Kirche und Moschee
Kirche und Moschee
Ahmad Mansour, Publizist
Ahmad Mansour, Publizist

06.09.2018

Mansour: Kirche sollte konservativen Islam nicht zum Partner machen "Ehrliche und kritische Beschäftigung mit Islamverbänden"

Der Islamismus-Experte Ahmad Mansour kritisiert eine zu große Nähe zwischen Kirche und konservativen Islamverbänden. Im Interview skizziert er, wie die Kirchen stattdessen mit dem konservativen Islam umgehen sollten.

epd: Herr Mansour, Sie kritisieren eine zu große Nähe der evangelischen Kirche zu konservativen Islamverbänden.

Ahmad Mansour (deutsch-israelischer Islamismus-Experte und Autor): Kirche ist nicht gleich Kirche – die evangelische Kirchengemeinde im Berliner Stadtteil Moabit hat zum Beispiel der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin einen Raum zur Verfügung gestellt. Doch zu dem Gottesdienst nach dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz im Dezember 2016 wurde kein einziger liberaler Muslim eingeladen.

Die Veranstaltung hatte eine große Symbolkraft, deswegen wünsche ich mir, dass man auch Partner einlädt, die die Legitimation verdienen, gegen den Terror zu sprechen. Doch stattdessen hat man ganz bewusst konservative Kräfte eingeladen, die alles andere als tolerant sind.

Ich beobachte, dass manche Kirchenvertreter immer wieder eine Politik fahren, bei der Vertreter der konservativen Islamverbände zu Partnern gemacht werden. Beide, Verbände und Kirchen, stärken sich gegenseitig, indem sie sich öffentlich zueinander bekennen. 

epd: Die evangelische Kirche entgegnet wiederum, dass nur durch das Gespräch Verständigung möglich ist. Ist das eine Strategie, die aufgeht?

Mansour: Absolut nicht. Die Kirche sollte nicht die Rolle übernehmen, Muslime zu Liberalen zu erziehen, das ist eine Art der Bevormundung. Zu oft sucht man das Gespräch mit konservativen Moscheegemeinden, dadurch werden andere Kräfte, liberale, ausgegrenzt. Man muss ganz genau schauen, wer zum Partner gemacht wird.

Es gibt mittlerweile ausreichend öffentliche Diskussion über die anti-demokratische Ausrichtung bestimmter Verbände: Ihre Verbindungen ins teilweise undemokratische Ausland, dass teilweise Salafisten ein und aus gehen, dass die Texte im Koran nicht lokalhistorisch gedeutet werden. Die sehr rigide und problematische Geschlechterrollen, die sie vertreten.

In dieser Interpretation sind die Muslime immer die Opfer und der Westen oder die Juden sind immer die Täter. Dazu kommt, dass jegliche Kritik am Islamverständnis der Verbände als Rassismus und Intoleranz abgewehrt wird. Die Kirche will nicht zu den Islamophoben gehören, deswegen gibt es diesen Schulterschluss. Es ist noch lange nicht genug, wenn die Verbände sagen: "Wir sind gegen Antisemitismus!" Wer wirklich gegen Antisemitismus kämpfen will, muss auch die religiösen Aspekte des Problems erkennen und dagegen steuern.

epd: Wie sollte denn stattdessen der Umgang mit den Islam-Verbänden aussehen?

Mansour: Ich habe nichts gegen Dialog – ein Dialog auf Augenhöhe und der harten Worte. In dem klar gesagt wird, was funktioniert und was nicht funktioniert. Aber eine Zusammenarbeit auf der Basis von Mahnwachen und Sonntagsreden, bei denen keine Auseinandersetzung stattfindet, lehne ich ab.

Ich bin nicht dafür, die konservativen Islamverbände auszugrenzen und aufzulösen. Sondern dafür, dass eine ehrliche und kritische Beschäftigung mit ihnen stattfindet – gerade auch von den Kirchen, denn sie erfüllen eine wichtige, zivilgesellschaftliche Aufgabe – jenseits von Naivität und Oberflächlichkeit.

(epd)

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 19.11.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Über Aberglaube und Tod
  • Neue Bundesvorsitzende für das Kolpingwerk
  • Zwei Heilige, die beim Sterben helfen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Trauerbuch: "Wie den Tod eines anderen überstehen"
  • Neuer Audioguide für Blinde im Kölner Museum für Angewandte Kunst
  • Jetzt wird's kalt! Was kann man für die Tiere tun?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Trauerbuch: "Wie den Tod eines anderen überstehen"
  • Neuer Audioguide für Blinde im Kölner Museum für Angewandte Kunst
  • Jetzt wird's kalt! Was kann man für die Tiere tun?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen