Die Ditib-Zentralmoschee in Köln
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10.02.2019

Innovative Moschee in Norddeutschland geplant Ditib-Gemeinde setzt auf Offenheit und erneuerbare Energien

Seit 2010 laufen die Planungen, im Sommer soll nun endlich der Bau beginnen: Mit einer Moschee mit Glasfront, Kuppel und Windrädern auf den Minaretten wollen die Muslime in Norderstedt ein Zeichen setzen.

"Friede", "Reue" und "Glaube" – die Worte prangen in deutscher, englischer und arabischer Sprache an der Außenwand. Die gläserne Fassade erlaubt jedermann einen Blick in den Gebetsraum. Auf dem Grundstück ihres jetzigen Gebetshauses in einer ehemaligen Gaststätte plant die zur Ditib gehörige Eyüp-Sultan-Gemeinde im schlewig-holsteinischen Norderstedt einen futuristischen Neubau.

Der Hamburger Architekt Selcuk Ünyilmaz, der am Sonntag seine Pläne erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorstellte, spricht von einem "weltweit einzigartigen Projekt". Auf seinen Grafiken wirkt das Gebäude gigantisch; gemessen an seiner Größe liegt es mit 1.800 Quadratmetern Nutzfläche und einem Gebetsraum für rund 300 Leute im Vergleich zu anderen Moscheen jedoch im Mittelfeld.

Planungen seit fast zehn Jahren

Neben der Fassade besteht auch die Kuppel des quaderförmigen Hauptgebäudes komplett aus Glas. Ihr Ausläufer zieht sich bis zum Boden. Auf den Balkonen der beiden Minarette, wo in traditionellen Moscheen der Muezzin ruft, drehen sich vertikale Windräder für die Stromerzeugung. Weiter sollen ein Eisspeicher im Erdreich und eine intelligente Fassade den Energiehaushalt optimieren.

Die Planungen für das rund vier Millionen Euro teure Bauvorhaben laufen bereits seit 2010. Im Juni solle es nun endlich losgehen, verkündete die Gemeinde am Sonntag im Rahmen einer Feierstunde. Warum sie einen Neubau will, wird bei einem Besuch in der derzeitigen Moschee schnell klar. Das Haus ist baufällig und von außen kaum als Gotteshaus erkennbar. Außerdem ist das Gebäude viel zu klein für die wachsende Gemeinde: Beim Freitagsgebet finden viele Gläubige keinen Platz und müssen draußen stehen.

"Gebäude für die Zukunft schaffen"

Doch nicht nur diese praktischen Erwägungen spielen eine Rolle: "Wir türkischstämmigen Muslime leben mittlerweile in der dritten oder vierten Generation in Norderstedt. Mit einem repräsentativen Gebäude wollen wir zeigen, dass wir hier angekommen sind", sagt Gemeinde-Sprecher Tahsin Cem. "Wir wollen ein Gebäude für die Zukunft schaffen." Dafür stehe beispielsweise auch der Einsatz erneuerbarer Energien.

Außerdem solle die neue Moschee zugleich Begegnungsstätte sein und einladend wirken – auch auf Nicht-Muslime, beispielsweise die Beschäftigten der umliegenden Betriebe. Sie soll daher auch ein Cafe, einen Supermarkt sowie Schulungs- und Projekträume etwa für Frauen- und Jugendarbeit enthalten.

21 Meter lange MInarette

Die Stadt Norderstedt stand dem Projekt von Anfang an aufgeschlossen gegenüber, wie ein Sprecher auf Nachfrage bestätigt. "Auch seitens der Stadtpolitik gab es einhellige Zustimmung." Für die Minarette, die mit 21 Metern über der maximal erlaubten Bauhöhe von 15 Metern liegen, gab es eine Ausnahmegenehmigung, die für einen Kirchturm auch erteilt worden wäre, wie der Sprecher betont. Das dreigeschossige Hauptgebäude liegt mit 12,50 Metern innerhalb der Vorgaben. Im Februar vergangenen Jahres wurde die Baugenehmigung erteilt.

Architekt Ünyilmaz ist von der Unterstützung durch die Kommune begeistert: "Es gibt Städte in Deutschland, da hätte ich Schwierigkeiten, solche Pläne umzusetzen."

Alles selbst finanziert

Widerstand kommt lediglich von der örtlichen AfD-Fraktion und einem einzelnen CDU-Politiker aus dem benachbarten Hamburg, die beide unter anderem die Ditib-Verbindung der Gemeinde kritisieren. Die bestreiten die Norderstedter Muslime nicht. Tahsin Cem betont aber auch: "Für die Finanzierung der Moschee erhalten wir keinen einzigen Cent aus der Türkei." Die Gemeinde müsse das Geld komplett selbst aufbringen.

Doch die Finanzierung ist längst nicht gesichert: Bislang hat der Moscheeverein erst rund eine Million Euro Spenden gesammelt. Er will in Kürze bundesweit für das Projekt werben. Wenn der erste Spatenstich erstmal erfolgt sei und die Leute sähen, dass es vorangehe, würden sich auch Unterstützer finden, ist Cem überzeugt: "Wer Gottes Wege geht, der muss auch ein bisschen Mut haben."

Michael Althaus
(KNA)

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