Bundespräsident Steinmeier beim Auftakt des Festjahres "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland"
Bundespräsident Steinmeier beim Auftakt des Festjahres "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland"
Josef Schuster
Josef Schuster
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht in der Kölner Synagoge
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht in der Kölner Synagoge
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender (2.v.r) stehen mit Josef Schuster (r), Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Abraham Lehrer (l), Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, vor einer Vi
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender (2.v.r) stehen mit Josef Schuster (r), Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Abraham Lehrer (l), Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, vor einer Vi

22.02.2021

Festjahr zu 1.700 Jahre jüdisches Leben eröffnet Geschichte mitgeschrieben und Kultur leuchten lassen

Es ist soweit: Das Festjahr zu 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland ist nun offiziell eröffnet. Der Auftakt ist von Respekt für die Leistungen von Juden geprägt - der Blick fällt aber auch auf dunkle Kapitel.

Eine "Jubelarie" soll das Festjahr nach den Worten des Präsidenten des Zentralrats der Juden nicht werden - zu zahlreich waren die dunklen Kapitel. Aber es soll eine gute Gelegenheit zum besseren Kennenlernen von Juden und Nichtjuden sein. Am Sonntag wurde das Festjahr offiziell eröffnet: Es erinnert an 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, den bedeutenden Beitrag von Juden zur deutschen Geschichte und möchte zeigen, wie Juden heute leben.

In der Corona-Pandemie dürfte das nicht ganz einfach werden - aber das Jahr ist noch lang. So fand der Festakt ohne Publikum statt, vorab aufgezeichnete Wortbeiträge wurden aus der Kölner Synagogen-Gemeinde im Ersten ausgestrahlt. Zusätzlich zu den Reden von Vertretern der jüdischen Gemeinschaft und Politikern kam es zu Begegnungen via TV: So stellten jüdische Künstler, aber auch Studenten sich und ihr Verhältnis zu Kultur und Tradition vor. Mit einem klaren Bekenntnis war der zehnjährige Jona dabei: "Judentum bedeutet mir viel."

Blick in die Vergangenheit

Die Eröffnung des Festjahres warf einen Blick zurück auf vielfältige und entscheidende Beiträge von Juden über die Jahrhunderte hinweg. Alle Redner betonten, dass es zugleich Zeiten von Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung gab - bis hin zur Ermordung von rund sechs Millionen europäischen Juden in der Schoah. Danach war kaum an einen Aufbau jüdischen Lebens in Deutschland zu denken. Aber es geschah.

Dann, seit den 1990er Jahren, kamen Zuwanderer aus der früheren Sowjetunion: Die rund 220.000 Juden veränderten das jüdische Leben hierzulande einschneidend, wurden doch in manchen Städten erst Gemeinden gegründet. Und seit einiger Zeit zieht es auch junge Israelis vor allem in Großstädte. "Welch unermessliches Glück für unser Land", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Heute sei jüdisches Leben hierzulande "vielfältig, facettenreich, lebendig, voller Schwung" - zugleich weiter bedroht. Dem müsse entgegengetreten werden, mahnte Steinmeier, Schirmherr des Festjahrs. "Die Bundesrepublik Deutschland ist nur vollkommen bei sich, wenn Juden sich hier vollkommen zu Hause fühlen."

"Unsere Kultur leuchten lassen"

Nach den Worten des Staatsoberhauptes trug das Judentum entscheidend zum Aufbruch Deutschlands in die Moderne bei. Als Beispiel nannte er Moses Mendelssohn (1729-1786), den Wegbereiter der "jüdischen Aufklärung". Steinmeier resümierte: "Ob in der Philosophie, in der Literatur, Malerei und Musik, in der Wissenschaft, der Medizin, in der Wirtschaft, Juden haben unsere Geschichte mitgeschrieben und -geprägt und unsere Kultur leuchten lassen."

Um gegen Antisemitismus und Vorurteile vorzugehen, sei Bildung von großer Wichtigkeit, mahnte Zentralratspräsident Josef Schuster. Judenhass mit all seinen schrecklichen Folgen ziehe sich "wie ein roter Faden durch die deutsch-jüdische Geschichte". Juden dürften nicht länger als fremd empfunden werden. Er sei da optimistisch und freue sich sehr, dass jetzt die Möglichkeit bestehe, ein breites Publikum mit jüdischer Tradition und Kultur vertraut zu machen.

NRW-Ministerpräsident verweist auf eine "lange Freundschaft"

Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warb dafür, sich besser kennenzulernen. Er verwies auf eine "lange Freundschaft" zwischen Deutschland und Israel. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin sagte in einer Grußbotschaft: "Obwohl wir die Tragödien der Vergangenheit nie vergessen werden, betonen wir unser gemeinsames Erbe, den Beitrag der deutschen Juden zur deutschen Gesellschaft und die tiefe Freundschaft zwischen Deutschland und dem israelischen Staat."

Das Festjahr

Das Festjahr geht auf ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin von 321 zurück, das er nach Köln adressierte: "Mit einem allgemeinen Gesetz erlauben wir allen Stadträten, Juden in den Rat zu berufen." Das Dokument gilt als der früheste schriftliche Nachweis für jüdisches Leben nördlich der Alpen.

Bundesweit sind im Festjahr rund 1.000 Veranstaltungen geplant. So soll es das größte jüdische Laubhüttenfest der Welt "Sukkot XXL" im Herbst sowie das mehrmonatige Kulturfestival "Mentsh!" (Jiddisch für "Mensch") geben. Eine Videoreihe auf www.2021jlid.de erklärt Kindern Hintergründe. Und eine Sonderbriefmarke soll ebenfalls eine Botschaft zu den Menschen bringen: Sie zeigt den hebräischen Schriftzug "Chai" ("Leben") - zusammen mit dem Ausruf "Auf das Leben!".

Leticia Witte
(KNA)

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