24.01.2018

Jugend sucht in allen Weltreligionen nach Antworten "Religiöse Touristen"

Woher kommen wir? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Jugendliche sind auf der Suche nach Antworten. Und zwar nicht nur in ihrer eigenen Religion, verrät die SINUS:akademie im Interview. 

DOMRADIO.DE: Ein Ergebnis der SINUS-Jugendstudie ist, dass Sinnfragen für die Jugendlichen besonders wichtig sind. Welche sind das?

Christine Uhlmann (katholische Theologin und stellvertretende Leiterin der SINUS:akademie): Jugendliche beschäftigen sich vor allem mit den Fragen 'Wo kommen wir her?' und 'Was passiert nach dem Tod?'. Das sind die Themen, wo sie uns antworten: Das ist etwas Spannendes. Das ist etwas, was mich umtreibt und bewegt. Das würde ich  definitionsmäßig schon in die Ecke Glaube und Religion stecken.

DOMRADIO.DE: Sie sprechen von religiösem Tourismus. Was steckt dahinter?

Uhlmann: Jugendliche sind, was ihren eigenen ganz individuellen Glauben angeht, auf der Suche – und zwar sehr bewusst. Sie schauen sich immer wieder Dinge an, auch von außen, oder schnuppern auch mal rein und machen mit, um für sich ganz verschiedene Versatzstücke von unterschiedlichen Religionen zu finden, passend zu finden und zusammen zu würfeln. Das machen sie, wie es ihnen ganz individuell und ganz situativ gerade richtig und passend erscheint. Das kann dieses Jahr der Buddhismus sein, nächstes Jahr sind vielleicht auch Elemente aus dem Judentum dabei. Da ist ganz viel Neugierde am Start und man merkt, dass es eine Frage ist, die bewegt. Da ist man für sich auf der Suche.

DOMRADIO.DE: Das Interesse und die Neugierde sind da. Wenn wir aber auf die Zahlen der Religionszugehörigkeit gucken, dann sieht es anders aus. Die Zahlen gehen immer mehr zurück, bei der Jugend genauso. In wie fern deckt sich das mit dem, was bei Ihrer Studie herausgekommen ist?

Uhlmann: Wir sind da aus der Definition der Jugendlichen heraus nicht mehr im Bereich des Glaubens, also des Individuellen und Spannenden. Da sind wir im Bereich der Institutionen der Religion, die sagen, es gibt irgendwelche Vorschriften, es gibt irgendwelche Regularien, an die wir uns halten sollen. Das ist gleich deutlich weniger spannend. Das wird mit deutlich mehr Distanz angeschaut und auch mit viel Ablehnung angeschaut. Das ist etwas, was eher abgelehnt wird oder wo man sich schon lange nicht mehr so gerne mit beschäftigt.

DOMRADIO.DE: Kann man denn sagen, wie die Jugendlichen selber zu dem Thema stehen?

Uhlmann: Ich würde sagen, sie stehen dazu mit großer Distanz und auch mit Skepsis. Es sind wenige Jugendliche, vor allem die aus dem traditionellen Fragment, die wir als den konservativ-bürgerlichen Jugendlichen beschreiben, die sagen, dass sie ein sehr positives Verhältnis auch zu der eigenen Religion haben. Die würden sich auch als religiös bezeichnen. Bei den anderen merken wir, dass da schon viel Skepsis erst einmal am Werk ist. Es gibt also bei den traditionellen, bei den konservativ-bürgerlichen Jugendlichen, welche, die sagen: Ja, ich bin religiös. Ja, ich besuche die Kirche.

Wir haben aber auch viele O-Töne, wo Jugendliche aus anderen Lebenswelten sagen: Ich bin nicht wirklich gläubig oder ich glaube an keinen Gott. Ich glaube vielleicht an eine höhere Macht, ich bin mir gar nicht so sicher, was ich eigentlich glaube und ob ich glaube. Das ist so der Tenor in vielen anderen Lebenswelten. Auch da spielt für mich Neugier mit rein: Wer ist es denn, wenn es nicht dieser Gott ist? Aber es spielen auch viele Fragezeichen mit rein.

DOMRADIO.DE: Spielt denn die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft überhaupt noch eine Rolle für die Menschen in dem Alter?

Uhlmann: Wenn man jetzt die christlichen Religionsgemeinschaften betrachtet, dann würde ich sagen: nein. Wir haben in der letzten Jugendstudie deutliche Unterschiede zwischen christlichen und muslimischen Jugendlichen ausmachen können. Da spielt die Religionszugehörigkeit eine Rolle. Die muslimischen Jugendlichen stehen deutlich mehr noch hinter ihrer Religion und bezeichnen sich noch deutlich mehr als religiös. Vor allem, können sie aus ihrem Alltag viel mehr noch religiöse Rituale und Riten benennen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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