Zwei junge Katholiken
Zwei junge Katholiken

13.10.2015

Shell-Studie: Glaube wird unwichtiger für junge Katholiken Generell optimistisch

Die Bedeutung des Glaubens nimmt im Leben junger Menschen weiter ab. Laut einer Studie ist nur für 39 Prozent der katholischen Jugend Gott wichtig für die Lebensführung. Insgesamt blickt die Jugend optimistisch in die Zukunft.

Die Jugend in Deutschland bleibt optimistisch: Laut der am Dienstag in Berlin vorgestellten Shell-Jugendstudie blicken 61 Prozent der Jugendlichen optimistisch in die eigene Zukunft. 2010 waren es noch 59 Prozent der befragten 12- bis 25-Jährigen. Aber junge Menschen aus der sozial schwächsten Schicht teilen diese Zuversicht nicht.

Wie schon 2010 äußert sich nur ein Drittel von ihnen optimistisch zur eigenen Zukunft. In der oberen Schicht hingegen sind dies drei Viertel der Befragten.

Wunsch nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Einen hohen Stellenwert hat für die Jugendlichen nach wie vor die Familie. Mehr als 90 Prozent pflegten ein gutes Verhältnis zu ihren eigenen Eltern. Fast drei Viertel würden ihre eigenen Kinder ungefähr so oder genauso erziehen, wie sie selbst erzogen wurden, so die Studie. Dieser Wert hat seit 2002 stetig zugenommen. Bei den Jugendlichen aus der unteren Schicht sei diese Zustimmung jedoch erneut am geringsten.

Bei ihrem Bildungs- und Berufswunsch sind die Jugendlichen laut Studie anspruchsvoller. Sie wünschten sich Berufe mit erfüllenden Tätigkeiten, aber auch Flexibilität und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So ist es danach für vier Fünftel der Jugendlichen wichtig, dass sie ihre Arbeitszeit kurzfristig an ihre Bedürfnisse anpassen können. Drei Viertel der Jugendlichen möchte in Teilzeit arbeiten können, sobald sie Kinder haben. Damit tritt die Karriereorientierung hinter der Vereinbarkeit von Arbeit und Leben sowie die Planbarkeit der Berufstätigkeit zurück.

Dagegen geht laut Studie der Kinderwunsch zurück. Es wünschten sich derzeit nur 64 Prozent aller Jugendlichen Kinder, 2010 seien es 69 Prozent gewesen. Dabei sei bei den männlichen Jugendlichen der Trend stärker ausgeprägt als bei den weiblichen.

Junge Generation sieht Zuwanderung positiver

Weiteres Ergebnis der Studie: Bei Jugendlichen ist die Angst vor Fremdenfeindlichkeit stärker als die Angst vor Zuwanderung. So fürchteten sich 29 Prozent vor Zuwanderung, aber 48 Prozent hätten Angst vor Ausländerfeindlichkeit. Auch seien die Jugendlichen offener gegenüber Zuwanderung geworden: So plädierten 2006 etwa 58 Prozent dafür, die Zuwanderung nach Deutschland zu verringern, 2015 seien es 37 Prozent gewesen.

Ein weiterer Trend: Langsam, aber relativ stetig nähern sich laut Umfrage die Jugendlichen wieder der Tradition an, deren Wert unter ihnen lange Zeit eine sehr geringe Rolle gespielt hat. Während die Jugend das "Althergebrachte" in den 1980er Jahren noch zu 66 Prozent ablehnte, liegt dieser Wert 2015 bei 48 Prozent.

Sinkende Bedeutung des christlichen Glaubens

Laut Studie geht diese Entwicklung jedoch nicht von der Religion, sondern eher vom Stolz auf die Leistungen der Nation aus. Die Bedeutung des christlichen Glaubens sei im Leben der Jugend weiter zurückgegangen, so die Autoren. Vor allem unter katholischen Jugendlichen sei seit 2002 der Glaube an Gott immer unwichtiger geworden. So gaben 2002 noch 51 Prozent der befragten katholischen Jugendlichen an, Gott sei wichtig für die Lebensführung, während es 2015 noch 39 Prozent waren. Bei den protestantischen Jugendlichen ging der Wert von 38 auf 32 Prozent zurück. Dagegen nähmen Jugendliche, die anderen Religionen angehören, den Gottesglauben wichtiger, vor allem muslimische (76 Prozent) und christlich-orthodoxe Jugendliche (64 Prozent).

Schwesig: Jugend zu Unrecht als desinteressiert gescholten

Die Jugend sei oft zu Unrecht als egoistisch und desinteressiert gescholten worden, sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) bei der Vorstellung der Studie. Vielmehr beweise die Umfrage, dass die junge Generation eine hohe Integrationsbereitschaft habe, sagte Schwesig. Ihr komme dabei eine Schlüsselrolle zu. "Die Jugend von heute hat es in der Hand, wie Menschen hier ankommen", sagte Schwesig. Vom Optimismus und der Zuversicht beim Blick auf Flüchtlinge könne sich mancher eine Scheibe abschneiden, sagte die Ministerin.

(KNA, epd)

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