26.08.2013

Israel fliegt letzte Juden aus Äthiopien ein Den verlorenen Stamm heimholen

Äthiopische Juden haben in ihrem Geburtsland oft unter Ressentiments zu leiden - aber auch in ihrer neuen Heimat Israel. Die Jewish Agency will nun die letzten 450 der "Falascha" nach Israel bringen.

Letzte Luftbrücke nach Israel: Die restlichen noch in Äthiopien verbliebenen Juden sollen den Boden des Heiligen Landes am Mittwoch betreten. Rund 450 Einwanderer werden dann in zwei Flugzeugen in ihre neue Heimat Israel gebracht. Damit endet die Operation "Kanfei Jona (Taubenflügel)", der letzte große Einsatz, mit dem Israel Nachfahren des "verlorenen Stamms" aus Afrika heimholen will. "Mit dem Ende von Operation Kanfei Jona schließt sich ein Kreis von 3000 Jahren", sagte der Vorsitzende der für Immigration zuständigen Jewish Agency, Nathan Scharanski. Seit der Staatsgründung von 1948 habe Israel mehr als 90 000 Einwanderer aus Äthiopien aufgenommen.

Das Drama der äthiopischen Juden ist eine uralte und dennoch fast vergessene Geschichte. In ihrem afrikanischen Geburtsland selbst werden sie von der größtenteils orthodoxen Bevölkerung diskriminiert und beschimpft. Dabei leben sie seit über 2500 Jahren rund um die historische Stadt Gondar im Norden des Landes. "Falascha" werden die schwarzen Juden in der Landessprache Amharisch genannt - das bedeutet soviel wie Wanderer oder Exilierte.

Die "Falascha" leben seit Jahrhunderten fast so wie die übrigen Äthiopier

Tatsächlich sind sie entwurzelt und heimatlos, seit das Christentum im vierten Jahrhundert zur Staatsreligion ernannt wurde. Weil sich viele weigerten, den Glauben zu wechseln, wurde ihr Land einfach konfisziert. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Falascha gezwungen, zu konvertieren. Sie hielten aber an ihren Riten fest und kehrten später zum Judentum zurück, wodurch sich im Laufe der Zeit am Horn von Afrika eine ganz eigene Tradition dieser Religion entwickelte.

Dabei leben sie seit Jahrhunderten fast genauso wie die anderen Äthiopier, bauen ihre runden Tukuls (Hütten) aus Lehm und kleinen Ästen, ernähren sich vom Fladenbrot Injera, beackern ihre Felder mit uralten Ochsenkarren und sprechen Amharisch.

Aber es gibt auch deutliche Unterschiede: Auf so manchem Haus prangt ein sechszackiger Davidstern, am Samstag - dem Sabbat - versammeln die Falascha sich zum Gebet in improvisierten Synagogen und singen die Tora - oftmals in der altäthiopischen Sprache Geez. Während ihrer Periode werden die Frauen isoliert und leben in Menstruationshütten.

"Für viele äthiopische Juden ist Israel heute nicht mehr das gelobte Land"

In aufsehenerregenden Aktionen baute Israels Armee mehrmals Luftbrücken, um Tausende Juden aus Äthiopien zu holen - etwa Mitte der 1980er Jahre mit der Operation Moses und 1991 mit der Operation Salomon. Anerkennung und Gleichheit finden die Falascha aber nach Auffassung von Menschenrechtlern auch in Israel nicht: "Für viele äthiopische Juden ist Israel heute nicht mehr das gelobte Land, da sie unter Rassismus, Verarmung und Diskriminierung leide", kritisierte der Afrikareferent der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius. Zu Jahresbeginn wurden Vorwürfe laut, denen zufolge Israel gezielt versucht hat, die Geburtsraten bei Einwanderern aus Äthiopien zu verringern. Daher habe man den Frauen im Zuge der Einwanderung ein langanhaltendes Verhütungsmittel gespritzt.

Aber es gibt auch Beispiele für eine erfolgreiche Integration. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr eine Äthiopierin zu Israels Schönheitskönigin gewählt. Yityish Aynaw sagt, sie habe nie Rassismus am eigenen Leib erfahren. Bei der beliebten Fernsehshow "Big Brother" gilt ein weiteres äthiopisches Model, Tahunia Rubel, als Favoritin.

Der Ursprung der äthiopischen Juden bleibt derweil unklar. Manche glauben, sie seien direkte Nachfahren von König Salomon und der Königin von Saba. Israelische Rabbiner sehen sie als Nachfahren des verlorenen jüdischen Stamms Dan an. Sicher scheint: Das Volk der Falascha ist bis heute höchst geheimnisumwittert - und bleibt eine benachteiligte Minderheit, auch in seiner neuen Heimat Israel.

Carola Frentzen, Sara Lemel
(dpa)

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