Was erwarten und erhoffen sich junge Menschen von der Kirche?
Was erwarten und erhoffen sich junge Menschen von der Kirche?
Thomas Andonie (BDKJ-Bundesvorsitzender) und Pfarrer Dirk Bingener (M, BDKJ-Bundespräses) überbringen Papst Franziskus Postkarten der Aktion "Post an den Papst"
Thomas Andonie (BDKJ-Bundesvorsitzender) und Pfarrer Dirk Bingener (M, BDKJ-Bundespräses) überbringen Papst Franziskus Postkarten der Aktion "Post an den Papst"

02.10.2018

Was junge Menschen bei der Synode von der Kirche erwarten "Darauf schauen, an was es krankt"

An diesem Mittwoch beginnt die Jugendsynode. Der Bund der katholischen Jugend erhofft sich dabei vor allem Antworten auf die Frage, was getan werden muss, damit junge Menschen die katholische Kirche wieder als Begleiterin ihrer Welt sehen?

DOMRADIO.DE: Mit welchen Anliegen sind Sie angereist? Welche Wünsche und Themen haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen Ihnen mitgegeben?

Thomas Andonie (Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, BDKJ): Da habe ich eine ganze Menge im Gepäck. Der BDKJ ist ja der Dachverband der katholischen Jugendverbände in Deutschland. Diese haben natürlich auch schon Beschlüsse gefasst zu Fragen wie: Was bewegt junge Menschen? Was wünschen sich junge Menschen von Kirche? Und wie wollen sie Kirche sein? Das wird natürlich in meinem Gepäck sein.

Wir haben auch eine Postkarten-Aktion vor der Jugendsynode gestartet, bei der junge Menschen sehr konkrete Anliegen an Papst Franziskus kommunizieren konnten. Diese Postkarten haben wir letzte Woche übergeben und die habe ich natürlich auch mit dabei.

DOMRADIO.DE: Steht denn irgend etwas an erster Stelle. Kristallisiert sich heraus, was den Jugendlichen besonders wichtig ist?

Andonie: Ganz wichtig ist vielen jungen Menschen, dass die Kirche glaubwürdig und authentisch auftritt. Es gibt viele Baustellen, die junge Menschen in dieser Kirche sehen. Da geht es zum einen um die Fragen der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Wie können Frauen in Kirche sichtbarer werden, auch in Leitungsfunktionen? Zum anderen bewegt junge Menschen in Deutschland stark die Frage nach dem Pflichtzölibat.

Ein anderes Thema, das wir mitnehmen, ist die Weihemöglichkeit von Frauen zu Priesterinnen. Uns bewegt zudem die Frage, wie wir gemeinsam Kirche sein können. Wie können wir klerikalistische Strukturen in der Kirche aufbrechen und gemeinsam als Volk Gottes Leitungsverantwortung in der Kirche übernehmen? Auch: Wie können junge Menschen in täglichen Entscheidungen beteiligt werden wobei nicht über sie, sondern mit ihnen entschieden wird?

DOMRADIO.DE: In der Synode sitzen rund 40 Jugendliche und junge Erwachsene mit rund 350 Bischöfen und Kardinälen in einem Raum. Dürfen Sie dabei sitzen und nicken oder dürfen Sie auch etwas sagen?

Andonie: Nein, auf keinen Fall werde ich nur sitzen und nicken. Die Auditorinnen und Auditoren haben die Aufgabe, die Synode zu begleiten und sich aktiv einzubringen. Ich werde nicht nur dasitzen und nicken, sondern in der großen Versammlung sprechen und ein Statement halten können und mich auch in den Kleingruppen aktiv einbringen können. Das ist auch der Anspruch, den wir haben: Die Anliegen der jungen Menschen müssen gehört werden.

Wir finden es sehr schade, dass es lediglich 34 oder 35 junge Menschen sind, die als Vertreter von ihren jeweiligen Ländern beteiligt werden. Aber wir hoffen natürlich, dass die Anliegen so ernst genommen werden, das diese auch entsprechend in dem Abschlussdokument und in den Verhandlungen berücksichtigt werden. Dass sie als Maßgabe genommen werden. Und dass aus der Perspektive der jungen Menschen aus deren Welt geschaut und überlegt wird: Wie können wir Kirche sein, dass junge Menschen die katholische Kirche als Begleiterin auf dem Weg durch Leben und Glauben wahrnehmen?

DOMRADIO.DE: Im Vorfeld der Jugendsynode wurde auch gefordert, sie abzusagen und stattdessen eine Sondersynode zu den Missbrauchsskandalen durchzuführen. Was sagen Sie dazu?

Andonie: Ich halte es für absolut richtig, die Jugendsynode durchzuführen, aber wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Das Thema der sexualisierten Gewalt ist kein regionales Thema. Es ist ein weltweites Thema, das ganz deutlich zeigt, wie viel - auch strukturell - an sexualisierter Gewalt in der Kirche Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen widerfahren ist. Darüber muss auch hier in Rom gesprochen werden. Wir können nicht das Thema Jugend behandeln ohne darauf zu schauen, an was die Kirche krankt: Da haben wir Klerikalismus, die Machtstrukturen, diese männerbündischen Gruppierungen, die sich gegenseitig decken.

Wir müssen darüber sprechen, wie Kirche gemeinsame Verantwortung bekommt. Wie Machtstrukturen aufgebrochen werden, die jungen Menschen unbeschreibliches Leid zufügen, wo doch die Kirche jungen Menschen das Heil verspricht? Da müssen wir hinkommen. Das muss auch hier Thema sein. Und deshalb sage ich: Wir gehen nicht zur Tagesordnung über, wir thematisieren das auch. Ich will das auf jeden Fall in diese Synode einbringen. Es muss ein klares Votum kommen, und dann müssen in den jeweils regionalen Unterschiedlichkeiten Handlungsschritte unternommen werden und konkret etwas passieren.

DOMRADIO.DE: Sie sind ja schon ein paar Tage in Rom. Was steht für Sie auf dem Programm?

Andonie: Die Jugendsynode startet mit einem großen Pontifikalamt im Petersdom. Anschließend wird dann um 16.30 Uhr die Versammlung durch Papst Franziskus persönlich eröffnet. Wir werden sehen, in welche Richtung die ganze Veranstaltung geht. Die Synode sieht vor, dass wir in großen Gruppen zusammensitzen und anschließend auch in kleineren Sprachgruppen diskutieren. Das wird jetzt den ganzen Monat über abwechselnd zu den verschiedenen Teilen des Vorbereitungsdokuments "Instrumentum laboris" passieren.

Das Gespräch führte Heike Sicconi.

(DR)

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