Verkleidete Teilnehmer einer Feier am Purimfest
Verkleidete Teilnehmer einer Feier am Purimfest

21.03.2019

Juden feiern das Purim-Fest Kostüme, Alkohol und das Buch Esther

Nun ist wieder Gelegenheit, sich zu verkleiden - falls man das jüdische Fest Purim feiert. Manch einer sieht Parallelen zum Karneval. Doch beim Blick unter die Oberfläche zeigt sich etwas anderes.

Sie gehen als Spiderman, Prinzessin oder Polizist: An manchen Orten in Deutschland sind zweieinhalb Wochen nach Rosenmontag wieder kostümierte Mädchen und Jungen auf den Straßen zu sehen. Am 21. März ist Purim, ein ausgelassenes jüdisches Fest, bei dem sich vor allem die Kinder verkleiden. Und im Kostüm zur Synagoge sowie zum Kindergarten oder in die Schule laufen.

Nach dem Gottesdienst essen und trinken Familien und Freunde gemeinsam. Mit seinen Kostümen, den Feiern und der Bedeutung von Süßem erinnert Purim zwar an Karneval - hat aber einen komplett anderen Hintergrund.

Rettung der Juden vor Vernichtung durch Perser

Denn an Purim wird die Rettung der Juden vor der Vernichtung durch die Perser gefeiert. Das biblische Buch Esther berichtet, dass der Judenfeind Haman an einem durch ein Los (pur) bestimmten Tag alle Juden in Persien umbringen wollte. Die Königin Esther konnte dies jedoch verhindern, die Juden wurden dem Schutz des persischen Königs unterstellt, Haman und seine Gehilfen getötet.

Am Purimfest liest der Rabbiner in der Synagoge aus der Estherrolle. Fällt der Name Haman, übertönen ihn die Anwesenden mit lauten Geräuschen, Kinder nutzen dafür Rasseln. Zu Purim werden Essen und Geschenke an die Familie und auch an arme Menschen verteilt. Zum Fest gehört ein dreieckiges Gebäck, das Hamantaschen genannt wird. Und: Es ist erwünscht, Alkohol zu trinken - auch in größeren Mengen. Dagegen wird am Vortag von Purim gefastet.

Mit drastischen Worten haben unlängst ultraorthodoxe Rabbiner in Israel vor übermäßigem Alkoholkonsum gewarnt: "Aus Erfahrung führt Trinken oftmals zu Mord", hieß es laut einem Medienbericht in einem öffentlichen Aufruf prominenter Rabbiner. Sie verweisen auf Todesfälle durch Alkoholfahrten. Trunkenheit führe insgesamt in vielen Fällen zu Sünde und mitunter zu ernsthaften körperlichen und geistigen Schäden.

Eines der Gebote für das Fest lautet, soviel Wein zu trinken, dass man nicht mehr zwischen "Gesegnet sei Mordechai" und "Verflucht sei Haman" unterscheiden kann. Es gebe jedoch keine Verpflichtung, "betrunken zu werden und sich selbst herabzusetzen", betonen die israelischen Rabbiner.

Ein fröhlicher Feiertag

Hierzulande, in der Lauder-Morijah-Grundschule in Köln, stehen schon die Tage vor Purim traditionell im Zeichen von Verwandlung und Veränderung, um sich auf das Fest einzustimmen. Mal kämen Schüler und Lehrer im Schlafanzug, mal in gelber Kleidung, heißt es.

Am Festtag führen Lehrer das Purimspiel nach dem Buch Esther auf. "Es ist ein fröhlicher Feiertag", sagt Alexander Schneider vom Vorstand des Trägervereins der Schule, in die 89 Kinder gehen. Auch beschenkten die Kinder nicht nur die Eltern, sondern auch Menschen im Altenheim.

Vor zwei Jahren zeigte das Deutsche Fastnachtmuseum im bayerischen Kitzingen die Ausstellung "jüdisch jeck. Fastnacht und Purim - eine Annäherung". Darin ging es um jüdische Protagonisten im Karneval etwa in Köln vor 1933, um Antisemitismus danach, um Purimumzüge und jüdischen Humor, Verkleidungen, Festgebäck und die Berauschung bei beiden Festen, historische Rückblicke und auch das Fasten.

Einen Vortrag zu der Ausstellung hielt seinerzeit Aaron Knappstein, der heute Präsident des neuen und den Angaben zufolge bundesweit einzigen jüdischen Karnevalsvereins "Kölsche Kippa Köpp" aus Köln ist. Der Verein war vor Rosenmontag auch Anlass für Diskussionen über Karneval und Purim. Dazu kam ein interreligiöser "Toleranzwagen" im Düsseldorfer Rosenmontagszug mit Christen, Juden und Muslimen.

Vergleich mit Karneval

Rabbiner Walter Rothschild schrieb in der "Jüdischen Allgemeinen": "Eigentlich haben das jüdische Purimfest und der katholische Karneval wenig gemeinsam." Aber: "Beiden gemeinsam ist ein Gefühl, dass für eine bestimmte Zeit alles auf den Kopf gestellt werden kann."

Purim wird am 14. oder 15. des jüdischen Monats Adar gefeiert. Der jüdische Kalender richtet sich nach dem Mond. Durch den Einschub eines zusätzlichen Monats fallen die Monate jedes Jahr in dieselbe Jahreszeit. Rothschild: "Ich persönlich finde: Eine Religion, die einen Extramonat Adar in den Kalender einschiebt, kann nicht über andere meckern, die eine fünfte Jahreszeit geschaffen haben."

Leticia Witte
(KNA)

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