Zwei Muslimas mit Kopftuch und ein jüdischer Mann mit Kippa unterhalten sich
Zwei Muslimas mit Kopftuch und ein jüdischer Mann mit Kippa unterhalten sich

13.05.2019

Integrationsbeauftragte zu jüdisch-muslimischem Dialog-Projekt Neue Initiative gegen Antisemitismus

Antisemitismus in Deutschland wird zunehmend von radikalen Muslimen geschürt. Dem will der Zentralrat der Juden in Deutschland mit einem jüdisch-muslimischen Dialog-Projekt entgegensteuern – unterstützt vom Bund. Was steckt dahinter?

DOMRADIO.DE: Was ist das für ein Projekt – wie sieht das konkret aus?

Annette Widmann-Mauz (Integrationsbeauftragte der Bundesregierung): Das Projekt "Prävention durch Dialog" ist ein Projekt, mit dem wir präventiv Antisemitismus in unserem Land bekämpfen wollen. Es kommt noch viel zu kurz, dass wir präventiv agieren. Dialog, Verständigung und Aufklärung über andere Religionen spielen eine ganz wichtige Rolle, um auch mal aus der Perspektive des Anderen seine eigene Religion zu reflektieren, Gemeinsamkeiten zu erkennen, mehr Respekt füreinander zu entwickeln und den Menschen den Nährboden zu entziehen, die Hass predigen und Hetze verbreiten.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Begegnungen und Diskussionen sollen angeregt werden und es geht um Aufklärung: Was macht deine Religion aus? Was macht meine Religion aus? Das ist tatsächlich auch notwendig, oder?

Widmann-Mauz: Das ist notwendig, weil wir immer wieder feststellen, dass Menschen zu wenig von ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern wissen, wenn sie einer anderen Religion angehören. Wir wollen in diesem Projekt unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Natürlich wollen wir vor allen Dingen junge Menschen erreichen – Schülerinnen und Schüler, Studierende, Jugendliche, die sich im Sport oder in Vereinen engagieren –, aber auch diejenigen, die in der Vermittlung zu tun haben – Erzieherinnen, Lehrerinnen und Lehrer –, und das geistliche Personal – Rabbiner, Imame und Seelsorger.

Was ich besonders spannend finde, ist, dass auch die ältere Generation als Zielgruppe mit diesem Projekt ganz besonders angesprochen wird. Es geht nicht nur um den persönlichen Dialog, sondern auch um die Kommunikation in den sozialen Medien. Dort ist man besonders anfällig für Fake News, Hass und Hetze. Und deshalb wollen wir diesen Raum nicht Antisemiten und Extremisten überlassen, sondern auch hier die Kommunikation positiv steuern.

DOMRADIO.DE: Die Feindlichkeit gegenüber Muslimen nimmt derzeit zu. Inwiefern machen Juden und Muslime denn manchmal die gleichen Erfahrungen?

Widmann-Mauz: Es spielt sicher eine Rolle, dass Juden und Muslime in Deutschland in unterschiedlichen Situationen angefeindet werden – teilweise aus Unkenntnis, teilweise aus einem Hass, der die Menschen schon seit langem in ihren Heimatländern begleitet hat. Ohne persönliche Erfahrungen spricht man nur über Vorurteile und lässt sein Handeln über Vorurteile leiten. Es ist aber wichtig, gemeinsame Erlebnisse zu machen, gemeinsam die Stätten der Religion zu besuchen und gemeinsam zu erkennen, dass der Umgang miteinander respektvoll zugehen kann.

DOMRADIO.DE: Judentum und Islam haben durchaus auch gemeinsame Themen. Nimmt man nur mal das sogenannte Schächten oder auch die Beschneidung von Jungen raus. Im Grunde sind es beides religiöse Minderheiten in Deutschland, die in der christlichen Mehrheitsgesellschaft mit den gleichen Vorurteilen konfrontiert sein müssten.

Widmann-Mauz: Es gibt immer wieder Traditionen von Religionen, die in der christlichen Welt nicht von vornherein akzeptiert sind. Deshalb braucht es den Dialog. Woher kommen diese Riten und wo stoßen sie an Grenzen der Akzeptanz? Diese Fragen müssen aber in einem Umfeld des gegenseitigen Verständnisses und des Wissens um die Herkunft dieser Riten und Traditionen gestellt werden. Dazu kann das Projekt beitragen.

DOMRADIO.DE: Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat dieses jüdisch-muslimische Dialog-Projekt ins Leben gerufen. Inwieweit unterstützen Sie als Integrationsbeauftragte der Bundesregierung das Projekt?

Widmann-Mauz: Ich unterstütze das Projekt finanziell aus Mitteln des nationalen Präventionsprogramms gegen islamistischen Extremismus. Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist mit seiner Infrastruktur Träger des Projekts. Mit den Netzwerken, die hier aufgebaut wurden, setzen wir ganz konkret auf die Erfahrungen in der Arbeit. Und das ist eine hervorragende Kooperation und Kombination, um mehr Prävention durch Dialog zu erreichen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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