Christen im Nahen Osten
Christen leiden unter Blasphemiegesetz

05.10.2019

Pakistanischer Bischof: Blasphemiegesetz bedroht Christen Streichung des Gesetzes nicht angestrebt

Das Blasphemiegesetz in Pakistan ist nach den Worten des katholischen Bischofs von Hyderabad, Samson Shukardin, eine tägliche Bedrohung für die christliche Minderheit. Die katholischen Bischöfe strebten aber keine Streichung des Gesetzes an.

Bei einem Missionskongress in Wien forderte er am Freitag, künftig müssten Personen bestraft werden, die durch falsche Blasphemievorwürfe eine Verurteilung Unschuldiger zu verantworten hätten. Eine gänzliche Streichung des Blasphemiegesetztes sei von den katholischen Bischöfen in Pakistan nicht angestrebt. Man akzeptiere die islamische Prägung von Staat und Recht in Pakistan; allerdings habe das Land bei der Staatsgründung 1947 noch auf dem Boden der Religionsfreiheit gestanden.

Für die christliche Minderheit von 1,6 Prozent der Bevölkerung gegenüber 96 Prozent Muslimen sei das Blasphemiegesetz ein Damoklesschwert und raube vor allem den jungen Menschen die Hoffnung auf eine gute Zukunft, so der Bischof. Der 1980 eingeführte Blasphemieparagraf bedrohe alle, die den Koran verunehren oder den Propheten Mohammed kritisieren im schlimmsten Fall mit der Todesstrafe. Oft würden Blasphemiebeschuldigungen öffentlich in der Moschee erhoben. Die dann drohende Lynchjustiz sei lebensgefährlich für Beschuldigte und setzte auch die staatliche Justiz unter Druck.

Christen seien in Pakistan "Bürger zweiter Klasse"

Bischof Shukardin erinnerte in diesem Zusammenhang an das Schicksal von Asia Bibi, die wegen eines Blasphemievorwurfs über zehn Jahre als Todeskandidatin unschuldig im Gefängnis war. Erst durch den Protest vieler Nationen sei dann ihre Freilassung möglich geworden.

Christen seien so wie andere Minderheiten in Pakistan "Bürger zweiter Klasse", so der Bischof. So bleibe etwa Christen der Zugang zu bestimmten öffentlichen Ämtern und Positionen verwehrt. Im Prozessrecht gelte die Regel, dass die Aussage eines muslimischen Zeugen nur durch zwei christliche Zeugen aufgewogen werden könne.

Entführungen und Zwangshheirat

Auch würden junge Christinnen immer wieder entführt und mit muslimischen Männern zwangsverheiratet. Verantwortlich dafür sei eine sehr kleine fundamentalistische Gruppe, die sich selbst als "Muslimisches Seminar" bezeichnet.

Insgesamt seien die Beziehungen mit dem Islam aber weit besser. "Der Islam ist keine schlechte Religion, Muslime sind keine böse Menschen", sagte Shukardin. Positiv sei zudem, dass der christlich-islamische Dialog von der Regierung gefördert werde.

(KNA)

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