Björn Thümler (CDU), Minister für Wissenschaft und Kultur von Niedersachsen
Björn Thümler (CDU), Minister für Wissenschaft und Kultur von Niedersachsen

19.06.2019

Niedersachsen plant universitäre Imam-Ausbildung Erstes Projekt bundesweit

Es wäre bundesweit einzigartig: Das Land Niedersachsen plant die Ausbildung von muslimischen Geistlichen an der Universität Osnabrück. Gespräche mit Bundesinnenministerium und Islamverbänden liefen, hieß es.

"Das wäre der Beginn einer Imam-Ausbildung in Deutschland", sagte Kultur- und Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) am Mittwoch im Landtag in Hannover zum geplanten Modellprojekt in Niedersachsen. Vorgesehen sei, im Herbst dieses Jahres mit den Verbänden einen staatlich unabhängigen Verein zu gründen, der Träger dieser zweiten Phase der Imam-Ausbildung werden könnte. Wann das Projekt starten könne, sei jedoch noch unklar, so Thümler.

Bislang keine universitäre Ausbildung von Imamen

Angehende Imame können in Deutschland zwar Theologie studieren, etwa am Institut für Islamische Theologie (ITT) an der Universität Osnabrück. Eine sich anschließende zweite Ausbildungsphase analog zur Ausbildung der Priester oder Pastoren in den beiden großen Kirchen gibt es jedoch bislang nicht. Sie müsste von den Religionsgemeinschaften selbst verantwortet werden. Thümlers Ankündigung war eine rege Debatte der Landtagsabgeordneten über die zukünftige Organisation der Imam-Ausbildung vorausgegangen.

Der FDP-Abgeordnete Stefan Birkner forderte eine stärkere Initiative der Landesregierung und kritisierte den fehlenden Zeitplan für das vorgestellte Modellprojekt. AfD-Vertreter Harm Rykena bezeichnete eine Imam-Ausbildung als einen "Mosaikstein auf dem Weg zur Islamisierung Deutschlands". Mit großer Mehrheit nahmen die Abgeordneten einen Antrag an, der die Initiativen der Landesregierung begrüßt.

150 Teilnehmer bei vom Land geförderten Weiterbildung

Die im Herbst vergangenen Jahres ausgelaufene Weiterbildung von Imamen am ITT wird dagegen laut Thümler nicht fortgesetzt. Das Angebot sei nicht mehr so stark nachgefragt gewesen, erklärte er, versicherte aber: "Wenn es wieder Muslime in Moscheegemeinden gibt, die Bedarf haben, wird die Uni Osnabrück dieses Angebot wieder aufnehmen." Die vom Land geförderte Weiterbildung von muslimischen Geistlichen an der Uni Osnabrück war 2010 ebenfalls als bundesweit einzigartiges Projekt gestartet. Rund 150 Imame nahmen Teil.

(KNA)

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