Elie Wiesel
Elie Wiesel

03.07.2016

Weltweite Trauer nach Tod von Friedensnobelpreisträger Wiesel "Lebendes Denkmal"

Elie Wiesel überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald und kämpfte gegen das Vergessen des Holocausts. Mit dem Tod des Friedensnobelpreisträgers erinnern seine Weggefährten an dessen unermüdliches Mahnen.

Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger starb im Alter von 87 Jahren in den USA, wie israelische Medien und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Samstagabend berichteten. Wiesels Sohn Elisha bestätigte den Tod seines Vaters, wie der US-Radiosender NPR meldete. Nach Informationen der "New York Times" starb der Schriftsteller in seinem Haus in Manhattan. Über die Todesursache wurde zunächst nichts bekannt. 

Weltweite Trauer

Sein Tod löste nicht nur in Israel und der jüdischen Weltgemeinde große Trauer aus. Der 1928 in Rumänien geborene Wiesel überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Seine Eltern und seine jüngste Schwester waren von den Nationalsozialisten getötet worden. Über Jahrzehnte hinweg hatte sich der in New York lebende Schriftsteller ("Die Nacht", "Jude heute") für die Erinnerung an den Holocaust eingesetzt.

Nach 1945 kam Wiesel über Straßburg nach Paris. Dort studierte er an der Sorbonne Philosophie und Literatur und arbeitete später als Journalist. Zum Schreiben fand Wiesel durch die Begegnung mit dem französischen Dichter François Mauriac. 1956 wechselte er als UN-Berichterstatter nach New York. Später bekam er eine Professur für Literatur, Philosophie und Judaismus am New Yorker City College. 1986 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erinnerte an die außergewöhnliche Persönlichkeit des 87-Jährigen. "Der Staat Israel und das jüdische Volk trauern zutiefst um Elie Wiesel", sagte Netanjahu. "Der Wortkünstler Elie hat mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert."

"Lebendes Denkmal"

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin ehrte Wiesel als Kämpfer gegen jegliche Form von Hass. "Elie Wiesel verkörperte die Entschlossenheit des menschlichen Geistes, die dunkelsten Teufel zu bezwingen und allen Widrigkeiten zum Trotz zu überleben", sagte Rivlin.

US-Präsident Barack Obama würdigte Wiesel als "eine der großen moralischen Simmen unserer Zeit" und "Gewissen der Welt". Wiesel sei nicht nur einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden gewesen, hieß es in einer ungewöhnlich ausführlichen Erklärung des Präsidenten. "Er war ein lebendes Denkmal."

Deutsche Trauerbekundungen

In einem Kondolenzschreiben an die Witwe Wiesels sprach Bundespräsident Joachim Gauck von einem großen Verlust. "Wir haben einen großartigen Menschen und außerordentlichen Gelehrten und Schriftsteller verloren", schrieb Gauck in dem vom Bundespräsidialamt in der Nacht zum Sonntag verbreiteten Schreiben. Wiesel habe es verstanden, "als Zeitzeuge die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen".

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Mit Elie Wiesel geht nicht nur ein großer Autor, Philanthrop und Gelehrter von uns, sondern vor allem ein unermüdlicher Streiter gegen Hass, Intoleranz und Gewalt", erklärte der SPD-Politiker in Berlin.

Melinda Gates, die zusammen mit ihrem Mann, Microsoft-Gründer Bill Gates, eine Stiftung zur Bekämpfung von Armut und Krankheiten betreibt, bekundete auf Twitter ihre "tiefe Trauer". Wiesel habe in den dunkelsten Zeiten seinen Optimismus bewahrt und andere dazu gebracht "das Schöne in der Menschlichkeit" zu sehen. 

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nannte Elie Wiesel "ein großes Vorbild". Obwohl er seine ganze Familie verloren habe und trotz allem, was er selbst erlitten habe, "stiftete er durch sein Wirken Frieden und Versöhnung". Wiesel habe den Opfern eine Stimme gegeben, die weltweit gehört wurde, so Schuster: "Seine Werke werden bleiben und noch vielen weiteren Generationen vermitteln, warum wir die Erinnerung an die Shoa immer bewahren müssen."

Erzbischof Schick konduliert

Der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick dankte über Facebook und Twitter Elie Wiesel für sein Leben und Wirken. Er sei ein "vorbildlicher Humanist auf religiöser Basis" gewesen. Seine Botschaften von Erinnerung und Versöhnung, von Wahrheit und Frieden seien bleibende "Rufe an uns", schrieb Schick, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nannte Elie Wiesel "ein großes Vorbild". Obwohl er seine ganze Familie verloren habe und trotz allem, was er selbst erlitten habe, "stiftete er durch sein Wirken Frieden und Versöhnung". Wiesel habe den Opfern eine Stimme gegeben, die weltweit gehört wurde, so Schuster: "Seine Werke werden bleiben und noch vielen weiteren Generationen vermitteln, warum wir die Erinnerung an die Shoa immer bewahren müssen."

"Lehrer der Menschheit"

Das Internationale Auschwitz-Komitee bezeichnete den Auschwitz-Überlebenden als "Lehrer der Menschheit". "Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren", sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebendenorganisation, in Oswiecim.

Der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres erinnerte an Wiesel als Menschen, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. "Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocausts."

Der jüdische Weltkongress zeigte sich bestürzt über den Tod Wiesels. "Elie Wiesel war einer der großen jüdischen Lehrer und Denker der vergangenen 100 Jahre", sagte Präsident Ronald S. Lauder in Brüssel. "Er lehrte uns über das Judentum, über Israel und darüber, nicht stumm zu sein im Angesicht von Ungerechtigkeit."

Der Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, bezeichnete Wiesel als jemanden, der die Welt verändert habe. Der Leiter der Jewish Agency, die für Zuwanderung nach Israel zuständig ist, Nathan Scharanski, und seine Frau Avital teilten in der Nacht zu Sonntag mit: "Elie Wiesel war der gemeinsame moralische Kompass der jüdischen Menschen. (...) Wir werden ihn sehr vermissen."

(dpa)

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