Student Tim hilft Syrer Rena beim Deutschlernen
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13.10.2015

Jugendforscher: Säkularer Glaube an Werte setzt sich durch Für Vielfalt und Verwurzelung

Unter jungen Deutschen sinkt die Skepsis gegenüber Zuwanderung. Das geht aus der Shell-Jugendstudie 2015 hervor. Der Sozialwissenschaftler Thomas Gensicke über die Ergebnisse zu Glaube und zu Wertvorstellungen.

domradio.de: 2002 haben über die Hälfte der jungen Katholiken gesagt, der Glaube spielt für sie in der Lebensplanung eine Rolle. Dieses Jahr sind es 39 Prozent. Wie erklären Sie sich dieses Absinken?

Thomas Gensicke (Verantwortlich für den Studienteil zur Werteorientierung): Es geht eigentlich darum, ob es in der Lebensgestaltung eine Rolle spielt, ob es sozusagen einfließt in die Art und Weise wie Jugendliche leben. Es ist eine Verschiebung von einer wichtigen Bedeutung in eine Teils-Teils-Kategorie, das muss man immer so sehen. Offensichtlich finden diese strikte religiöse Vorstellung die Jugendlichen nicht mehr so angemessen, sondern weichen auf andere weichere Vorstellungen aus.

domradio.de: Das heißt man kann das nicht gleichstellen mit der Frage: Glauben Sie als junger Mensch an Gott?

Gensicke: Die Jugendlichen berufen sich immer stärker auf Traditionen, sie haben eine feste Bindung zu ihrem Land, zu ihrer Nation und aber inzwischen auch zur Region. Trotzdem passt das zusammen, weil Jugendliche an der Stelle, wo sie "das Schicksal hingestellt hat", da wollen sie sich engagieren und aktiv einbringen.

domradio.de: Im Moment reden wir in der Gesellschaft viel über Flüchtlinge, auch über solche Gruppierungen wie Pegida. Es ist so, dass die Jugend mehr Angst vor Fremdenfeindlichkeit als vor Überfremdung hat. Hat sie das überrascht?

Gensicke: Nein, tendenziell war das bisher schon so. Die Schere hat sich allerdings weiter geöffnet, weil die Angst vor der Zuwanderung gibt es auch, sie ist bei 30 Prozent stabil geblieben. Die Angst vor der Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit hat aber deutlich zugenommen. Man kann das auch nachvollziehen. Ich vermute mal, der Wert würde, wenn wir ihn jetzt erheben würden, noch einmal höher sein. Wir haben ja im Januar und Februar gefragt.

domradio.de: Eine große Rolle spielt die Familie für junge Leute. Über 90 Prozent sehen die Erziehung der Eltern positiv. Dreiviertel wollen ihre Kinder so erziehen, wie sie von ihren Eltern erzogen worden sind. Wie erklären Sie sich, dass die Familie auch heute noch das wichtigste ist?

Gensicke: Die Generationen haben sich schon seit 10-20 Jahren wieder enger zusammengeschlossen. Wir hatten ja durchaus in den 70er und 80er Jahren noch starke Generationenkonflikte. Diese Diskrepanz oder dieser Widerspruch sind nicht mehr da, weil die Elterngeneration anders erzieht, liberaler erzieht, allerdings inzwischen auch versucht mit festeren Grundsätzen die Liberalität zu kombinieren. Das kommt bei den Jugendlichen offensichtlich gut an.

domradio.de: Sie würden also grundsätzlich ein positives Fazit der Studie ziehen?

Gensicke: Auf jeden Fall. Das bemerkenswerte sehe ich bei der Zuwanderung. Sie ist ja inzwischen gewaltig und als wir 2010 das letzte Mal gefragt haben, hatten wir Abwanderung. Als wir im Januar/ Februar gefragt haben kam gerade die Prognose heraus, dass wir 600.000 Zuwanderer kriegen und auch da hat die Stimmung unter den Jugendlichen gehalten und ist nicht in das Negative gerutscht. Ich würde sagen, dass sie jetzt etwas restriktiver sein würde, aber immer noch grundsätzlich offen. Die Jugend ist oft die Bevölkerungsgruppe, die am besten mit Vielfalt leben kann.

domradio.de: Die Studie wird seit 1953 regelmäßig durchgeführt, gab es bei dieser neusten Studie für Sie Überraschungen?

Gensicke: Was mich überrascht, ist doch, dass gerade in den letzten fünf Jahren dieser Trend zur Verwurzlung, zur Tradition sich fortgesetzt hat. Es ist jetzt nicht so, dass alle Jugendlichen konservativer werden, aber die Tradition des Landes und auch der Nation und der Kultur verlieren Vieles an abschreckender Wirkung, die sie früher mal auf Jugendliche hatten. Das führt aber nicht dazu, dass sie sozusagen anderen Kulturen weniger aufgeschlossen gegenüber treten. Sie tun das selbstbewusst auf der Basis ihrer Kultur.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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