Das Grab von Max Friedlaender auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf
Das Grab von Max Friedlaender auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf

20.10.2021

Debatte über Neonazi-Bestattung in Stahnsdorf hält an "Da stehen noch Antworten aus"

Der Rabbiner Homolka mahnt Aufklärung über die Hintergründe der Bestattung eines Holocaustleugners auf dem evangelischen Friedhof in Stahnsdorf an. Der Rechtsextreme wurde in dem ehemaligen Grab des jüdischstämmigen Max Friedlaenders bestattet.

Nach der Beisetzung eines Holocaustleugners auf dem evangelischen Südwestkirchhof in Stahnsdorf hat der Rektor des Potsdamer Rabbinerseminars Abraham Geiger Kolleg, Walter Homolka, weitere Aufklärung über die Hintergründe angemahnt. In der Debatte über die Bestattung in einem vermeintlich jüdischen Grab sei der Fokus meist falsch gesetzt, sagte Rabbiner Homolka in Potsdam.

Kein jüdisches Grab

Religionsgesetzlich betrachtet sei der Rechtsextremist und Antisemit nicht in einem jüdischen Grab beigesetzt worden, sagte Homolka: "Das Skandalon ist nicht, dass hier ein jüdisches Grab geschändet worden sei. Die Schande besteht darin, dass ein rassisch Verfolgter, dem die Nazis alle Ämter entzogen hatten, nicht vor der Demütigung einer antisemitischen Provokation bewahrt worden ist."

Friedlaender wurde evangelisch bestattet

Die sterblichen Überreste des Neonazis wurden am 8. Oktober im früheren Grab des Musikwissenschaftlers Max Friedlaender (1852-1934) beigesetzt. Der seinerzeit bedeutende Volkslied-Experte wurde 1934 nach kirchlichen Angaben evangelisch bestattet, das Grab war seit 1980 aufgelöst.

Bei dem Grab handle es sich um keine jüdische Grabstätte mit Ewigkeitsrecht, sagte Homolka. Bei christlichen Bestattungen sei davon auszugehen, dass das Recht zur Grabnutzung nur für eine bestimmte Zeit gekauft werde. "Man kann davon ausgehen, dass dies schon 40 Jahre lang nicht mehr die Grablege von Herrn Friedlaender gewesen ist", sagte der Rabbiner.

Problematik nicht erkannt?

Die eigentliche Frage sei, warum die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz die Bestattung des Neonazis überhaupt zugelassen hat, sagte Homolka: "Hat die Friedhofsverwaltung die Problematik nicht schon erkannt und deshalb das Konsistorium angerufen? Warum wurde dort diese erneute Demütigung Friedlaenders ohne Not in Kauf genommen, obwohl es genügend Alternativen gegeben hätte, den Mann zu bestatten - sei es in Berlin oder seinem Wohnort in Nordrhein-Westfalen?"

"Da stehen noch Antworten aus", sagte Homolka. Dies habe jedoch nichts mit der Frage zu tun, ob die Grabstelle jüdisch ist oder nicht. Tragisch sei vielmehr, dass Friedlaender, der von den Nazis bereits aus "rassischen Gründen" verfolgt wurde, nun erneut eine Schändung seines Andenkens erfahren habe, betonte der Professor für jüdische Theologie: "Das Konsistorium hätte deutlich machen müssen, dass für Nazipropaganda und antisemitische Provokationen auf diesem kulturgeschichtlich bedeutenden Friedhof kein Platz ist."

Von Yvonne Jennerjahn
(epd)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Tageskalender

Radioprogramm

 02.12.2021
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Himmelklar Podcast

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…