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Die Buber-Rosenzweig-Medaille für besondere Verdienste in der christlich-jüdischen Verständigung
Die Buber-Rosenzweig-Medaille für besondere Verdienste in der christlich-jüdischen Verständigung

06.03.2016

Publizist Micha Brumlik erhält die Buber-Rosenzweig-Medaille Der Suchende

Seit über 30 Jahren setzt sich Micha Brumlik für die Verständigung zwischen Christen und Juden ein: Am Sonntag erhält der deutsch-jüdische Publizist dafür die Buber-Rosenzweig-Medaille.

Seine Stimme hat die weiche Frankfurter Färbung. Das gibt ihr Leichtigkeit und macht sie sympathisch. Leger und unkonventionell wirkt auch der graukarierte Anzug, unter dem Micha Brumlik einen bordeauxroten Pullover und eine Krawatte trägt. Leicht gemacht hat es sich der prominente Publizist und Professor für Erziehungswissenschaften allerdings nie: Er ist ein Mann mit Rückgrat, ein Suchender. Sein Leben ist voller Wendepunkte, die er zumeist selbst herbeigeführt hat.

Am Sonntag wird der 68-Jährige in Hannover mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Die Auszeichnung wird einmal jährlich für besondere Verdienste bei der Verständigung von Christen und Juden vom "Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit" verliehen. Bundespräsident Joachim Gauck kommt, die evangelische Theologin Margot Käßmann hält die Laudatio.

"Ehre und Ansporn"

Die Auszeichnung sei für ihn "Ehre und Ansporn zugleich", sagt Brumlik, den die Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Herkunft sein Leben lang begleitet hat: Seine Eltern mussten während der Nazizeit als deutsche Juden in die Schweiz emigrieren. Dort wurde Brumlik 1947 geboren.

1952 fällten seine Eltern aus wirtschaftlichen Gründen die Entscheidung, nach Frankfurt zurückzukehren - ein Schritt, über den Micha Brumlik sagt, er verstehe den Umzug von der "heilen Schweizer Bergwelt in das zerbombte Frankfurt am Main" bis heute nicht. Für seine Mutter, deren Familie im Holocaust ermordet wurde, sei diese Rückkehr so gewesen, als "würde sie an offene Gräber treten".

"Überzeugter Diaspora-Jude"

Sohn Micha, am Frankfurter Lessing-Gymnasium der 50er Jahre als Jude Spötteleien von Schülern und Lehrern ausgesetzt, zog die Konsequenz. Er wurde Mitglied in einer zionistischen Jugendbewegung und ging nach dem Abitur nach Israel, um in einem Kibbuz zu arbeiten. "Ich war damals überzeugt, dass Deutschland nicht das Land ist, in dem ich leben will", sagt er heute, 50 Jahre später.

Der Mut, diese Entscheidung zu revidieren, fehlte ihm dennoch nicht: Nach nur zwei Jahren verließ er Israel, weil er es als imperialistisches Land empfand und ging zurück nach Deutschland - als Anti-Zionist. Mittlerweile beschreibt er sich als "Post-Zionisten" und überzeugten Diaspora-Juden.

Dialog unterschiedlicher Konfessionen

Brumlik, ein Mann mit wachen Augen und grauem Bart, hält auch die eigenen Thesen immer wieder gegen das Licht. Seine Analyse politischer Debatten ist scharf, sein Wissen genau. In den 80er Jahren fing er an, sich einmal in der Woche mit Freunden unterschiedlicher Konfessionen zu treffen, um die Bibel durchzustudieren. Zehn Jahre hielten sie das durch und hatten "am Ende das ganze Alte Testament und fast das ganze Neue Testament gelesen", sagt er stolz. 

1981 wurde Brumlik Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Heidelberg, ab 2010 in Frankfurt am Main. Er engagierte sich für die Grünen in der Kommunalpolitik, trat aber 1991 aus der Partei aus, weil er deren Ablehnung von Waffenlieferungen an Israel kritisierte. In Berlin, wo Brumlik seit fünf Jahren lebt, schätzt er besonders die jüdische Vielfalt. Für ihn ist die Religion "der Kern" seines Jüdisch-Seins. Er geht regelmäßig am Schabbat in die Synagoge - "mal in einen chassidisch-orthodoxen, mal in einen Reformgottesdienst". Früher "war ich so orthodox, dass ich meine armen Eltern gezwungen habe, einen koscheren Haushalt zu führen", verrät er lachend.

Mahnung an katholische Kirche

Brumlik ist mit einer evangelischen Frau verheiratet, der christlich-jüdische Dialog ist ihm spürbar ein inneres Bedürfnis. Gerade deshalb ist er "nach wie vor befremdet" über die Karfreitagsfürbitte im "außerordentlichen" Ritus der katholischen Kirche. Sie lautet, dass Gott die Herzen der Juden "erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen" und dass "beim Eintritt der Fülle der Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird". Dieser von Papst Benedikt XVI. formulierte Text ist seit 2008 in den wenigen Karfreitagsliturgien nach dem traditionalistischen Ritus vorgeschrieben.

"Die Rücknahme der Fürbitte ist eine Aufgabe, die die katholische Kirche noch zu vollbringen hat", betont Brumlik. Und noch etwas Anderes wünscht der Preisträger sich: "Dass es uns gelingt, junge Leute für den christlich-jüdischen Dialog zu interessieren. Bisher scheint es leider ein Projekt meiner Generation zu sein."

Nina Schmedding
(KNA)

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