Koran in einer Moschee
Koran in einer Moschee

03.10.2019

Islamkritikerin Seyran Ates zum "Tag der offenen Moschee" "Ich halte das für eine verlogene Kampagne"

An diesem Donnerstag laden islamische Verbände wieder zum "Tag der offenen Moschee". Seyran Ates, selbst Gründerin einer liberalen Moschee in Berlin und Kritikerin des traditionellen Islam, wittert dahinter fragwürdige Absichten.

KNA: Was planen Sie zum Tag der Offenen Moschee?

Seyran Ates (Gründerin einer liberalen Moschee in Berlin): Gar nichts, unsere Moschee bleibt an diesem Tag wieder demonstrativ geschlossen. Als Zeichen gegen die Vereinnahmung des Nationalfeiertags durch die konservativen Islamverbände für ihre Zwecke. In unserer Moschee sind alle Menschen zu jeder Zeit willkommen. Aber am Donnerstag finden Besucher an unserer Türe nur eine Erklärung, in der wir ihnen einen schönen Tag der Deutschen Einheit wünschen.

KNA: Die Verbände argumentieren, die Wahl des 3. Oktober als "Tag der Offenen Moschee" drücke die besondere Identifikation der hiesigen Muslime mit Deutschland aus. Was stört sie daran?

Ates: Dass es eine zutiefst verlogene Kampagne ist. Wenn es um Wertschätzung für das Land ginge, könnten die Moscheegemeinden am Tag der Deutschen Einheit ja zu Gottesdiensten einladen und für das Wohl dieser Gesellschaft beten. Stattdessen instrumentalisieren sie ihn und legen den Fokus auf sich selbst und betreiben Identitätspolitik.

Das ist eine bewusste Provokation und eine Frechheit. Das wahre Signal dahinter ist doch: Der Nationalfeiertag, dieses Land interessiert uns nicht wirklich. Uns ist es wichtiger, dass wir uns an dem Tag als Muslime, als kulturelle Sondergruppe gegenüber der Mehrheitsgesellschaft darstellen - unter dem Mäntelchen von Offenheit und Transparenz. Der "Tag der Offenen Moschee" ist für mich eine ausgesprochene Gegenveranstaltung.

KNA: Initiatoren wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) würden das als bösartige Unterstellung zurückweisen. Sie betonen das diesjährige Motto "Menschen machen Heimat/en".

Ates: Das soll weismachen, dass hier letztlich alle Kulturen an einem Strang ziehen für eine gemeinsame deutsche Heimat. Wieder so eine Lüge. Diese Leute waren rhetorisch immer sehr geschickt und haben nach außen immer eine andere Sprache gesprochen als nach innen.

Schauen Sie sich doch die Internetseiten der Verbände an, welcher Islam da gepredigt wird. Der hat mit den freiheitlichen Werten in diesem Land nicht viel zu tun, eher mit Fundamentalismus. Ein Beispiel: Erst im August musste das Islamische Zentrum München, das Mitglied im ZMD ist, einen Teil seiner Seite schließen, in dem das Schlagen von ungehorsamen Ehefrauen empfohlen wird, wie es im Koran steht. Oder nehmen Sie den Ditib-Verband, der seine Moscheegemeinden unter der Fuchtel des türkischen Staates halten soll und nationalistisch indoktriniert. Da geht es nicht um Integration in eine neue Heimat, sondern um Absonderung in Parallelgesellschaften.

KNA: Sehen Sie das nicht etwas zu drastisch?

Ates: Sowohl der ZMD als auch die Ditib haben nachweislich Kontakte zur Muslimbruderschaft. Deren Ideologie zielt nicht darauf ab, Deutschland zur Heimat zu machen, sondern ihren politischen Islam durchzusetzen. Das sind keine Verschwörungstheorien von mir. Gehen Sie einfach nur auf die Seite des "Europäischen Instituts für Humanwissenschaften" in Frankfurt oder hören Sie sich an, was Yussuf al-Qaradawi zu sagen hat, dessen Fatwas auch von den Verbänden verbreitet werden. Solange sie sich nicht klar vom politischen Islam distanzieren und das entsprechende Geld aus dem Ausland nicht ablehnen, solange nenne ich diese Verbände den langen Arm des politischen Islam.

KNA: Was passiert, wenn ich als Nichtmuslim an einem x-beliebigen Tag in eine Moschee gehe und mich mal umschauen will oder das Freitagsgebet miterleben möchte?

Ates: Ob man sie beim Gebet zulässt, hängt sehr von der jeweiligen Gemeinde ab - anders als in christlichen Gottesdiensten, in die jeder kommen kann. Aber sicherlich wird man Sie freundlich empfangen und es auch so meinen. Vielleicht bietet man Ihnen Tee an und es findet sich jemand, der Sie herumführt. Aber das ist gar nicht der Punkt.

Entscheidender ist, dass Sie in vielen Moscheen keinen Imam finden, der Deutsch kann. Was sollen diese Imame ihren Zuhörern denn erzählen von einer Heimat Deutschland? Am 3. Oktober sind die Imame wegen der fehlenden Sprachkenntnisse oft gar nicht da. Stattdessen macht irgendjemand die Führungen, der auf kritische Fragen zu Religionsfreiheit oder Frauendiskriminierung im konservativen Islam vorgefertigte Antworten gibt.

KNA: Vor gut zwei Jahren haben Sie mit anderen liberalen Muslimen die Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gegründet. Was unterscheidet sie von traditionellen Moscheen?

Ates: Wir leben einen Islam, der sich von innen reformiert. Für den Toleranz, Gewaltfreiheit und die volle Gleichberechtigung der Geschlechter und LGBTQI-Identitäten selbstverständlich ist. Aufrufe zu Gewalt und Intoleranz im Koran gehören in einen historischen Kontext. Sie dürfen nicht zum ewig gültigen Wort Gottes pervertiert werden und in unserer Zeit keine Relevanz mehr haben. Unsere Moschee steht allen Menschen offen, egal ob Muslimen oder Nichtmuslimen, Gläubigen und Atheisten, hetero- und homosexuellen. Christen beten gemeinsam mit Moslems, Frauen gemeinsam mit Männern und sie müssen auch nicht verschleiert sein.

KNA: Es gab Gewaltaufrufe gegen die Moschee, die obendrein im Nebengebäude einer evangelischen Kirche liegt. Es gab Morddrohungen gegen Sie vonseiten radikaler Muslime. Wie steht es heute um die Sicherheit?

Ates: Die Drohungen kommen nicht nur von sogenannten Radikalen. Sie kommen über die Sozialen Medien mehrheitlich von sogenannten Konservativen. Zum Glück hat es bisher keine Angriffe gegen uns gegeben. Die Moschee wird dauernd bewacht und regelmäßig von der Polizei angefahren Ich selbst werde wohl so lange Polizeischutz brauchen, wie ich mich für einen zeitgemäßen, säkularen Islam einsetze, der den Menschenrechten verpflichtet ist. Und da werde ich nicht schweigen. Im Gegenteil: 2020 plane ich die Eröffnung einer entsprechenden Akademie zur Ausbildung reformorientierter Theologen und suche dafür noch Geldgeber. Mittelfristig soll daraus eine Hochschule werden, an der auch Imame und Imaminnen ausgebildet werden.

Das Interview führte Christoph Schmidt.

(KNA)

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