Christen in Pakistan bei einem Protestmarsch
Christen in Pakistan hoffen auf Freispruch für Asia Bibi
Asia Bibi im November 2010
Asia Bibi im November 2010
Papst Franziskus trifft Familie von Asia Bibi
Papst Franziskus trifft Familie von Asia Bibi

08.10.2018

Urteil gegen Asia Bibi wegen Blasphemie erwartet Ein Funken Hoffnung und Gebete

Freispruch oder Todesurteil? Ein pakistanisches Gericht soll an diesem Montag über das Leben von Asia Bibi entscheiden. Der Christin wird Blasphemie gegen den Propheten Mohammed vorgeworfen. Gibt es Hoffnung auf ein positives Urteil?

DOMRADIO.DE: Im Jahr 2010 wurde die Katholikin Asia Bibi zum Tode verurteilt. Seitdem wird vor Gericht darum gekämpft, sie zu retten. Wissen Sie, wie es Asia Bibi im Moment geht? Ist sie aktuell in Haft?

Ado Greve (Pressesprecher beim christlichen Hilfswerk Open Doors): Nachdem sie seit 2009 in Haft ist und 2010 zum Tode verurteilt wurde - auch wenn das zwischenzeitlich ausgesetzt wurde - muss die Ungewissheit über Jahre hinweg enorm an ihren Nerven zehren. Sie ist momentan noch in Haft. Sie wird also aus der Haft heraus in den Gerichtssaal gebracht.

DOMRADIO.DE: Die Entscheidung über die Strafe soll noch an diesem Montag fallen. Zeichnet sich ab, wie diese aussehen könnte?

Greve: Es gibt auf der einen Seite Hoffnung, dass aufgrund des Bestrebens alte Fälle abzuwickeln, hier eine Entscheidung zugunsten von Asia Bibi fallen könnte. Wenn man auf der anderen Seite die Christen und auch christliche Leiter im Land befragt, dann sind sie doch sehr zurückhaltend mit ihrem Optimismus.

Ein anderer und für uns ganz entscheidender Punkt ist, dass viele, viele Christen weltweit schon seit Jahren für die Freilassung von Asia Bibi beten. Wir richten unsere Hoffnung ganz darauf, dass Gott Gebet erhört und dass Asia Bibi frei kommt.

DOMRADIO.DE: Wie ist denn die Situation generell für Christen in diesem überwiegend muslimisch geprägten Land?

Greve: Christen in Pakistan leben generell gefährlich. Zum einen haben wir in den letzten Jahren immer wieder Mob-Bildungen, die dann in christlichen Stadtvierteln ausbrechen und dort christliche Familien in die Flucht treiben. Zum anderen gibt es die Vorwürfe, dass der eine oder andere Christ angeblich den Islam oder den Propheten der Muslime, den Propheten Mohammed, beleidigt hätte. Dies fällt unter den Vorwurf der Blasphemie-Anklage. Das ist ganz verheerend für die Gemeinden und überaus schwierig zu ertragen.

Die Christen sind ja mit gerade mal zwei Prozent nur eine kleine Minderheit in Pakistan. Es gibt Anschläge auf Kirchen wie 2013 oder der letzte große Anschlag 2016 direkt am Osterfest, wo Christen, die Picknick gehalten hatten, in einem Stadtpark von Selbstmordattentätern überfallen wurden und dann mehr als 70 Christen in den Tod gerissen wurden. Das ist sehr schwer zu ertragen.

Es gibt Bemühungen, für Asia Bibi oder eben auch andere Christen, die verhaftet werden, einzutreten, weil der Vorwurf Blasphemie vorliegt. Aber gerade Politiker, die sich für Asia Bibi eingesetzt haben, wie zum Beispiel der Gouverneur der Provinz Punjab, wurden selbst ermordet. Auch Shahbaz Bhatti, ein bekannter christlicher Politiker in Pakistan, der sich für eine Änderung der Blasphemie-Gesetze und für Asia Bibi eingesetzt hatte, wurde ebenfalls ermordet.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie diese Blasphemie-Gesetzgebung schon mehrfach angesprochen. Seit über 30 Jahren gibt es diese in Pakistan und sie sieht Strafen bis hin zur Todesstrafe vor, wenn man Gotteslästerung betreibt oder geringschätzige Bemerkungen über den Propheten Mohammed macht. Wie oft wird denn dieses Gesetz gegen Christen angewandt?

Greve: Insgesamt muss man sagen, dass die Blasphemie-Gesetze zahlenmäßig öfter gegen Muslime angewandt werden als gegen Christen. Das verkehrt sich wieder in eine ganz andere Richtung, wenn man eben die Bevölkerungsanteile betrachtet, mit zwei Prozent christlichem Bevölkerungsanteil und dem Rest überwiegend muslimischem Bevölkerungsanteil. Von daher ist die Anwendung der Blasphemie-Gesetze gegen Christen unverhältnismäßig hoch und in den letzten Jahren fast beständig gestiegen.

DOMRADIO.DE: Denken Sie, es könnte auch ein politisches Interesse daran geben, Asia Bibi wegen Gotteslästerung anzuklagen und zu bestrafen?

Greve: Das Interesse, sie zu bestrafen geht überwiegend von den religiösen Hardlinern aus. Einzelne Politiker haben Interesse daran, dass zum einen Ruhe in diesen Fall hineinkommt, aber auch Ruhe in diese politisch und religiös aufgeheizte Situation der Blasphemie-Gesetze einkehrt.

Es gab viele Diskussionen - auch in der Gesellschaft in den letzten Jahren - wegen der Anwendung der Blasphemie-Gesetze. Von daher sind unsere Hoffnung und unsere Erwartung auch in diesem Fall, dass sich die Vernunft in der Politik durchsetzt und Asia Bibi freigesprochen wird.

Das Interview führte Moritz Dege.

Information der Redaktion: Das Interview wurde vor der Stellungnahme des Gerichts in Pakistan geführt.

(DR)

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