Menora für Synagoge
Menora für Synagoge

25.01.2015

In Cottbus wird eine evangelische Kirche zur Synagoge "Was kann uns Besseres passieren"

Erst Kirche, nun Synagoge: 70 Jahre nach Kriegsende bekommt das Land Brandenburg wieder ein jüdisches Gotteshaus. 

In bunten Farben leuchten Darstellungen der zwölf Stämme Israels in den Fenstern, wenn in der neuen Synagoge in Cottbus abends das Licht brennt. Der Thora-Schrein in dem Gotteshaus wurde aus einer Birke vom jüdischen Friedhof der Stadt, aus Dachbalken eines ehemals jüdischen Hauses sowie aus blauem und goldfarbenem Glas angefertigt. Die neue Synagoge in einer früheren evangelischen Kirche wird am Holocaust-Gedenktag, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar, feierlich eingeweiht.

Viel musste an der einst für französische Glaubensflüchtlinge errichteten Kirche von 1714 nicht verändert werden, damit sie nun dem jüdischen Glauben dienen kann. "Wir haben die Kreuze abgebaut, alles andere ist wie früher", erzählt die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Cottbus, Ulrike Menzel: "Die reformierten Hugenotten haben so genial gebaut, dass sie jetzt als Synagoge genutzt werden kann." Im vergangenen Herbst wurde die Kirche entwidmet. Die Kanzel wurde abgebaut, die Glocken abgenommen.

Jüdisches Leben seit dem 15. Jahrhundert 

Das Land Brandenburg hat den Kauf des Bauwerks mit knapp 600.000 Euro finanziert und will auch jährlich 50.000 Euro zu den Betriebskosten beisteuern. Die jüdische Gemeinde hat sich im Gegenzug verpflichtet, die Nutzung als Synagoge für mindestens 25 Jahre zu gewährleisten. Jüdisches Leben ist in Cottbus seit dem 15. Jahrhundert dokumentiert. Die erste Betstube wurde 1811 in einem Hinterhaus eingerichtet, 1858 wurde offiziell eine Gemeinde gegründet. Die 1902 eingeweihte historische Synagoge wurde bei den NS-Novemberpogromen 1938 niedergebrannt, bei der Befreiung 1945 lebten nur noch zwölf Juden in der Stadt. Erst 1998 konnte eine neue Gemeinde gegründet werden, heute zählt sie nach eigenen Angaben rund 350 Mitglieder.

Mit der Gemeinde freut sich auch der Zentralrat der Juden über die neue Synagoge. Das Gotteshaus sei ein "sichtbares Zeichen für das vielfältige, lebendige jüdische Leben, das sich wieder entwickelt hat", sagt Vizepräsident Mark Dainow, der auch an der Eröffnungsfeier teilnehmen will. Mit der Umwidmung der früheren Kirche sei die Synagoge zugleich ein Symbol für den Zusammenhalt der Religionen, betont Dainow: "Das ist in diesen Zeiten besonders wichtig."

Für Bischof Glücksfall 

Für Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, ist die Umwidmumg ein Glücksfall. "Mit keiner anderen Religion ist das Christentum so eng verbunden wie mit dem Judentum", sagt er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Der Ort steht für eine hoffnungsvolle Zukunft." Er wünsche sich, dass jüdisches Leben in Deutschland "noch sichtbarer und selbstverständlicher wird2, ergänzt der Bischof.

Doch nicht alle waren mit der Umwandlung der Kirche in ein jüdisches Gotteshaus einverstanden. Der Leserbrief einer Frau in einem Anzeigenblättchen habe am Anfang gestanden, erzählt Ulrike Menzel: "Und dann ging es los." Die Abgabe der Kirche sei hinter verschlossenen Türen beschlossen worden, "die da oben" hätten über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden, hieß es bei den Kritikern. "Die Leute von 'Pegida' habe ich hier schon vorher erlebt", sagt die Superintendentin zu diesen Protesten lange vor Beginn der Dresdner "Pegida"-Demonstrationen.

Seltene Verwandlung 

Menzel weist darauf hin, dass die Öffentlichkeit über die bereits 2011 vom Gemeindekirchenrat beschlossenen Pläne durchaus informiert worden sei. Auch die Medien hätten darüber berichtet. Die Schlosskirche habe zwar die "bewegendste Geschichte aller Kirchen in Cottbus", sagt Ulrike Menzel. 1989 war sie ein Treffpunkt der DDR-Opposition. Doch sie wurde von der evangelischen Kirche schlicht nicht mehr gebraucht. Als Veranstaltungsort sei sie nicht benötigt worden, erzählt Menzel. Als Sehenswürdigkeit für Touristen habe das schlichte Bauwerk im Stadtzentrum auch nicht getaugt, sagt die Pfarrerin: "Die Leute waren schnell drin, aber auch schnell wieder draußen."

Dass in Deutschland eine evangelische Kirche zur Synagoge wird, kommt höchst selten vor. In Hannover wurde im Jahr 2007 die Gustav-Adolf-Kirche entwidmet, die seitdem als liberales jüdisches Gemeindezentrum und Gotteshaus dient. Ein Jahr später wurde die frühere Paul-Gerhardt-Kirche in Bielefeld zu einer Synagoge umgewidmet - unter Protest einer Bürgerinitiative. Mehrere Mitglieder der evangelischen Gemeinde hatten das Gebäude zuvor monatelang besetzt.

Solche Schwierigkeiten gab es in Cottbus nicht. "Es ist schon eine ganz tiefe Freude, die ich empfinde", sagt Superintendentin Menzel zur neuen Nutzung ihrer ehemaligen Kirche. Dass Cottbus so unkompliziert eine Synagoge bekomme und die Schlosskirche ein Gotteshaus bleiben könne, sei etwas ganz Besonderes, betont die Pfarrerin: "Was kann uns denn Besseres passieren!"

Yvonne Jennerjahn
(epd)

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