Rund um den Kölner Dom soll es sicherer werden
Rund um den Kölner Dom soll es sicherer werden
Führen durch den Dom: Dompropst Gerd Bachner
Dompropst Gerd Bachner sitzt im Kölner Dom

14.09.2016

Dompropst Bachner zum geplanten Sicherheitskonzept "Zur Domumgebung gehört auch angemessenes Verhalten"

Rund um den Kölner Dom soll es sicherer und sauberer werden. Das will die Stadt mit einem neuen Sicherheitskonzept erreichen. Es gehe nicht um eine Abriegelung, sondern um eine Schutzzone, betont Dompropst Bachner gegenüber domradio.de.

domradio.de: Dieser Entwurf eines neuen Sicherheitskonzeptes rund um den Dom, das Oberbürgermeisterin Reker vom Kölner Polizeipräsidenten Jürgen Mathies bekommen hat, ist auch Ihnen vorgelegt worden? 

Prälat Gerd Bachner (Kölner Dompropst): Ja, ich bin im Gespräch mit der Oberbürgermeisterin, mit dem Polizeipräsidenten und mit Herrn Rummel, dem Leiter des Ordnungsamtes - nicht erst jetzt, mit der Vorlage von Entwürfen. Wir haben immer wieder über die Frage gesprochen: Was können wir tun, damit sich die schrecklichen Bilder und Taten von Silvester nicht wiederholen? Gleichzeitig müssen wir auch dafür Sorge tragen, dass der Dom als Weltkulturerbe eine angemessene Schutzzone erhält. 

domradio.de: Im vorliegenden Sicherheitskonzept geht es um beide Themen. Haben Sie daran mitgearbeitet, hat man Sie einbezogen? 

Bachner: Ich habe nicht am Text selbst mitgearbeitet, aber wir konnten einbringen, was uns wichtig ist. Zum Beispiel, dass der Dom zu Silvester nicht beschossen wird, dass wir mit dem Kardinal bei der Jahresschlussmesse nicht massiv durch Böllerschüsse gestört werden, so dass sich der Kardinal nicht mehr auf seine Predigt konzentrieren kann und die Gläubigen nicht mehr vernünftig zuhören können. Es hat also im Vorfeld schon Gespräche gegeben und ich bin froh und dankbar, dass das Thema Domumbegung und Schutzzone jetzt verantwortlich angepackt wird, sowohl zu Silvester als auch ganz allgemein - und das nicht nur punktuell, sondern mit einem Grundsatzpapier. 

domradio.de: Bleiben wir nochmal bei Silvester. Nach den Vorfällen im letzten Jahr hat es viele Diskussionen gegeben. Diese schlimmen Übergriffe auf Frauen sollen sich keinesfalls wiederholen. Wie greift das Sicherheitskonzept das auf? Was will man Silvester tun, um Ähnliches zu verhindern?

Bachner: Im Volksmund gibt es den Ausspruch: Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Übertragen bedeutet das: Ein Sicherheitskonzept zum Nulltarif kann es nicht geben. Wenn wir Sicherheit und Ordnung haben wollen - und zwar nicht nur mit Blick auf die Bilder, die nach draußen in die Welt gehen, sondern auch für die Menschen, die zu uns kommen, dann müssen wir in bestimmten Zeiten auch Einschränkungen in Kauf nehmen. Und genau das ist hier angedacht.

Deshalb wehre ich mich gegen den Ausdruck "der Dom wird eingezäunt". Das ist richtig und falsch. Aber die Vokabel "Zaun" signalisiert mir: Ich baue ein Häuschen, ich baue einen Garten, da kommt ein Zaun drum und davor steht: "Betreten verboten" oder "Nur privat". Genau so etwas darf es um den Dom nicht geben und wird es auch nicht geben. Statt dessen wird in einem größeren Bereich eine Schutzzone eingerichtet - mit verschiedenen Zugängen für die Bürgerinnen und Bürger, für die Gottesdienstbesucher, für alle. Das Bild wird also nicht so aussehen: Der Dom ist eingezäunt und keiner ist hinter dem Zaun, sondern es gibt Zugänge in eine Schutzzone. Wenn wir wollen, dass die Menschen in Ruhe und Freude an diesem Ort verweilen können und dass der Dom nicht mit Feuerwerk und Raketen beschossen wird, dann halte ich das für den richtigen Weg. 

domradio.de: Das heißt, man kann es ein abgeriegeltes Areal mit kontrolliertem Zugang nennen?

Bachner: Auch dieser Ausdruck geht mir im Grunde zu weit. Ich würde schon den Begriff "Schutzzone" verwenden. Schutz ist ein positiv besetzter Begriff. Ich möchte als Bürger geschützt werden. Dass der Dom geschützt wird, ist den Kölnern und auch vielen anderen Menschen wichtig. Deswegen wäre für mich der klassische Begriff, der auch in dem Entwurf steht, nämlich "Schutzzone", richtig. Es ist ja noch ein Entwurf, über den wir da sprechen und kein Konzept. Es beginnen jetzt erst die Gespräche und die Anhörungen mit den verschiedenen Gruppierungen. 

domradio.de: In dem Entwurf, der jetzt vorgestellt wurde, will man unter anderem gegen aktives Betteln, gegen Wildpinkeln und übermäßigen Alkoholkonsum im Domumfeld vorgehen. Wie soll das geschehen und ist das wünschenswert?

Bachner: Das ist überaus wünschenswert. Es geht nicht an, dass um den Dom herum Drogenhandel und Drogenkonsum herrschen. Das ist selbstverständlich nicht verantwortbar. Ich habe das Thema des Vorgehens gegen Wildpinkeln damals ja ins Leben gerufen, weil es nicht angemessen ist und auch nicht gut für das Gebäude. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass dieser Dom, diese große Kathedrale, dieses Weltkulturerbe eine angemessene Umgebung erfährt. Das ist nicht nur eine Frage der Architektur, sondern auch eine Frage des Verhaltens der Menschen. Dazu gehört in der Tat, dass Windpinkeln nicht möglich ist, ebensowenig wie aktives Betteln. Betteln aber muss erlaubt bleiben. Vor dem Dom haben wir dazu unsere Richtlinien. Das ist eine alte Tradition, dass vor Kirchen gebettelt wird. Vor dem Kircheneingang dürfen Menschen sitzen. Ich grüße jeden einzelnen, der davor ist, mit Ehrfurcht und Respekt, solange er keinen anderen bedrängt. Wenn man Slalom gehen muss und bis zu Handgreiflichkeiten genötigt wird, geht das nicht. Das umfasst der Begriff "aktives Betteln". Zu stehen und um eine Gabe zu bitten, ist völlig in Ordnung.

domradio.de: Gibt es dann laut Entwurf mehr Menschen, die um den Dom herum für Ordnung sorgen sollen?

Bachner: Natürlich gibt es das nicht zum Nulltarif. Da braucht man im Grunde nicht nur eine Ordnung, die überarbeitet wird, sondern man braucht auch Menschen, die dafür Sorge tragen, dass eine Ordnung umgesetzt wird. Oft ist es so, dass wir Ordnungen haben, die aber nicht umgesetzt werden. Die Umsetzung ist genau so wichtig wie die Ordnung selbst.

domradio.de: Es ist angeblich auch geplant, dass das Musizieren mit elektronischen Verstärkern in der Domumgebung untersagt werden soll. Ist das so?

Bachner: Das ist etwas, das mir auch wirklich am Herzen liegt. Straßenmusik ist etwas Wunderschönes und sie gehört auch um den Dom herum dazu. Aber es gibt Straßenmusik in unterschiedlicher Qualität. Manches ist ätzend! Wenn man hier in der Nähe lebt oder arbeitet und man hört von morgens bis abends die gleiche schräge Melodie, die auch noch elektronisch verstärkt wird, dann ist das genauso wenig zu tolerieren, wie Windpinkeln oder der Beschuss des Domes mit Feuerwerkskörpern. Zur Domumgebung gehört auch angemessenes Verhalten.

domradio.de: Soviel also zur Sicherheit um den Dom herum. Gibt es denn nach dem Reliquiendiebstahl auch Überlegungen, die Sicherheit im Dom selbst zu verbessern?

Bachner: Dazu gibt es noch keine abschließenden Überlegungen. Es steht noch nicht fest, ob mehr oder verbesserte Videoanlagen im Dom eingebaut werden. Bereiche für Gebet und stille Einkehr haben wir bis jetzt ganz bewusst nicht per Video überwachen lassen. Klar ist auf jeden Fall, dass wir noch einige Monate warten, bis die neue Reliquie installiert wird, schon alleine, weil ich eine "Trauerzeit" einhalten möchte. 

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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