Klassenzimmer in einer katholischen Schule
Klassenzimmer in einer katholischen Schule

23.04.2021

Kritik an Petition zur Umwandlung von Bekenntnisschulen "Wir leben in einer pluralen Gesellschaft"

Eine Gruppe von Eltern hat per Online-Petition eine generelle Umwandlung von Bekenntnisschulen in NRW zu Gemeinschaftsschulen gefordert. Die Schulrätin Andrea Gersch kann dieser Idee wenig abgewinnen und bringt Gegenargumente.

DOMRADIO.DE: Um welche Schulen geht es hier eigentlich? Es sind Bekenntnisschulen in staatlicher Trägerschaft und keine katholischen oder evangelischen Privatschulen, oder?

Andrea Gersch (Abteilung Schule und Hochschule des Erzbistums Köln, Schulrätin für Grundschulen): Genau so ist es. Das ist oft ein Anlass für Missverständnisse. Es sind öffentliche Schulen. Das heißt, sie sind in kommunaler Trägerschaft. Die Schulverwaltungsämter kümmern sich zum Beispiel um die Gebäude, sind also für diese Schulen zuständig. Das ist die eine Seite.

Auf der anderen Seite gibt es die Schulaufsicht, die dem Ministerium für Schule und Bildung obliegt, beziehungsweise den dann untergeordneten Behörden, der Bezirksregierung und den Schulämtern.

Die Regelschule ist in NRW die Gemeinschaftsgrundschule, während katholische Grundschulen und evangelische Grundschulen, also die gerade beschriebenen öffentlichen Schulen, Angebotsschulen sind. Damit korrespondiert auch die Offenheit dieser Schulart, die allen Eltern offensteht, die einfach diese Erziehung und Unterrichtung im Bekenntnis für ihr Kind wünschen. Und es gibt an diesen Schulen auch keine Quote. Das finde ich auch noch immer wichtig zu erwähnen.

DOMRADIO.DE: Von wie vielen Schulen reden wir hier? Wie viele Bekenntnisschulen gibt es?

Gersch: In NRW gibt es rund 800.

DOMRADIO.DE: Was haben denn diese Schulen genau für einen Sinn, wenn sie zu 100 Prozent vom Staat finanziert werden? Warum sind sie dann überhaupt evangelische oder katholische Bekenntnisschulen?

Gersch: Wir haben ein plurales Schulsystem und diese Schulart macht eben ein inhaltlich profiliertes Angebot. Die Eltern, die sich dafür entscheiden, beziehungsweise auch katholische Eltern natürlich, wünschen sich für die Grundschulzeit ihrer Kinder eine Kontinuität der Glaubenserziehung. Und viele Eltern möchten einfach gerne heute, gerade inmitten einer Welt, wo vieles beliebig ist, wo die Fragen nach Sinn und Zweck des Daseins wirklich drängend sind, dass Ihr Kind eine Schule besucht, die eine klare und tragfähige Orientierung gibt oder verlässliche Maßstäbe.

Ich finde, das sind Wünsche, die nach wie vor berechtigt und verständlich sind. Und ich teile wirklich die Auffassung von Eltern, wenn sie bei der Bildung ihres Kindes im Hinblick auf die Grundschulzeit auf die Werte schauen, für die eine Schule steht. Auch andere Kinder sind an den Bekenntnisschulen willkommen. Sie lernen da ein Identitätsangebot - Angebot muss man betonen - aus dem katholischen Glauben kennen.

DOMRADIO.DE: Was hat die Katholische Kirche selbst für ein Interesse, dass diese Bekenntnisschulen auch Bekenntnisschulen bleiben?

Gersch: Wir leben in einer pluralen Gesellschaft. Das bildet sich zum Beispiel in vorschulischen Bildungsangeboten ab und von Klasse fünf an auch in der Vielfalt der Bildungsangebote weiterführender Schulen. Wir haben katholische Kitas und wir haben auch katholische weiterführende Schulen.

Da muss man sich fragen, warum sollen Schülerinnen und Schüler der Altersgruppe von circa sechs bis zehn Jahren in unserem Land nicht dieselbe Chance auf ein katholisches Bildungsangebot haben? Warum sollen sie stattdessen auf eine Einheitsschule mitgehen müssen? Das müssen sich meines Erachtens die Gegner dieser Schulart fragen lassen.

DOMRADIO.DE: Das klingt ja auf jeden Fall so, dass vor allem auch die Eltern vor Ort ein Interesse daran haben, dass ihre Kinder auf so eine Schule gehen. Also statt einer landesweiten Regelung, wie sie die Petition fordert, wäre es dann nicht besser, von Schule zu Schule zu gucken und da jeweils die Eltern entscheiden zu lassen?

Gersch: Ganz genau - und so ist das auch in NRW geregelt. Die Schulart bestimmen die Eltern. Es ist ihr demokratisches Grundrecht. Und diese Freiheit des Elternwillens in Erziehung und Bildung, die ist wirklich eine wichtige Errungenschaft unserer Landesverfassung. Auf diesem Wege können sie wirklich die Schullandschaft verändern, bestimmen und dafür sorgen, dass sie quasi ein Abbild des gesellschaftlichen Bedarfs ist.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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