Collage aus deutscher und israelischer Flagge 2014 in der East Side Gallery, Berlin
Collage aus deutscher und israelischer Flagge 2014 in der East Side Gallery, Berlin

08.08.2019

Orthodoxe Rabbiner kritisieren Aussagen von Bischof Abromeit "Tief bestürzt und erschüttert"

Das Schuldbewusstsein der Deutschen führe zu einer "Überidentifikation mit dem Staat Israel" hatte der evangelische Bischof Abromeit gesagt. Seine Landesbischöfin distanziert sich – die Rabbiner in Deutschland sind empört. 

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland zeigt sich "tief bestürzt und erschüttert" über Äußerungen des evangelischen Bischofs Hans-Jürgen Abromeit zum Nahost-Konflikt.

Diese widersprächen vielem, was der jüdisch-christliche Dialog "mühselig als Konsens zum Thema Land und Staat Israel erarbeitet hat", erklärte die Vereinigung von 53 jüdischen Geistlichen am Mittwoch in Köln. Die Positionen des Greifswalder Bischofs förderten den Hass auf Israel und erschwerten christlich-jüdische Dialogbemühungen.

Ambromeit: "Überidentifikation mit dem Staat Irael"

Bei der Konferenz der Deutschen Evangelischen Allianz in Bad Blankenburg hatte Abromeit in der vergangenen Woche unter anderem laut Manuskript gesagt, aus dem Schuldbewusstsein der Deutschen folge "eine Überidentifikation mit dem Staat Israel". Von dieser Formulierung hatte sich auch die Landesbischöfin der evangelischen Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, distanziert.

Als Reaktion auf die Kritik an seiner Ansprache erklärte Abromeit, es liege im fern, "die aus der deutschen Schuld und der christlichen Mitschuld gewachsene Verantwortung für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger Israels oder das Existenzrecht Israels infrage zu stellen".

Rabbinerkonferenz: "Argumentation völlig einseitig"

Die Rabbinerkonferenz begrüßte, dass sich die Kirchenleitung der Nordkirche von den Aussagen Abromeits "klar distanziert hat".

Die Rabbiner werfen dem Bischof vor, "dass seine ganze Argumentation völlig einseitig zu Lasten Israels geht und der Zionismus auf das Allernegativste reduziert wird". Weiter heißt es in ihrer Erklärung: "Solch schematisches Täter/Opfer-Denken und einseitige Schuldzuschreibungen werden der Realität nicht gerecht und tragen sicherlich nicht zum Frieden bei."

Abromeit verteidigt Aussagen

Abromeit hatte die Kritik an seinen Äußerungen zurückgewiesen. "Ich bedauere außerordentlich, dass offensichtlich einige der aus dem Zusammenhang meines Vortrages herausgenommenen Formulierungen Anlass zu Missverständnissen gegeben haben", erklärte er.

Es sei ihm lediglich darum gegangen, "angesichts einer seit Jahrzehnten festgefahrenen Situation im Israel-Palästina-Friedensprozess" nach Impulsen in der Bibel zu fragen, die Bewegung ermöglichen könnten, betonte der Sprengelbischof für Mecklenburg und Pommern in der evangelischen Nordkirche.

(KNA)

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