Unter Polizeischutz: Seyran Ates
Seyran Ates will ein Gegengewicht zu den konservativen Stimmen bilden

03.07.2018

Seyran Ates will liberales Islam-Institut gründen "Wir werden jetzt auch laut"

Die Menschenrechtsanwältin und Moschee-Gründerin Seyran Ates plant die Gründung eines liberalen Islam-Institutes. "Dann hört uns die Politik vielleicht auch mal zu", hofft sie.

"Wir brauchen in Deutschland eine Akademie eines modernen zeitgemäßen Islams", sagte Ates am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Das Institut soll nach ihren Vorstellungen aus der von ihr im Juni 2017 gegründeten Ibn-Rushd-Goethe-Moschee heraus entstehen und liberalen Muslimen wie dem Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi eine Plattform bieten.

Zugleich kritisierte Ates erneut, dass im Beirat des künftigen Zentralinstituts für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität (HU) nur konservative Islamverbände vertreten sein werden. Die Konservativen seien zahlenmäßig nicht viele in Deutschland, aber "sehr laut". Davon lasse sich die Politik offenbar beeindrucken, sagte Ates.

Liberale Muslime "wütend" über Einseitigkeit

"Der Islam ist plural. Es gibt sehr viel mehr als eine türkisch-sunnitische, ägyptisch-sunnitische und iranisch-schiitische Ausrichtung", sagte die Menschenrechtsanwältin. Der Berliner Senat und die Humboldt-Universität hatten für die Gründung des im Wintersemester 2019/2020 den Lehrbetrieb startenden Islam-Institutes eine Kooperationsvereinbarung mit der Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands, dem Zentralrat der Muslime und der Islamischen Föderation geschlossen. Vertreter liberaler Muslime sind in dem fünfköpfigen Gremium nicht vertreten. Begründet wird das mit der Wirkmächtigkeit und der zahlenmäßigen Größe der Verbände.

Laut Ates sind viele liberale Muslime über diese "Einseitigkeit sehr wütend und sehr irritiert". Bis heute hätten die konservativen Verbände keine belegbaren Mitgliederzahlen vorgelegt, trotzdem folge die Politik ihrer Argumentation und werte sie so auf. Aspekte wie die Gewaltbereitschaft in den Verbänden würden ausgeblendet. "Deswegen sind wir so penetrant in der Öffentlichkeit und werden jetzt auch laut sein", sagte Ates: "Dann hört uns die Politik vielleicht auch mal zu."

Kuratorium hat Weg freigemacht

Am Freitag hatte das Kuratorium der Berliner Humboldt Universität den Weg für das Zentralinstitut für Islamische Theologie freigemacht. An dem Institut werden künftig muslimische Religionslehrer und Imame ausgebildet. Dem Instituts-Beirat werden jeweils ein Vertreter der drei konservativen Verbände und zwei unabhängige Mitglieder angehören. Das Gremium hat das Vorschlagsrecht für Berufungen. Entscheidungen müssen mit einer Zweidrittelmehrheit getroffen werden.

(epd)

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