Musiker Wecker verteidigt Friedenspreis für "Jüdische Stimme"
Musiker Wecker verteidigt Friedenspreis für "Jüdische Stimme"

05.03.2019

Musiker Wecker verteidigt Friedenspreis für "Jüdische Stimme" "Vorwürfe nicht nachvollziehbar"

Für den diesjährigen Göttinger Friedenspreis wurde die "Jüdische Stimme" nominiert. Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Preisträger wurden laut. Unterstützer zogen sich zurück. Vorjahrespreisträger Konstantin Wecker verteidigt die Entscheidung für den Verein.

Im Streit um die Verleihung des Göttinger Friedenspreises hat sich der Vorjahrespreisträger Konstantin Wecker zu Wort gemeldet. "Für mich als Preisträger des Göttinger Friedenspreises sind die Vorwürfe, dass es sich bei der Organisation 'Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost' um eine antisemitische Bewegung handeln solle, nicht nachvollziehbar", schreibt der Liedermacher in einem offenen Brief an Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und Sparkassenchef Rainer Hald.

Das Schreiben, über das zuerst das Göttinger Tageblatt (Dienstag) berichtet hatte, liegt der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vor. Zuvor hatte es gegen die designierten Preisträger Antisemitismus-Vorwürfe gegeben.

Wecker verweist auf Satzung

Wecker verweist in dem Brief darauf, dass der Verein in seiner Satzung ausdrücklich aufführe, dass sich die "Jüdische Stimme uneingeschränkt jeder Form von Antisemitismus, Antiislamismus sowie allen anderen Spielarten des Rassismus oder der Diskriminierung von Menschen aufgrund von Merkmalen wie Hautfarbe, Herkunft und Religion widersetzt". Die "Jüdische Stimme", so Wecker, kümmere sich auf großartige und menschliche Weise um eine Beendigung der entsetzlichen Konflikte zwischen Juden und Palästinensern.

"Hier soll nicht die Boykottbewegung BDS mit dem Friedenspreis ausgezeichnet werden, sondern eben diese auf Frieden und Verständigung setzende Menschenrechtsorganisation, die ein Ende all dieser furchtbaren Auseinandersetzungen will", schreibt Wecker weiter. Der Liedermacher bittet Universität, Stadtverwaltung und Sparkasse, den Versuch zu unterstützen, in Göttingen ein Zeichen der Mitmenschlichkeit zu setzen.

Bei Kritikern in Verdacht, die anti-israelische Bewegung BDS zu unterstützen

Der Verein "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" steht bei den Kritikern im Verdacht, die anti-israelische Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) zu unterstützen. Sie ruft zum Boykott israelischer Künstler, Wissenschaftler und Unternehmer auf. Kritik kam unter anderen vom Zentralrat der Juden und dem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung, Felix Klein.

Universität, Stadt und Sparkasse Göttingen hatten ihre Unterstützung der Preisverleihung zurückgezogen. Die Jury der Stiftung Dr. Roland Röhl hält an der Vergabe fest. Der Preis wird nun nicht wie üblich in der Aula der Universität, sondern am Samstag in der Galerie Alte Feuerwache in Göttingen übergeben.

(KNA)

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