Josef Schuster
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

24.04.2018

Schuster rät Juden in der Großstadt vom Kippa-Tragen ab Zu gefährlich?

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, rät Juden davon ab, in deutschen Städten öffentlich Kippa zu tragen. Wenn es nicht gelinge, dem Antisemitismus Einhalt zu gebieten, gefährde dies letztlich die Demokratie.

Das sagte Schuster auf radioeins des Senders rbb. Denn es geht nicht nur um Antisemitismus, damit einher geht auch Rassismus, damit einher geht auch Fremdenfeindlichkeit. Hier bedarf es eines klaren Stoppschildes!" 

Aktion "Berlin trägt Kippa"

Zu der am Mittwoch geplanten Aktion "Berlin trägt Kippa" sagte der Zentralratspräsident, er habe das Gefühl, die Gesellschaft verstehe inzwischen, "dass wir auch an einem gewissen Wendepunkt angekommen sind."

Auf die Frage "Kippa trotzig tragen oder doch verbergen?" antwortete Schuster: "Trotzig bekennen wäre im Prinzip der richtige Weg." Trotzdem würde er Einzelpersonen davon abraten müssen, sich im großstädtischen Milieu offen mit einer Kippa zu zeigen.

Unterdessen hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland den Antisemitismus als Sünde bezeichnet und ein engagiertes Eintreten des Verbandes gegen Judenfeindlichkeit unter Flüchtlingen zugesagt.

"Antisemitismus, Rassismus und Hass sind große Sünden im Islam, deshalb werden wir das auch niemals dulden", sagte Zentralratspräsident Aiman Mazyek der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Dienstag).

Begegnungen zwischen Juden und Flüchtlingen

Die Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im israelischen Fernsehen über eine neue Form des Antisemitismus unter Flüchtlingen seien "gewohnt differenziert" gewesen, weil sie auch betont habe, dass Judenfeindlichkeit nicht erst durch die Flüchtlinge wieder nach Deutschland gekommen sei.

Die Kriminalitätsstatistik beweise das. "Dennoch nehmen wir das sehr ernst, dass bei einigen Flüchtlingen eine Judenfeindlichkeit vorhanden ist", sagte Mazyek.

Der Zentralrat organisiere Begegnungen zwischen Juden und Flüchtlingen, und Aufklärungsprogramme wie die seit 2 Jahren regelmäßigen gemeinsamen Besuche mit Flüchtlingen in KZ-Gedenkstätte.

(KNA)

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