Eine jüdisch-orthodoxe Familie in Antwerpen
Eine jüdisch-orthodoxe Familie in Antwerpen

16.05.2019

Antwerpen als Gastgeber für hunderte europäische Rabbiner "Als ob meine Familie zu Besuch ist"

Sie schüttelten einander herzlich die Hände, scherzten und diskutierten auf Hebräisch oder in einem Sprachgewirr: Hunderte orthodoxe Rabbiner aus Europa trafen sich zur Generalversammlung – ausgerechnet in Antwerpen.

Männer in langen schwarzen Mänteln, mit Hüten und Schläfenlocken eilen durch die Straßen. Manch einer radelt auf dem Fahrrad. Frauen tragen Hauben auf dem Kopf, einige haben Tüten mit hebräischen Aufschriften in den Händen. Hin und wieder ist Jiddisch zu hören. Hier gibt es koschere Läden und Restaurants, eine Synagoge – und die berühmten Antwerpener Diamentengeschäfte. In der Nähe des Hauptbahnhofs der belgischen Stadt ist das Zentrum einer der größten ultraorthodoxen jüdischen Bevölkerung Europas, wie der Jüdische Weltkongress betont. Demnach leben rund 30.000 Juden in Belgien, die meisten davon in Brüssel und eben Antwerpen.

Ein passender Ort

Die Stadt war also ein passender Ort für die 31. Generalversammlung der orthodox geprägten Konferenz Europäischer Rabbiner (CER): Von Montag bis Mittwoch trafen sich in einem Hotel mit gediegenem Charme mehrere hundert Rabbiner, deren Ehefrauen und politische Entscheidungsträger, um Vorträge zu hören und über aktuelle Themen zu diskutieren. Immer wieder wurde Kritik laut, dass die Religionsfreiheit in Europa eingeschränkt werde – etwa mit dem Verbot ritueller Schlachtungen in Belgien. Beim Schächten werden Tiere ohne Betäubung getötet. Aus Sicht vieler Juden wird mit dem Gesetz jüdisches Leben deutlich erschwert.

CER-Präsident Pinchas Goldschmidt berichtete, dass das koschere Fleisch für die Mahlzeiten auf der Generalversammlung aus Polen stammte. Nicht nur die vitale jüdische Gemeinschaft in Antwerpen und das damit verbundene Ambiente und die Infrastruktur, sondern auch das Schächtverbot seien Gründe dafür gewesen, die Generalversammlung in der Stadt nahe Brüssel abzuhalten. Es sei die bisher größte der CER gewesen, betonte Goldschmidt.

"Uns geht es im Allgemeinen gut"

Allgegenwärtig war auch das Thema Antisemitismus und der Kampf dagegen – verbunden mit den Bemühungen und der Frage nach der Zukunft jüdischen Lebens in Europa. In einer Umfrage hatten vor einiger Zeit 85 Prozent der Juden in der EU gesagt, dass Antisemitismus das wichtigste Problem für sie sei.

Avichai Apel, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, sagte mit Blick auf die Bundesrepublik zwar: "Uns geht es im Allgemeinen gut." Aber oft müssten Juden zu ihrem Schutz religiöse Symbole wie Kippa und Davidstern in der Öffentlichkeit verdecken. Während die Versammlung in Antwerpen lief, wurde in Deutschland die Statistik der politisch motivierten Kriminalität vorgestellt: 2018 nahm die Zahl der bundesweit erfassten judenfeindlichen Delikte im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent auf rund 1.800 zu.

Schutz von Synagogen

Apel, Rabbiner in Frankfurt, berichtete, dass Gemeindemitglieder um den Nachweis ihrer jüdischen Herkunft bitten. "Das zeigt uns, dass sie sich auf eine Emigration nach Israel vorbereiten. Das sind Einzelfälle, die aber in den vergangenen drei bis vier Monaten häufiger werden." Die Leute machten sich Gedanken.

Zum Thema Sicherheit sprach auf der Generalversammlung auch hoher Besuch: Israels Oberrabbiner Yitzhak Yosef widmete sich etwa der Frage, inwiefern sich die Bedienung technischer Möglichkeiten zum Schutz von Synagogen mit den Erfordernissen am jüdischen Ruhetag Schabbat vereinbaren ließen.

Familientreffen mit persönlichem Austausch

Weitere gut besuchte Vorträge thematisierten ethische Aspekte der Pränataldiagnostik oder den Übertritt von Kindern und Jugendlichen – und meist einem weiteren Elternteil – zum Judentum. Bei einer Art "Damenprogramm" stand zudem eine Diskussion über Kindesmissbrauch auf dem Tagungsprogramm – ein Thema, mit dem sich jede Gemeinschaft auseinandersetzen müsse, betonte Goldschmidt. Unter den hunderten schwarzgewandeten Rabbinern waren nämlich auch einige Rebbetzin – also Ehefrauen von Rabbinern. "In vielen Gemeinden haben sie eine leitende Position", erklärte Goldschmidt.

Eine von ihnen ist Julia Konnik aus Antwerpen. Sie arbeitet für die Lauder Foundation und ist dort für ein Online-Bildungsprogramm zuständig. "Es ist, als ob meine Familie zu Besuch ist", sagte strahlend die quirlige Frau, die für jeden ein offenes Ohr zu haben schien. Und tatsächlich wirkten die drei Tage in Antwerpen wie ein sehr großes Familientreffen mit viel persönlichem Austausch. In zwei Jahren ist es wieder soweit, bei der 32. Generalversammlung.

Leticia Witte
(KNA)

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