Der islamische Religionsunterricht soll reformiert werden
Symbolbild Religionsunterricht

05.06.2019

Religionslehrer kritisieren Amtskirche in Positionspapier "Dafür möchten wir nicht mehr den Kopf hinhalten"

Mit einem Positionspapier haben sich Religionslehrer an die deutschen Bischöfe gewandt. Sie fühlen sich von der Amtskirche allein gelassen. Die Unterrichtsinhalte seien unglaubwürdig. Dabei gebe es viel Potential, Kinder für Religion zu begeistern.

DOMRADIO.DE: Welche Werte und Tugenden, die in der Schule vermittelt werden, finden sich denn in der Amtskirche nicht wieder?

Gabriele Klingberg (Vorsitzende des Bundesverbandes der katholischen Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien): Schülerinnen und Schülern sagen vor allen Dingen, dass ihnen Authentizität fehlt. Sie entdecken in dem Handeln der Amtskirche leider nicht mehr das, was sie im Religionsunterricht durch uns Religionslehrerinnen und Religionslehrer als Botschaft Jesu vom Reich Gottes kennen lernen und sich damit auseinandersetzen. Diese Worte und Taten, mit denen Jesus sie so überzeugt, finden sie in der Amtskirche nicht wieder.

DOMRADIO.DE: "Dabei sei der Missbrauch und seine Vertuschung nur die Spitze des Eisbergs, an dem das majestätisch stolze Schiff der Kirche unterzugehen droht". Das ist ein Zitat aus Ihrem Brief. Wie genau meinen Sie das?

Klingberg: Diese von uns so bezeichnete majestätische Haltung erzeugt wirklich keinen Basiskontakt mehr. Schülerinnen und Schüler erleben Kirche überhaupt nicht mehr lebensnah. Sie erleben nicht, dass die Amtskirche eine Botschaft für ihr Leben transportiert und dass diese Botschaft sie überhaupt noch berührt. Sie fühlen sich nicht mehr gehört.

Ich würde auch sagen, dass es inzwischen einen großen Teil Schülerinnen und Schüler gibt, die mit einer solchen Kirche gar nicht mehr in Kontakt kommen und auch nicht mehr in Kontakt kommen wollen.

DOMRADIO.DE: Sie sagen jetzt, Sie können nicht die Fehler der Amtskirche im Religionsunterricht kompensieren. Wie erleben Sie das konkret in der Schule?

Klingberg: In der Schule ist es so, dass wir als Religionslehrerinnen oder Religionslehrer von Kolleginnen und Kollegen sofort mit Äußerungen, Handlungen und Nachrichten konfrontiert werden, die von der Amtskirche kommen. Dafür möchten wir nicht mehr den Kopf hinhalten.

Das ist immer wieder eine große Herausforderung für uns. Dieser Herausforderung müssen wir uns auch jeden Tag im Unterricht stellen, weil die Schülerinnen und Schüler uns fragen, wie wir für eine solche Institution noch stehen und arbeiten können.

DOMRADIO.DE: Aber sie kritisieren nicht nur. Sie machen auch Vorschläge beziehungsweise stellen in dem Positionspapier gar zehn Forderungen auf. Da geht es im Kern darum, Hierarchien aufzubrechen, Klerikalismus abzuschaffen und die Gläubigen mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Kann man das so zusammenfassen?

Klingberg: Ja. Das ist eine gute Zusammenfassung der Schwerpunkte unserer Forderungen. Da stimme ich Ihnen auf jeden Fall zu.

DOMRADIO.DE: Sie sagen, Reparaturmaßnahmen reichten bei weitem nicht aus. Man brauche wirklich strukturelle Veränderungen. Wie könnten diese Veränderungen konkret aussehen?

Klingberg: Ich glaube, dass Frauen und Männer in der Kirche – vor allen Dingen Laien – viel stärker an Entscheidungen partizipieren müssen. Und auch viele Bischöfe müssen meiner Ansicht nach viel stärker mit jungen Menschen ins Gespräch kommen.

Wenn wir es nicht schaffen, die jungen Menschen für die Botschaft Jesu zu begeistern und sie damit näher zu einer Kirche zu bringen, die sie überzeugt, weil Wort und Tat übereinstimmen, dann wird die Kirche auf Dauer keine Zukunft haben. Diese jungen Menschen werden dann fehlen.

DOMRADIO.DE: Wie wichtig ist denn für diese jungen Menschen zum Beispiel die Frage nach dem Frauenpriestertum? Spielt das eine Rolle?

Klingberg: Das spielt für die eine Rolle, die überhaupt noch interessiert sind. Aber die Gruppe der Schülerinnen und Schüler, die von solchen Fragen überhaupt noch berührt ist, wird immer kleiner. Für viele Schülerinnen und Schüler ist die Kirche gar nicht mehr relevant.

DOMRADIO.DE: Sie fordern auch ein Umdenken in Fragen der Sexualität. Was ist da in Ihren Augen nötig?

Klingberg: Mit der Sexualität muss man sich viel stärker auseinandersetzen. Die Freude an der Sexualität muss auch übermittelt werden. Sexualität muss nicht immer nur unter einem moralischen Gesichtspunkt gesehen werden.

Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich ganz stark damit, wie mit homosexuellen Menschen von Seiten der Amtskirche umgegangen wird. Das ist für sie ein richtiges Problem, weil sie eine große Diskriminierung darin entdecken. Da müssen wir einfach noch mal stärker mit allen Ebenen ins Gespräch kommen.

Wenn ich mit meinen Schülerinnen und Schülern darüber diskutiere, dann fragen die nach der Menschenwürde. Dann fragen sie, wie die Schöpfungserzählung in Genesis gemeint ist. Wird der Mensch so angenommen wie er ist? Wo geht das überein mit den Äußerungen der Amtskirche? Das ist ein echtes Problem.

DOMRADIO.DE: Ihr Positionspapier ist eines von vielen Papieren, die momentan von katholischen Laienbewegungen an die Amtskirche gerichtet werden. Nützt das was? Wird die Kirche sich jetzt bewegen?

Klingberg: Das ist unsere Hoffnung. Deswegen haben wir dieses Papier auch vor Pfingsten an die Bischöfe geschickt. Die Botschaft Jesu macht uns stark und ich glaube, sie trägt auch diese Hoffnung, dass wir etwas bewegen können.

Es gibt ja auch von einigen Bischöfen deutliche Zeichen, dass es Wege geben könnte. Einige Bischöfe teilen auch die Idee der Partizipation von Menschen, die in der Kirche aktiv sind. Von daher hoffe ich, dass den Worten und der Ankündigung auf jeden Fall konkrete Taten folgen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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