Opfer des Anschlags auf eine Jerusalemer Synagoge
Opfer des Anschlags auf eine Jerusalemer Synagoge
Juden vor dem Tempelberg in Jerusalem
Juden vor dem Tempelberg in Jerusalem

18.11.2014

Israel-Korrespondent zum Anschlag auf Jerusalemer Synagoge "Die Menschen haben Angst"

Jerusalem kommt nicht zur Ruhe. domradio.de-Korrespondent Ulrich Sahm berichtet im Interview nach dem folgenschweren Anschlag auf Betende in einer Synagoge aus der israelischen Hauptstadt.

domradio.de: Was haben Sie von dem Anschlag mitbekommen?

Sahm: Ich versuche, das Ganze zu verfolgen und zu sehen, was hier los ist. Es handelt sich um einen Anschlag in einem ultraorthodoxen Viertel im tiefen Westen Jerusalems, also im israelischen Teil, wenn Sie so wollen. Dort sind zwei junge Männer aus einem Viertel in Ost-Jerusalem, mit langen Messern und Pistolen bewaffnet, auf die Betenden in einer Synagoge losgegangen. Sie haben ja schon die Zahl der Toten genannt, aber das ist keine endgültige Zahl, denn einige schweben in akuter Lebensgefahr. Durch reinen Zufall kam dann ein Polizist vorbei und bemerkte, dass da etwas passierte. Der hat dann Verstärkung gerufen, um einen der schlimmsten Terroranschläge, wie es heißt, zu beenden und um die betenden Juden in der Synagoge zu schützen.

domradio.de: Wie reagieren die Israelis in Jerusalem? Haben Sie da schon etwas mitbekommen?  

Sahm: Ja. Die Bevölkerung wird vom Polizeiminister aufgerufen, nicht das Gesetz in die Hand zu nehmen. Die Menschen haben Angst, auch in fernen Vierteln, die fern sind von den arabischen Vierteln. Es gibt Sicherheitsberatungen, sowohl beim Militär als auch bei Premierminister Netanjahu. Was da beraten wird bzw. welche Beschlüsse sie fassen werden, wissen wir im Augenblick noch nicht.

domradio.de: Gibt es denn schon Vermutungen, wer hinter diesem Angriff stecken könnte?

Sahm: Ja. Der Polizeiminister sagte schon, das sei populärer Terror. Das heißt, es war kein von Hamas oder von irgendeiner anderen Organisation gelenkter palästinensischer Terror, aber es wird sehr laut von verschiedensten Sprechern, von Netanjahu bis hin zum Oppositionschef, Mahmud Abbas, der palästinensische Präsident verantwortlich gemacht. Er sei an allem schuld, weil er die ganze Zeit gehetzt habe und diese Hetze habe diese jungen Leute animiert, den  Anschlag durchzuführen. Übrigens sind das Araber, Palästinenser, die in dem Viertel, angeblich in einem Laden gearbeitet haben, also gewissermaßen Gastarbeiter. Die haben dann die Gelegenheit genutzt.

domradio.de: Jetzt hat sich in den vergangenen Wochen ja der israelisch-palästinensische Konflikt immer mehr hochgeschaukelt. Hat denn der Anschlag eventuell sogar etwas mit den umstrittenen Siedlungsplänen der Israelis zu tun? Die waren ja oft in den Schlagzeilen in den letzten Wochen.

Sahm: Nein. Über die Siedlungspläne redet kein Mensch hier. Was aber sehr wohl eine Rolle spielt, ist der Konflikt um den Tempelberg, der nun wiederum von den Palästinensern hochgespielt wird. Die wollen letztlich den Status quo so ändern, dass keine Ungläubigen, also Juden und Christen, mehr den Tempelberg besuchen können und dass nur noch Moslems auf den Tempelberg dürfen. Das ist eins ehr emotionaler Konflikt, weil es hier um die Religion und um heilige Stätten geht. Aber die Siedlungspläne sind mehr Politik und nicht etwas, das die Menschen direkt bewegt.

Das Gespräch führte Verena Tröster. Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu eigen.

(dr)

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