Das Besondere: Nur während der Wallfahrt kann der Schrein "unterpilgert" werden
Das Besondere: Nur während der Wallfahrt kann der Schrein "unterpilgert" werden

27.09.2011

Die 6. Kölner Domwallfahrt hat begonnen Gottes Salz für alle Geschöpfe

Mit einem Gottesdienst hat Dompropst Norbert Feldhoff am Mittwochabend die sechste Kölner Domwallfahrt eröffnet. Sie steht unter dem Motto "Ihr seid das Salz der Erde" und dauert bis Sonntag. An allen Tagen ist der Pilgerweg im Dom zur Mailänder Madonna, dem Dreikönigenschrein und dem Gerokreuz geöffnet.

Kardinal Joachim Meisner hat die Domwallfahrt in diesem Jahr unter das Leitwort "Ihr seid das Salz der Erde" gestellt. Im Zentrum steht der Pilgerweg innerhalb der Kathedrale, der unter dem Schrein der Heiligen Drei Könige hindurchführt. Weiter gibt es täglich Gottesdienste, Andachten, Meditationen und Gebetszeiten.

Ehrenamtstag
Erstmals lädt das Erzbistum am Samstag zu einem Ehrenamtstag ein, wie Wallfahrtsleiter Msgr. Robert Kleine erläutert. Das Fest auf dem Roncalliplatz neben dem Dom sei Dank und Anerkennung für die Ehrenamtlichen in Gemeinden, Verbänden und Gremien des Erzbistums. Um 18.30 Uhr schließt sich eine Jugendmesse im Dom an, zu der zugleich die Läufer des "Köln Marathon" am Sonntag eingeladen sind.

Das sportliche Motto findet am Abend ab 20.15 Uhr eine spirituelle Fortsetzung bei einem "Bibelmarathon" in der Kathedrale. Dabei wollen die Vortragenden versuchen, die Lesung vom Auszug des Volkes Gottes aus Ägypten in weniger als der aktuellen Marathon-Weltbestzeit von 2 Stunden, 3 Minuten und 38 Sekunden zu schaffen. Die Domwallfahrt beendet am Sonntag ein feierliches Pontifikalamt mit Kardinal Meisner um 10.00 Uhr im Dom, bei dem ein besonderer Segen an Ehejubilare erteilt wird.

Konzerte, Diskussionen und ein Talk
Zum Begleitprogramm gehören Konzerte, Diskussionen und ein Talk zum Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland. Daneben präsentieren sich im "Domforum" gegenüber der Kathedrale die diesjährigen Patendekanate der Domwallfahrt aus dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Oberbergischen Kreis in einer Ausstellung. Speziell für Fußballfans gibt es eine Führung durch das Stadion des 1. FC Köln unter dem Titel "Tempel des Leidens". Ein besonderes Klangerlebnis bietet am Samstag eine Glockenvigil aller Innenstadtkirche ab 18.00 Uhr.

In seiner Einladung zur Domwallfahrt betont der Kardinal mit Blick auf das Motto "Salz der Erde", dass christliche Rede "voller Würze" und manchmal durchaus gesalzen sein müsse. Nur so könne die Christenheit zum Zusammenhalt der Welt beitragen und vor Verfall und Verfaulen bewahren. "Möge die diesjährige Domwallfahrt dazu beitragen, dass Gottes Salz in uns seine Kraft behält und allen Geschöpfen zugute kommt."

Pilgerstempel und Pin
Bei der Kölner Domwallfahrt gibt es einen Pilgerstempel. Zudem können Wallfahrer einen kleinen Pin als Erinnerung mitnehmen, der gegen eine Spende für ein Projekt in Brasilien im Pilgerbüro abgeholt werden kann. Zum Kauf angeboten wird ein Salzstreuer in Form des Doms. Vom Preis in Höhe von vier Euro geht ein Euro an die Salabalath Schule der Salesianer in Kambodscha. Darüber hinaus hat das Erzbistum für die Tage der Domwallfahrt eine Kooperation mit drei Brauhäusern und einem Weinhaus in Domnähe geschlossen, wo Pilger zum Vorzugspreis ein Pilgermenü erhalten.

Die mehrtägige Domwallfahrt fand 2006 zum ersten Mal statt. Die Veranstaltung hatte Meisner unter dem Eindruck des Weltjugendtags 2005 angestoßen. Im vergangenen Jahr kamen rund 52.000 Pilger. Mit der Wallfahrt sollen Katholiken ermutigt werden, ihr Leben bewusst aus dem Glauben heraus zu gestalten, so das Erzbistum.

domradio.de ist Partner der Domwallfahrt und überträgt Auftakt, Abschluss und die täglichen Pilgerämter live in Bild und Ton.

Jeden morgen ist Domkapitular Prälat Gerd Bachner zu Gast im domradio-Studio und spricht über die Domwallfahrt. Die Gespräche können Sie hier nachhören.

Am Mittwoch hören Sie im domradio die Themensendung zur Domwallfahrt mit vielen interessanten Informationen und Gesprächspartnern. Im Anschluss liegt die Sendung hier zum nachhören bereit.

domradio.de hat drei amüsante Werbeclips zur Domwallfahrt gefilmt.

In unserer Mediathek finden Sie viele interessante Beiträge und Videos rund um die Domwallfahrt.

Lesen Sie hier das Grußwort des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner
Liebe Schwestern und Brüder, "Salz" gehört zu jenen ausdrucksstarken Begriffen, die sich besonders für die übertragene Rede anbieten. Von den "gesalzenen Preisen" über den "Scheffel Salz", den man mit einem Menschen essen muss, bevor man ihn kennt, bis hin zum "Salz in der Suppe", aber auch zu der "Suppe, die man jemandem versalzen möchte", finden sich etliche Sprichwörter, Redensarten und Aphorismen. Bezugs- und Vergleichspunkt ist bei dieser metaphorischen Redeweise für gewöhnlich die (angenehme oder übertriebene) Würze.

Auch die Antike und näherhin die Bibel kannten das Salz als Würzmittel. Darüber hinaus diente es zur Reinigung, und zwar bis hinein in die rituelle, kultische Anwendung: In Israel wurden beispielsweise die Opfergaben gesalzen. Auf den Erdboden wurde das Salz ausgestreut, um - je nach Intensität und Menge - diesen zu düngen oder umgekehrt unfruchtbar zu machen. Und schließlich war das Salz auch sozusagen der "Kühlschrank des Alten Orients": Es diente dazu, Speisen zu konser-vieren und so vor dem frühzeitigen Verderben zu bewahren.

Mehr oder minder muss man wohl alle diese Bedeutungen im Blick haben, wenn man Jesu berühmtes Wort an seine Jünger verstehen will: "Ihr seid das Salz der Erde" (Matthäusevangelium 5,13). Weniger bekannt ist das Wort vom Salz in der Fassung des Markusevangeliums, das denselben Gedanken ausdrückt, diesen zugleich aber doch markant variiert: "Das Salz ist etwas Gutes. Wenn das Salz die Kraft zum Salzen verliert, womit wollt ihr ihm seine Würze wiedergeben? Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!" (9,50).

Während der heilige Matthäus uns also eine Feststellung überliefert ("Ihr seid das Salz …"), richtet Jesus beim Evangelisten Markus einen Appell an seine Jünger ("Habt Salz in euch …!"). Bei Matthäus mag so stärker zum Ausdruck kommen, dass die "Kraft des Salzes" nicht zuerst von uns abhängt, sondern von dem, der sie schenkt: von Gott. Markus dagegen betont mehr den Imperativ: die Konsequenz, die aus dem Gottesgeschenk folgt und die ja indirekt auch bei Matthäus zur Sprache kommt, wo Christus fortfährt: "Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten" (5,13).

Beide Male geht es darum, die Kraft des Salzes zu bewahren und zur Anwendung zu bringen. Aber kann denn Salz überhaupt schal (früher sagte man "dumm") werden? Das bezweifelten schon rabbinische Texte, die ihre Kritik freilich wiederum auf übertragene Weise in der Aus-einandersetzung mit dem Christentum anbrachten. Tatsächlich gilt Christi Mahnung nicht dem reinen Speisesalz, an das wir heute gewöhnt sind, sondern dem in der Antike gebräuchlichen Salzgestein, das unter anderem dann schal wurde, wenn das eigentliche Salz herausgewaschen war.

Was bedeutet das für uns Christen des 21. Jahrhunderts? Gerade heute dürfen und sollen wir uns mehr und mehr der Tatsache bewusst werden, dass Gott uns eine Kraft geschenkt hat, die der Erde Geschmack und Haltbarkeit verleiht. Nicht aus eigener Vollkommenheit, sondern durch Gottes Gnade "halten die Christen die Welt zusammen", wie schon im 2. Jahrhundert nach Christus der Brief an Diognet lehrt (6. Kap.). Wohlgemerkt: Das galt schon, als die Kirche noch eine "kleine Herde" war, und das gilt weiterhin, wenn die Kirche in Deutschland sich wieder in diese Richtung hin zu entwickeln scheint.

Wir sind das Salz der Erde - aber Salz kann nur dann seine Wirkungen entfalten, wenn man es auch verwendet! Im Brief an die Kolosser findet sich ein schönes Wort, das den frühen Christen Orientierung für den Umgang mit ihren Mitmenschen gab, aber auch mir persönlich viel sagt: "Eure Worte seien immer freundlich, doch mit Salz gewürzt; denn ihr müsst jedem in der rechten Weise antworten können" (4,6). Ohne Zweifel schwingt hier mit, dass christliche Rede "voller Würze" (und manchmal durchaus auch "gesalzen") sein soll. Vor allem aber soll sie Worte enthalten, die dazu beitragen, die Welt zusammenzuhalten, vor Verfall und Verfaulen zu bewahren sowie zu reinigen für Gott den Vater, in dessen Hände Christus einmal die gesamte Schöpfung zurücklegen wird. Möge die diesjährige Domwallfahrt dazu beitragen, dass Gottes Salz in uns seine Kraft behält und allen Geschöpfen zugute kommt!

Dazu sende ich allen Domwallfahrern meine herzlichen Grüße und bischöflichen Segenswünsche

Ihr Erzbischof Joachim Kardinal Meisner