Religiös motivierte Beschneidung: Religionsfreiheit vor Recht auf Unversehrtheit?
Religiös motivierte Beschneidung: Religionsfreiheit vor Recht auf Unversehrtheit?

27.09.2012

Die Debatte um Beschneidungen hält an "Kirchen an der Seite der Juden"

Die Diskussion um Beschneidungen reißt nicht ab. Nicht nachvollziehen kann das Ricklef Münnich, der sich im christlich-jüdischen Dialog engagiert. Den Vorwurf eines "Religionskrieges" des einzigen jüdischen Mitglieds im Ethikrat, Leo Latasch, findet er falsch. Im Interview mit domradio.de spricht der Theologe dagegen von einer "Front gegen die Religionen".

domradio.de: Leo Latasch spricht von einem "Religionskrieg", wie sehen Sie das aus dem Blickwinkel des christlich-jüdischen Dialogs?
Münnich: Im Grunde hat er Recht, bis auf einen Punkt: Er übersieht, dass wir in Deutschland nicht mehr einen christlichen Staat haben, wir sind in einem säkularen Staat. Und das Christentum steht an der Seite des Judentums in der Beschneidungsdebatte. Hier gibt es eine Front gegen die Religionen.

domradio.de: Eine Front?
Münnich: Es wird häufig übersehen, dass das Kölner Landgericht auch gesagt hat, die Veränderung des Körpers läuft dem Interesse des Kindes zuwider, später selber über seine Religionszughörigkeit entscheiden zu können. Hier sind die Kirchen genauso angegriffen wie das Judentum. Wir haben die Kindertaufe, bei der wir die Kinder auch nicht fragen. Und Beschneidung und Taufe verbindet: Beide sind nicht zurücknehmbar, auch die Taufe ist unwiderruflich. Man kann später aus der Kirche austreten, aber getauft ist getauft.

domradio.de: Nun führt ausgerechnet Deutschland die Debatte, wo nun ein Gesetz entscheiden wird...
Münnich: Eine peinliche Debatte ist das, gerade mit Blick auf die Völker der ganzen Erde. Gerade in Deutschland soll die Beschneidung verboten werden. Zwischen 1940 und 1945 wurden eine Million Kinder von Deutschen oder unter ihrer Mithilfe ermordet. Und jetzt dreht man das um und macht die "Opfer zu Tätern", jetzt werden jüdische und muslimische Eltern angegriffen, sie würden ihre eigenen Kinder verstümmeln. Damit arbeitet man sich in Deutschland an der eigenen Vergangenheit ab. Anders kann ich mir das Ausmaß der Diskussion nicht erklären.

domradio.de: Ihnen gefällt die Debatte also insgesamt nicht?
Münnich: Wie dieses Nebenthema der Beschneidung nun schon seit einem Viertel Jahr die öffentliche Debatte ausfüllt, ist nicht nachzuvollziehen. Wurde schon mal in ähnlicher Weise über körperbezogene Entscheidungen der Eltern für ihre Kinder gesprochen? Bei Schönheitsoperationen? Bei dem schweren Thema der Geschlechtszuweisung bei Intersexualität? Das sind viel tiefer greifende Themen, die aber niemanden stören. Es geht bei diesem vergleichsweise kleinen Eingriff um tiefe Dimensionen, bei denen inzwischen durchaus Judenfeindschaft und Antisemitismus eine große Rolle spielen. Schon deswegen haben die Kirchen hier an der Seite der Juden in Deutschland zu stehen. Hier geht es um jüdische Existenz in Deutschland. Nicht mehr und nicht weniger.

domradio.de: Wie bewerten Sie das Eckpunktepapier?
Münnich: Das Papier ist in Ordnung. Es wird deutlich gesagt, dass nach den Regeln der ärztlichen Kunst beschnitten werden muss - was schon seit vielen Jahrhunderten geschieht.

Zur Person: Der evangelische Theologe Ricklef Münnich ist Mitglied im Präsidium des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR).

Das Gespräch führte Monika Weiß.

Gedenktag der heiligen Cäcilia

DOMRADIO.DE überträgt an diesem Freitag um 19.00 Uhr die festliche Messfeier zum Patrozinium St. Cäcilien im Museum Schnütgen.

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 22.11.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Einzige Hebammenschule in Köln: Schülerin erzählt über ihre Ausbildung
  • Kirche gegen Klimawandel: Bündnis "Churches for future" stellt sich vor
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • So war der Elisabeth-Empfang in Erfurt
  • Das Judas Thaddäus Projekt in Wuppertal
  • Vatikan-Experte Nersinger zu Kurienkardinal Leo Burke
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • So war der Elisabeth-Empfang in Erfurt
  • Das Judas Thaddäus Projekt in Wuppertal
  • Vatikan-Experte Nersinger zu Kurienkardinal Leo Burke
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Blickpunkt: Caritas-Projekt Babylotse
  • Priesternotruf im Dekanat Hürth vor dem Aus?
  • Heribert Hirte zu Bundesparteitag der CDU
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Blickpunkt: Caritas-Projekt Babylotse
  • Priesternotruf im Dekanat Hürth vor dem Aus?
  • Heribert Hirte zu Bundesparteitag der CDU
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff