Deutsch-israelische Freundschaft
Deutsch-israelische Freundschaft
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

26.04.2017

Zentralrats der Juden zu deutsch-israelischem Verhältnis Keine Krise

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sieht das deutsch-israelische Verhältnis nicht in einer Krise. "Eine nachhaltige Verstimmung der deutsch-israelischen Beziehungen wird es durch den jüngsten Vorfall nicht geben".

Das sagte Schuster der "Welt". Er bezog sich dabei auf den Eklat vom Dienstag, als der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ein Treffen mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) kurzfristig abgesagt hatte. "Wie in jeder guten Freundschaft gibt es Höhen und Tiefen."

Bedauern über Gesprächsabsage

Schuster bedauerte aber, dass das Gespräch zwischen Gabriel und Netanjahu abgesagt wurde. "Ich halte es generell für besser, über mögliche Unstimmigkeiten zu sprechen und sie direkt zu klären. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind zu wichtig, als dass man Differenzen nicht sofort aus dem Weg räumen sollte."

Grund der Absage war, dass Gabriel sich mit umstrittenen Nichtregierungsorganisationen traf. Schuster sagte hierzu: "Nach meinem Kenntnisstand hatten die israelischen Gastgeber vorgeschlagen, dass Außenminister Gabriel sich auch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen trifft, die einen anderen Blick auf die Lage vor Ort haben. So hätte Gabriel ein möglichst umfassendes Bild erhalten können." Der Sozialdemokrat hätte den Vorschlag annehmen sollen, "um einen ausgewogenen Einblick durch andere Organisationen des zivilgesellschaftlichen Spektrums in Israel zu erhalten".

Deutschland als Freund Israels

Der in Kürze anstehende Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Israel drücke den hohen Stellenwert der deutsch-israelischen Beziehungen aus, sagte Schuster. "Deutschland wird nach wie vor als bester Freund Israels in Europa betrachtet. Der Bundespräsident sollte daher die Botschaft aussenden, dass man auf diese Freundschaft auch wirklich zählen kann, auch in schweren Zeiten."

Mit Blick auf Judenfeindlichkeit in Deutschland äußerte sich Schuster besorgt. "Dass die Solidarität mit Israel in der deutschen Gesellschaft abnimmt, spüren wir schon. Das zeigt allein die Tatsache, dass sich das Wort ,Israelkritik" hier einbürgern konnte."

(KNA)

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