Weihbischof Schwaderlapp mit Kardinal Meisner
Weihbischof Schwaderlapp mit Kardinal Meisner

05.07.2018

Weihbischof Schwaderlapp erinnert sich an Kardinal Meisner "Er konnte sehr gütig und väterlich sein"

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp hat den vor einem Jahr verstorbenen Alt-Erzbischof Joachim Kardinal Meisner lange Jahre eng begleitet. Im Interview teilt er seine persönlichen Erinnerungen an seinen geistlichen Vater.

DOMRADIO.DE: In diesen Stunden vor einem Jahr erreichte Sie die Nachricht vom Tode des Alt-Erzbischofs. Waren Sie überrascht?

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (früherer Generalvikar und langjähriger Geheimsekretär Kardinal Meisners): Einerseits habe ich nicht damit gerechnet. Es kam sehr plötzlich. Doch im Rückblick habe ich gedacht, dass es schon ein paar Indizien gab, wo ich jetzt sagen würde, er wusste, dass irgendwie die Tage gezählt waren. Er hatte mit verschiedenen Personen, mit denen es noch offene Themen gab, diese in Frieden geschlossen. Er hatte eine innerlich abgeklärte Distanz zu manchen aktuellen Fragen.

Noch zwei Tage vor seinem Tod habe ich mit ihm telefoniert und da gab es ein paar Themen, wo ich dachte, wie es ihm damit wohl gehen wird? Aber da hatte er irgendwie innerlich schon mit Frieden geschlossen, was mich gewundert hat. Es war plötzlich und auch irgendwie ein Schock. Aber irgendwie glaube ich, dass er sehr klar vor Augen hatte, dass er bald heimgerufen würde. Und die Art und Weise wie er gestorben ist, ist sicherlich ein ganz großes Zeichen dafür, dass er mit offenen Armen aufgenommen wurde.

DOMRADIO.DE: Wie entstand Ihre Zusammenarbeit mit Kardinal Meisner?

Schwaderlapp: Ich war gerade drei Jahre Kaplan in St. Marien in Neuss und dachte, auch noch länger dort zu bleiben. Dann bekam ich einen Anruf des damaligen Geheimsekretärs Rainer Woelki, ich möge doch zum Kardinal kommen. Und dann bat der mich, Nachfolger von Rainer Woelki als sein Sekretär zu werden. Ich habe ihn gefragt, was mich denn für die Aufgabe qualifiziere. Ich wusste ja gar nicht, was da auf mich zukommt. Er meinte nur, das sei auch besser so. Ich solle mich darauf einlassen. Und ich antwortete: Gut, wenn Sie mir das zutrauen, dann sage ich ja dazu.

DOMRADIO.DE: Dann war es eine sehr enge Zusammenarbeit. Sie haben ihn überall hin begleitet, zu Terminen im Inland und Ausland.

Schwaderlapp: Es war schon sehr eng. Wir haben ja auch im gleichen Haushalt gewohnt, wir haben die Heilige Messe zusammen gefeiert, die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen. Es war für mich schon am Anfang eine ganz große Umstellung. Ich war ja Kaplan und habe Jugendarbeit gemacht, war immer wirbelnd unterwegs. Jetzt musste ich diszipliniert exakt die Zeiten einhalten. Aber auch die Büroarbeit machen und am Schreibtisch sitzen bleiben. Wir mussten uns auch aufeinander einstellen. Das war alles nicht ganz einfach, aber es hat sich sehr schnell eine sehr positive, gute und wohlwollende Beziehung entwickelt.

DOMRADIO.DE: Sie haben ihn auf allen Reisen begleitet. Gab es dann doch den Moment, wo jeder gesagt hat, Urlaub macht aber jeder für sich?

Schwaderlapp: Ja, klar. Das muss auch sein. Das war für mich auch ganz wichtig, ich glaube, für ihn auch. Man sagt ja gerne mal, Abstand bringt die Dinge näher. Also ist es gut, wenn man auch mal ein paar Wochen Distanz hat.

DOMRADIO.DE: Kardinal Meisner war ein sehr frommer Mensch. Ganz fest im Glauben. Aber auch jemand, der nicht immer einfach war.

Schwaderlapp: Ja, Kardinal Meisner war ein ganzer Mensch und auch ein impulsiver Mensch. Man konnte ihm schon von zehn Metern Entfernung ansehen, in welcher Gemütslage er ist. Insofern war er auch ein ganz transparenter Mensch und das war auch das, was ich an ihm geschätzt habe. Das war natürlich manchmal nicht ganz einfach. Aber man konnte damit eigentlich ganz gut umgehen.

Aber ich glaube, das ist nur ein Teil der Facetten. Natürlich hatte er auch diese impulsive Art. Aber er war jemand, der leidenschaftlich für Christus und die Kirche gebrannt hat. Er war gar nicht jemand, der um jeden Preis die Auseinandersetzung suchte, sondern er sah sich einfach in der Pflicht, zu bestimmten Themen nicht schweigen zu können. Er hat sich gefreut, wenn er Leute gefunden hat, die seine Überzeugung teilten und mit denen man gemeinsam unterwegs war. Er war eigentlich jemand, der auf Harmonie aus war. Der sich aber immer sagte: Wenn ich mein Bischofsamt ernst nehme, dann muss ich in Kauf nehmen, dass ich da auch Positionen vertrete, die andere ablehnen und wo es dann auch zu Konflikten kommt.

DOMRADIO.DE: Man wusste immer, woran man bei im war?

Schwaderlapp: Ja, er war im guten Sinne berechenbar. Er hatte eine klare Überzeugung, eine klare Meinung, eine klare Linie. Da konnte man sich daran reiben. Aber es war jetzt nicht nur diese Ebene. Viele bestätigen dies, die auch mal den Konflikt hatten und dann das Vier-Augen-Gespräch mit ihm suchten, dass er dann auch sehr gütig und väterlich sein konnte. Also er war ein vielschichter Mensch.

DOMRADIO.DE: Ein Jahr nach seinem Tod, was vermissen Sie?

Schwaderlapp: Einen lieben Nachbarn und einen väterlichen Freund. Ich erinnere mich, einmal war eine ganze Handvoll Bonbons in meinem Briefkasten und irgendwie stellte sich heraus, dass er die mir gegeben hatte. Und da meinte er: Ich habe gesehen, du hast so viel zu tun. Nimm doch mal ein paar Bonbons, das tut ja auch gut. Oder einmal hatte er mir ein Brief geschrieben, er habe gesehen, wie voll mein Terminkalender für den kommenden Monat war. Ich solle darauf achten, dass ich auch Freizeit habe, das sei wichtig. Also es war diese väterliche Beobachtung.

(DR)