08.03.2007

Lehmann: Vergleiche mit Holocaust nicht angemessen Den Emotionen folgen die Reflexionen

Kardinal Karl Lehmann hält die scharfe Kritik einiger Bischöfe am israelischen Vorgehen gegenüber den Palästinensern für nicht angemessen. Heutige Probleme oder Situationen des Unrechts dürften nie "in irgendeiner Weise mit dem nationalsozialistischen Massenmord an den Juden in Verbindung" gebracht werden, heißt es in einem am Mittwochabend veröffentlichten Schreiben Lehmanns an den Vorsitzenden der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem, Avner Schalev.
Der Autor und Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Köln, Günter B. Ginzel, ruft im domradio zur Besonnenheit auf, die Aussagen der Bischöfe seien durch "emotionale Überforderung" entstanden.

Ginzel bewertet die Aussagen der Bischöfe, gerade was den Begriff "Ghetto" angeht, zwar als "nicht begreifbare, nicht akzeptable Entgleisungen", führt sie aber auf "emotionale Überforderung" zurück. Die Bischöfe hätten unter dem Eindruck der Umstände "den Verstand nicht beieinander" gehabt und ihre Kritik durch "das Überbordende" entwertet. Die Kritik des Zentralrats hält er zwar für berechtigt, nicht aber die "Art und Weise". Der Zentralrat müsse "lernen", vielleicht auch einmal "Therapeuten in Anspruch" nehmen, da die harte Kritik eine unnötige Belastung des eigentlich guten Verhältnisses zwischen Zentralrat und katholischer Kirche und des Dialogs darstelle.Lehmann schlichtetDer Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem, Avner Schalev, hatte sich am Dienstag brieflich beim Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz beschwert und "traurige Unwissenheit" der Bischöfe beklagt. Nach einem Besuch in Ramallah und Bethlehem hatten die Bischöfe Gregor Maria Hanke und Walter Mixa am Samstag die dortige Lage als Getto oder gettoartig bezeichnet. Auch der Zentralrat der Juden und der israelische Botschafter Schimon Stein kritisierten, Hanke habe mit seinem Begriff vom "Getto in Ramallah" einen Vergleich mit der Nazi-Zeit gezogen."Zugespitzte Äußerungen"Lehmann spricht nun von "situativ zugespitzten Äußerungen". Alle Bischöfe berücksichtigten aber bei ihrer Beurteilung der Gesamtlage die Bedrohung der Israelis durch Terrorismus. Sie verträten uneingeschränkt das Existenz- und Selbstverteidigungsrecht des Staates Israel, erklärt der Kardinal.Lehmann führte auch eine "starke innere Anspannung" und das Gefühl der Bedrängung an, die nicht wenige Bischöfe angesichts der bedrückenden Situation im Schatten der Sicherheitszäune und Mauern in Bethlehem verspürt hätten. Das sei der Grund für «einige harte Äußerungen» gewesen."Mehr Sachlichkeit"Die Deutsch-Israelische Gesellschaft rief derweil zu mehr Sachlichkeit im Streit um die Bischofs-Äußerungen auf. Die gegen Israel erhobenen Rassismus-Vorwürfe seien ebenso unhaltbar wie die Antisemitismus-Vorwürfe jüdischer Organisationen gegen die Bischöfe, erklärte Präsident Johannes Gerster. Die Auseinandersetzung vergifte das Klima zwischen Juden und Katholiken in Deutschland unnötig und erschwere eine sachliche Auseinandersetzung über den Nahost-Konflikt.Der vatikanische Chef-Historiker Walter Brandmüller wies die Antisemitismus-Vorwürfe als "geradezu absurd" zurück. Im Deutschlandfunk sagte er: «Man kann doch nicht in Jad Vaschem erschüttert sein und dann über das Elend, das man in Ramallah vor Augen hat, einfach zur Tagesordnung hinweggehen.»Stein sagte am Abend in Mülheim, er setze jetzt auf einen "Prozess des Nachdenkens" bei den Geistlichen. Er habe am heutigen Mittwoch ein Gespräch mit Kardinal Karl Lehmann geführt und bleibe weiterhin zum Dialog bereit. Es sei legitim, Israel zu kritisieren. Aber dabei komme es auf die Wortwahl und die richtigen historischen Zusammenhänge an.In der israelischen Presse spielte die deutsche Debatte um die Bischofsäußerungen am Mittwoch keine große Rolle. Die wichtige Tageszeitung «Haaretz» verlor darüber keine Zeile. Nur auf ihrer Internetseite berichtete ein Reporter über Bestürzung bei der deutschen Botschaft in Tel Aviv. Die englischsprachige "Jerusalem Post" gab ohne Kommentar den Protestbrief Avners wieder. Die Entgegnungen der deutschen Bischöfe wurden nicht erwähnt.

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