Blick in die Synagoge von Augsburg
Blick in die Synagoge von Augsburg
Die Synagoge wurde im Jahr 1917 fertiggestellt
Die Synagoge wurde im Jahr 1917 fertiggestellt

28.06.2017

Angst vor Antisemitismus begleitet Synagogenjubiläum Festakt in Augsburg

Die Augsburger Synagoge hat als einzige Großstadtsynagoge Bayerns die NS-Zeit unzerstört überstanden. An diesem Mittwoch wird ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Festgäste sind Nachfahren der Verfolgten und der Bundespräsident.

Diesen Satz konnte Eva Bernheim nicht so stehen lassen: "Da meinte jemand: 'Bei Hitler war ja nicht alles schlecht'", erzählt die 54-Jährige aus Straubing von einem Gespräch unter Bekannten. "Daraufhin habe ich gefragt: 'Wie kannst du so etwas sagen, bei meiner Familiengeschichte?'" Bernheim ist die Nachfahrin eines Augsburgers, der für die Nazis ein Halbjude war. Er musste Schikanen und Lagerhaft erdulden, hat aber überlebt. Bernheim betont: "Ich spüre deshalb, dass ich einen Auftrag habe. Den Auftrag, mit dafür zu sorgen, dass solches Grauen wie damals nie wieder passieren kann."

Festakt in Augsburg

Bernheim hält sich zurzeit in Augsburg auf. Denn am Mittwoch wird dort mit einem Festakt das 100-jährigen Bestehen der Augsburger Synagoge gefeiert. Eine Besonderheit, denn das Gotteshaus hat als einzige Großstadtsynagoge Bayerns die NS-Zeit praktisch unzerstört überstanden. Grund genug, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, ebenso nach Augsburg kommen wie Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der israelische Botschafter Yacov-David Hadas Handelsman.

Dazu kommen rund 100 Menschen aus aller Welt, die ganz bestimmte Ahnen haben: Juden aus Augsburg. Derer gab es vor 1933 etwa 1.100 bis 1.200, wie Torsten Lattki vom Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben erzählt: "Ungefähr die Hälfte von ihnen konnte auswandern, die anderen wurden ermordet." Heute, ergänzt Lattki, lebten in Bayerisch-Schwaben wieder um die 1.500 Juden.

Eva Bernheim zählt nicht dazu. Sie ist Katholikin. Wie auch ihr Vater eigentlich Katholik war. "Unser Großvater ist vom Juden- zum Christentum konvertiert, um unsere Großmutter heiraten zu können", berichtet sie. "Aber für die Nazis blieb er Jude, unser Vater - er hieß übrigens Erhard - galt daher als Halbjude." Dieser Erhard, geboren 1923, habe nur unter Mühen Abitur machen dürfen - nicht wie üblich bloß in einer Auswahl von Fächern, sondern in allen habe er sich prüfen lassen müssen. "Studieren ließen ihn die Nazis dann nicht, stattdessen steckten sie ihn 1944 in ein Arbeitslager in Thüringen."

Wie es weiterging schildert Bernheims Bruder Michael. Der 64-Jährige lebt noch in Augsburg. "Unserem Vater gelang die Flucht", sagt er.

"Er spürte, dass er wegkommen musste, als die Insassen immer weniger wurden." Bis Kriegsende habe er sich in München und im Allgäu verstecken und danach die zwischenzeitlich enteignete Chemiefabrik der Familie in Augsburg wieder übernehmen können.

Als "Jude" beleidigt

Michael Bernheim ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten: Er hat als Chemiker eine Zeit lang im mittlerweile verkauften Familienunternehmen gearbeitet. Eva Bernheim hingegen ist Journalistin. Einig sind sich die Geschwister darin, "dass Schicksale wie das unseres Vaters sich nicht wiederholen dürfen". Zumal sein Überleben pures Glück gewesen sei, andere Familienmitglieder hingegen seien getötet worden: die Oma des Vaters im Konzentrationslager Theresienstadt, sein Cousin in Auschwitz.

Für Menschen, die heute unter Krieg und Verfolgung leiden, engagiert sich Eva Bernheim in einem Helferkreis für Flüchtlinge. Den Vorwurf, Migranten brächten häufig antisemitische Einstellungen aus ihrer Heimat mit, habe sich bei ihr noch nicht bestätigt. "Aber dass die Angst vor Antisemitismus wächst, auch wegen lauter werdenden rechtspopulistischen Stimmen in der Gesellschaft, das weiß ich von Juden in der Tat."

Passend dazu berichtet Michael Bernheim: "Kürzlich ist mir ein Radfahrer auf dem Gehweg entgegengerast. Ich habe ihm zugerufen, er solle auf der Straße fahren." Da habe der junge Mann geschrien: "Schnauze, du Jude!" Dem Mann etwas antworten? "Ging nicht, der war zu schnell." Bernheim ärgert sich merklich darüber. Denn "Jude" als Beleidigung zu benutzen, ist wie der Hitler-Satz des Bekannten seiner Schwester, etwas, das man so nicht stehen lassen kann.

Christopher Beschnitt
(KNA)

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