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Antisemitismus: Juden in Deutschland sehen wachsende Bedrohung
Josef Schuster
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

12.01.2018

Schuster: Antiisraelismus und Antisemitismus klar trennbar Erweiterte "Kippa-Warnung"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sieht eine klare Grenze zwischen Antisemitismus und Antiisraelismus. Es habe mit Antisemitismus nichts zu tun, wenn eine Entscheidung der israelischen Regierung kritisiert werde. 

Das sei absolut legitim, sagte Schuster der "Berliner Zeitung" (Freitag). Genauso wie man auch eine Entscheidung der deutschen Regierung kritisieren könne, gehöre dies "zum Wesen der Demokratie". "Wenn ich aber pauschal Israel, seine Bewohner oder gar alle Juden in Generalhaft nehme, ist die Grenze überschritten, dann handelt es sich um Antisemitismus."

Auch wenn von Israel als Apartheidstaat gesprochen werde, sei eine Grenze überschritten, sagte Schuster mit Blick auf Äußerungen von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Dafür habe er kein Verständnis. Nach Einschätzung des Zentralratspräsident ist Antisemitismus wieder sichtbarer in Deutschland. "Antisemitismus artikuliert sich auf jeden Fall wieder deutlicher in der Mitte der Gesellschaft", so Schuster. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Sozialen Medien.

Der Antisemitismus sei auch aggressiver geworden - die nichtjüdische Öffentlichkeit habe davor lange die Augen verschlossen. Seine Warnung vor dem Tragen einer Kippa in gewissen Großstädten würde er sogar ausweiten, erklärte Schuster. Es gehe dabei um stark arabisch geprägte Stadtteile und solche in denen viele Rechtsextremisten sich aufhielten.  Zugleich entwickele sich das jüdische Leben in Deutschland positiv. "Dazu gehört, dass die jüdischen Gemeinden viel stärker präsent sind im öffentlichen Leben, es gibt auch wieder mehrere jüdischen Gymnasien", sagte Schuster.

Schuster erweitert seine "Kippa-Warnung"

Seine umstrittene "Kippa-Warnung" von 2015 würde Schuster heute noch erweitern. "Es geht heute zum einen um Stadtviertel, die stark arabisch geprägt sind. Es gibt aber auch Viertel, in denen ich wegen Rechtsextremisten nicht mit einer Kippa auf der Straße laufen würde", sagte Schuster der "Berliner Zeitung" (Freitag).

Der Zentralratspräsident beklagte einen immer aggressiveren Antisemitismus in Deutschland. Wenn insgesamt die roten Linien verschoben werden, komme zwangsläufig irgendwann der Punkt, wo das Wort auch zur Tat werde. "Insofern ist diese Entwicklung nicht verwunderlich, wenn auch alles andere als schön", sagte er.

Öffentlichkeit hat lange Zeit die Augen verschlossen

In der jüdischen Gemeinschaft sorge diese Entwicklung bereits seit längerem für Beunruhigung. Ihn habe schon 2015 die Reaktion auf seine Warnung überrascht, in bestimmten Gegenden von Großstädten eine Kippa zu tragen: "Ich glaube, dass man in der nichtjüdischen Öffentlichkeit lange die Augen verschlossen hat vor dieser Entwicklung, die schon vor einigen Jahre eingesetzt hat."

Eine klare Absage erteilte Schuster der AfD, auch wenn sich einige der Parteimitglieder gern als Freunde der Juden in Deutschland darstellten. Das beruhe auf der schlichten Vorstellung der AfD, Juden hätten wie die Rechtspopulisten auch ein Problem mit Muslimen. Diese Rechnung, "der Feind meines Feindes ist mein Freund", gehe aber nicht auf, betonte Schuster: "Muslime sind nicht der Feind der Juden, in keiner Weise, auch wenn der Antisemitismus unter Muslimen abzulehnen ist." Außerdem sei er überzeugt, dass die AfD generell gegen Minderheiten sei und im Zweifelsfalle nicht davor zurückschrecken würde, auch gegen Juden zu hetzen, fügte der Zentralrats-Präsident hinzu.

(KNA, epd)

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