SilentMOD im Kölner Dom
SilentMOD im Kölner Dom
SilentMOD
SilentMOD

19.08.2016

Laser- und Sound-Kunst im Dom zieht Tausende Besucher an "Chill dein Leben!"

"Chill dein Leben", heißt ein Rat unter Jugendlichen, der meint: Reg dich ab. Er passt aber als Motto auch zu dem Projekt im Kölner Dom, mit dem die Kirche zur Gamescom ein für sie schwer zu erreichendes Publikum einlädt.

Allein schon die Schlange ist sehenswert: vom Hauptportal bis hinter das Südportal, knickt sie am Römisch-Germanischen Museum ab und windet sich in engem Slalom weit hinein in den Roncalli-Platz.

"Kann mir einer sagen, wo hier der Dom ist?", kalauert ein Junger mit Kappe. Und ein Alter mit Glatze schnauzt seine Frau an: "Ich stell mich doch nicht eine Stunde an, um irjendwo rinzejonn" (irgendwo reinzugehen). Schlangen-Management wie am Flughafen. Viele Tausend Besucher - Mädels mit Blümchenkleid, Jungs mit Muscle Shirts und Grauköpfe mit Allwetterjacke - standen am Donnerstagabend an, um einen besonderen Moment in der 768-jährigen Geschichte des gotischen Doms zu erleben.

Wummernder Bass

Der Bass geht durch Mark und Pfennig. Der blaue Lasertunnel zieht den Betrachter hoch zum gotischen Chor. War da nicht gerade ein "Agnus Dei" zu hören? Im Seitenschiff öffnet sich schon ein neuer Tunnel: ein rotes Dreieck. Noch bis Samstagnacht läuft das Laser- und Sound-Kunstprojekt zur Computerspielemesse Gamescom im Kölner Dom. Es soll Kirche für ein jugendliches Publikum neu erfahrbar machen.

"Macht doch aus dem Dom keine Jahrmarktbude", postete ein besorgter Facebooker, kaum dass die ersten visuellen Eindrücke in den Sozialen Netzwerken erschienen. Aber erstens ist in der Kölner Bischofskirche schon durch ihre Lage direkt am Hauptbahnhof immer eine Menge Leben.

Des Domes würdig

Und zweitens: Mit Jahrmarktbude hat die Installation so rein gar nichts zu tun. Was das international gefeierte Kölner DJ-Duo "Blank & Jones" für das Projekt "SilentMOD" komponiert hat, ist des Doms würdig - "würdig und geil", wie es einem Besucher entfährt. Auch die Stars der DJ-Szene bekennen "Gänsehaut". Es ist keine Selbstinszenierung, die dort geschieht, kein Spektakel.

Es ist das Gotteshaus selbst, das inszeniert wird. "Das stark machen, was in dieser Kathedrale schon da ist", nennt das der Bochumer Pastoraltheologe Matthias Sellmann, der Initiator des Events. Das Ergebnis gibt auch den Hausherrn am "Domkloster 4" Recht. Wohl nicht alle goutieren das Experiment, das Dompropst Gerd Bachner, Domdechant Robert Kleine und Generalvikar Dominik Meiering wagen: die wohl bekannteste Kirche Deutschlands mit großem Aufwand für die Jugendkultur zu öffnen, um so einen neuen Zugang zum sakralen Raum zu ermöglichen. Der Dom als "Server", als Kraftquelle, die in sich ruht.

Farbenspiel statt Lichtgewitter

Sound und Chilltronic-Musik, kein Techno; Farbenspiel statt Lichtgewitter. Die Heiligenfiguren an den Kirchenpfeilern, die Schwalbennestorgel im Hauptschiff, magisch umspielt von Klang und Licht. Dazu ein Duft, den der Bochumer Riechforscher Hanns Hatt und der Parfümeur Marc vom Ende eigens für den Dom kreierten: Weihrauch trifft Orange - so anregend wie exotisch, zugleich ein frischer Anklang an die Herkunft des Christentums in der Levante. "Die Nase schläft nie", sagt Hatt. Das hätte sie dann mit dem Gamer- und Feier-Publikum gemeinsam.

Drei Industrieroboter am Fuß des Chores sollen die Heiligen Drei Könige symbolisieren auf der Suche nach Gott. Ihre Laserarme tasten die Wände der Kirche ab, in der Hoffnung: Er ist schon da. Wie viele der Jugendlichen an diesem Abend tatsächlich Gott gefunden haben, lässt sich nicht messen. Auf jeden Fall waren "krass" und "geil" am Ausgang häufig gesprochene Worte - und auf jedem Fall kamen Tausende Menschen in den Dom, die ansonsten noch nicht ganz viele Kirchen von innen gesehen haben.

Besucher beeindruckt

Der ewige Dom in einem jugendlichen Licht: eine starke Einladung des Domkapitels, eine große Chance auf ein besonderes Kirchenerlebnis - gemäß der Überzeugung von Initiator Matthias Sellmann: "Jugendseelsorge ist nicht Arbeit an der Kirchlichkeit der Jugend, sondern an der Jugendlichkeit der Kirche." Einige Besucher posten schon im Hinausgehen ihre ersten Handy-Fotos.

Ein älteres Ehepaar war "schon beeindruckt" - "aber schöner find' ich ihn ohne", sagt der Mann entschieden. Und seine Frau: "Ich hätte mir dazu eine klassische Musik gewünscht." Zur Gamescom passt schließlich  die hoffnungsvolle Frage, die ein junges Mädchen offenbar am meisten beschäftigt: "Waren da auch Pokemon drin?"

Alexander Brüggemann
(KNA)

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