der Dombau Verein ungefähr 60 Prozent des gesamten Aufwandes. Da sind wir schon stolz darauf, dass wir das leisten können und dass sich der Dom und die Dombauhütte und die Mitarbeiter auch darauf verlassen können.

Das Gespräch führte Verena Tröster.

(DR)

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