Blick auf den Tempelberg mit Felsendom
Blick auf den Tempelberg mit Felsendom

17.10.2016

Unesco-Resolution sorgt für viel Entrüstung Wem gehört Jerusalems heiliger Berg?

Er ist 14 Hektar groß und gehört zu den umstrittensten Orte der Welt: der Jerusalemer Tempelberg. In den Streit um das Areal hat sich jetzt auch die Unesco eingeschaltet - und erntet dafür viel Kritik.

Einig ist man sich nur darüber: Die Stelle, auf der einst der jüdische Tempel stand und die heute mit der goldenen Kuppel des Felsendoms das wichtigste Wahrzeichen Jerusalems ist, ist ein heiliger Ort. Alles andere, was den Tempelberg angeht, sorgt zwischen Israelis und Palästinensern seit Jahrzehnten für Streit. Zusätzlichen Unmut hat nun eine Resolution ausgelöst, den eine Kommission der UN-Kulturorganisation Unesco am Donnerstag mit großer Mehrheit verabschiedete.

Öffentliches Beten für Juden nicht erlaubt

Jerusalems Altstadt und ihre Stadtmauern seien von Bedeutung für die drei monotheistischen Religionen, so hält die von mehreren arabischen Ländern eingebrachte Entschließung zwar eingangs fest. Was das jedoch konkret für den Tempelberg bedeutet, ist umstritten. Fakt ist: Seit 1994 unterstellt ein Friedensabkommen mit Jordanien den Haram al-Scharif, wie das Areal auf Arabisch heißt, der islamischen Wakf-Behörde mit Jordanien als Verwalter. Juden dürfen das Gelände zwar betreten; öffentlich beten dürfen dort aber nur Muslime. Dieser Status quo ist ein Dorn im Auge von Radikalen auf beiden Seiten.

Während jüdisch-fundamentalistische Kräfte den Muslimen den Berg streitig machen und Gebets- und Kontrollrechte beanspruchen, scheint sich die Unesco mit ihrer jüngsten Resolution ähnlich undiplomatisch auf die Gegenseite zu stellen. Israel als "Besatzungsmacht" wird darin vorgeworfen, den Zugang der Muslime zu "ihrer heiligen Stätte Al-Aksa-Moschee/Haram al-Scharif" sowie deren Kultfreiheit illegal einzuschränken. Aufgezählt werden eine Reihe israelischer Vergehen.

Den jüdischen Namen Tempelberg erwähnt die Resolution ebenso wenig wie die Bedeutung des Ortes für Juden oder Christen. Die Klagemauer erscheint nur in Anführungszeichen.

Netanjahu spricht von "wahnhafter Resolution"

Der Aufschrei in der jüdischen und israelischen Welt war entsprechend. Die Unesco habe "eine weitere wahnhafte Resolution verabschiedet", kritisierte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Mit dieser "absurden Entschließung" habe die Organisation "den letzten Funken an Legitimität verloren, der ihr noch geblieben war". Der Jüdische Weltkongress zeigte sich entsetzt über die "Farce und Beleidigung für das jüdische Volk".

Auch innerhalb der Unesco stieß der Entscheid auf Widerstand. "Eine der jüdischen, christlichen oder muslimischen Traditionen zu verleugnen, zu verbergen oder auszulöschen, untergräbt die Integrität des Ortes und steht im Widerspruch zu den Gründen, die seine Aufnahme auf die Liste des Weltkulturerbes bewirkten", lautete die Reaktion von Irina Bokova, die selbst als Generaldirektorin der Unesco vorsteht.

In keiner anderen Stadt als Jerusalem seien Erbe und Tradition der drei Religionen so sehr verwoben, so die Chefin der Organisation. Der den Muslimen heilige Haram al-Scharif sei zugleich der für Juden heilige Tempelberg. Der Streit um Jerusalem dürfe nicht in die dem Dialog und dem Frieden gewidmete Unesco gelangen. Bokova betonte, es sei Aufgabe der Unesco, den "Geist von Toleranz und Achtung der Geschichte" zu fördern.

Kritik von palästinensischer Seite

Sogleich folgte von palästinensischer Seite Kritik an der Haltung Bokovas: Die Worte der Bulgarin seien ein "Affront", zitierten palästinensische Medien Außenminister Riyad Malki. Bokova habe ihr Mandat überschritten. Sie solle sich besser darauf konzentrieren, den Willen der Mitgliedstaaten umzusetzen und Jerusalem vor einer "systematischen Kolonialisierung durch die Besatzungsmacht" zu schützen.

Doch auch in Israel war man mit Bokovas Äußerungen nicht zufrieden. Als unzureichend bezeichnete Bildungsminister Naftali Bennett das Statement und forderte eine umgehende Annullierung der Resolution. Bis dahin gelte die von Bennett verordnete Aufkündigung jedweder Zusammenarbeit mit der UN-Organisation.

Im Streit um den Tempelberg entzündeten sich in der Vergangenheit wiederholt teils gewalttätige Konflikte, darunter im Jahr 2000 die zweite Intifada. Welche konkreten Folgen die Unesco-Resolution haben wird, ist derzeit ist kaum absehbar. Angesichts der Schärfe der Reaktionen ist zu befürchten, dass sie den Konflikt weiter anheizt.

Andrea Krogmann
(KNA)

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