Jemenitische Juden in Israel: Im Gepäck eine alte Torah-Rolle
Jemenitische Juden in Israel: Im Gepäck eine alte Torah-Rolle

21.03.2016

Jemenitische Juden heimlich nach Israel gebracht "Ende einer historischen Mission"

Im Jemen haben fast alle Juden das Land verlassen. Die letzte Gruppe sei am Sonntagabend im Rahmen einer geheimen Operation nach Israel gebracht worden, teilte die für Einwanderung zuständige Jewish Agency am Montag in Jerusalem mit.

Deren Leiter Nathan Scharanski sprach vom "Ende einer historischen Mission". Seit der Staatsgründung Israels wanderten den Angaben zufolge 51.000 jemenitische Juden dorthin aus, fast 50.000 von ihnen über die Operation "Fliegender Teppich" in den Jahren 1949 und 1950.

In den zurückliegenden Jahren seien rund 200 Juden ohne Aufsehen aus dem Jemen "gerettet" worden, so die Jewish Agency. Unter dem Eindruck wachsender Angriffe auf die jüdische Gemeinde habe man die Maßnahmen in den vergangenen Monaten verstärkt. Die letzte Gruppe bestand laut der Organisation aus 19 Personen, davon 14 aus der einst jüdisch geprägten Gebirgsstadt Raida, die mit ihrem Rabbiner und einer 500 bis 600 Jahre alten Torah-Rolle ausreisten. Bei den übrigen fünf Personen handelte es sich um eine Familie aus der Hauptstadt Sanaa.

Geschätzt 50 Juden noch im Land

Die Zahl der verbleibenden Juden im Jemen wird von der Jewish Agency auf 50 geschätzt. 40 von ihnen lebten in Sanaa in einem abgeschlossenen Komplex neben der US-Botschaft und unter besonderem Schutz der Behörden.

Der Jewish Agency zufolge hatten antisemitische Übergriffe im Jemen seit 2008 stark zugenommen. Damals wurde in Raida ein jüdischer Lehrer ermordet. 2012 wurde laut den Angaben eine junge Jüdin in Sanaa entführt und mit einem Muslim zwangsverheiratet; im gleichen Jahr ereignete sich in Sanaa ein Mord an einem älteren Juden, dem Vater des Ehemanns der jetzt ausgereisten Familie.

"Erbe lebt in Israel fort"

Scharanski sagte, mit dem Abschluss der Rückhol-Aktion komme "dieses Kapitel in der Geschichte einer der ältesten jüdischen Gemeinden an ein Ende". Das Erbe der 2.000 Jahre alten jemenitisch-jüdischen Kultur lebe jedoch in Israel fort.

Die Ansiedlung von Juden im Jemen wird bereits mit biblischen Erzählungen zur Zeit König Salomos vor rund 3.000 Jahren in Verbindung gebracht. Gesicherte Nachweise in Form jüdischer Inschriften und Synagogen gibt es seit dem 4. Jahrhundert. Die jemenitischen Juden unterhielten teils enge Verbindungen zu jüdischen Zentren in Galiläa sowie in Ägypten und im heutigen Irak.

(KNA)

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