Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch
 Charlotte Knobloch beim Oktoberfest
Charlotte Knobloch beim Oktoberfest
Bartholomaios I. und Charlotte Knobloch in Dachau
Bartholomaios I. und Charlotte Knobloch in Dachau
Knobloch auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Knobloch auf der Münchner Sicherheitskonferenz

29.10.2017

Zum 85. Geburtstag der jüdischen Grande Dame Charlotte Knobloch "Ich bin angekommen"

Ihr mahagonifarbenes Haar und ihre eleganten Kostüme sind das Markenzeichen von Charlotte Knobloch. Nun wird die Kämpferin für die jüdische Sache und gegen Antisemitismus in ihrer Heimat Deutschland 85 Jahre alt.

Bleiben oder gehen? Dieser doppelte Impuls prägt die Biografie von Charlotte Knobloch. Auch wenn es manchmal knapp war, hat sich die Münchner Jüdin und deutsche Patriotin letztlich immer wieder fürs Bleiben entschieden, fürs Wiederaufbauen und Standhalten - allen Anfechtungen zum Trotz. Zu ihrem 85. Geburtstag am 29. Oktober hat sie nur einen Wunsch: Normalität.

Der klingt so bescheiden, ist es aber nicht. Dazu genügt ein kurzer Blick auf ihre Lebensgeschichte. Den Holocaust überlebt die Tochter des Rechtsanwalts Fritz Neuland nur durch eine List: Eine ehemalige Hausangestellte ihres Onkels, eine Katholikin, nimmt sie mit in ihre fränkische Heimat und gibt sie dort als ihre uneheliche Tochter aus. Charlottes Großmutter, bei der sie nach der Scheidung der Eltern aufgewachsen ist, wird im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet.

Auswanderung nach Amerika ist beschlossen

Nach dem Krieg kehrt die junge Frau nach München zurück und heiratet 1951 den Kaufmann Samuel Knobloch, einen Überlebenden des Krakauer Ghettos. Die Auswanderung nach Amerika ist beschlossene Sache. Schnell absolviert sie noch eine Lehre zur Schneiderin, dann wird sie schwanger; die Ausreise fällt aus.

Wenn die kleine, resolute Frau heute aus dem Fenster des Jüdischen Gemeindezentrums am Jakobsplatz schaut, fällt der Blick auf ihren Stein gewordenen Lebenstraum: die neue Hauptsynagoge, deren Bruchsteinfassade an die Klagemauer des salomonischen Tempels erinnert - ein Stück Jerusalem mitten in München, ein Stück wiedergewonnene Normalität jüdischer Existenz in der einstigen "Hauptstadt der Bewegung".

Koffer ausgepackt

Die Grundsteinlegung für den Bau hat Knobloch bewusst auf den 9. November 2003 terminieren lassen. 65 Jahre nach der sogenannten Reichspogromnacht soll dieses Datum für die langjährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern eine neue, zusätzliche Bedeutung erhalten, auch für sie persönlich: "Ich bin angekommen, ich habe meinen Koffer ausgepackt."

Knapp 10.000 Mitglieder umfasst ihre Gemeinde heute. Es gibt einen jüdischen Kindergarten, eine Grundschule, vor einem Jahr nahm ein Gymnasium seinen Betrieb auf. Alles Schritte zu mehr Normalität. Im Juli konnte Knobloch das 20-jährige Bestehen des Lehrstuhls für Jüdische Kultur und Geschichte an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität mitfeiern. Die Festrede hielt der muslimische Schriftsteller Navid Kermani - und er beschloss sie mit der Hoffnung "auf eine Zukunft, in der Deutschland wieder jüdischer wird".

Zwölf-Stunden-Arbeitstage

Anfang September wurde der Erinnerungsort für die Opfer des Attentats auf die israelische Olympia-Mannschaft von 1972 seiner Bestimmung übergeben. Spät, aber nicht zu spät, sagten viele. Und auch Knobloch konnte wieder einmal mit Genugtuung feststellen, dass sich Beharrlichkeit am Ende eben doch auszahlt. Für das Ehrenamt an der Spitze der jüdischen Gemeinde in der bayerischen Landeshauptstadt investiert sie Zwölf-Stunden-Arbeitstage. Manchmal wird es auch später, aber das ist für sie völlig normal. "Ich habe ja sonst keinerlei Aufgabe."

Sich ausruhen und zufrieden zurücklehnen ist Knoblochs Sache nicht. Auch, weil das Erreichte inzwischen wieder bedroht erscheint. Der erstmalige Einzug rechtsradikaler Abgeordneter in den Bundestag hat ihr unlängst Alpträume beschert - und dunkle Erinnerungen an 1933. Nie hätte sie gedacht, noch einmal solche Diskussionen in Deutschland führen zu müssen. "Wir gehen härteren Zeiten entgegen", befürchtet Knobloch. 

Kampf für Menschenrechte

Doch so lange sie kann, wird sich die Grande Dame des Judentums in Deutschland weiter zu Wort melden, auch wenn sie sich bisweilen vorkommt wie die "Stimme eines Rufers in der Wüste". Denn es gibt da diesen nicht ausrottbaren Wunsch in ihr: "Dass jemand, der hier leben will, nicht mehr nach seiner Religion, seiner Abstammung oder Hautfarbe gefragt wird, sondern dass er als der Mensch beurteilt wird, der er ist."

Christoph Renzikowski
(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Tageskalender

Radioprogramm

 23.09.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Letzter Tag Bischofstreffen in Fulda
  • Kölner Domwallfahrt beginnt
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Die Dreikönigswallfahrt am Kölner Dom
  • Impfgipfel in den USA
  • Malteser Telefonbesuchsdienst
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Die Dreikönigswallfahrt am Kölner Dom
  • Impfgipfel in den USA
  • Malteser Telefonbesuchsdienst
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Fazit der Herbstvollversammlung der Bischöfe
  • Nach der Tat von Idar-Oberstein
  • Religion verliert an Bedeutung
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Fazit der Herbstvollversammlung der Bischöfe
  • Nach der Tat von Idar-Oberstein
  • Religion verliert an Bedeutung
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!