24.03.2018

Streit über Islam-Debatte hält an Mahnungen zu Sachlichkeit

Nach der These von Bundesinnenminister Seehofer, wonach der Islam nicht zu Deutschland gehöre, diskutieren Politiker weiter über den Umgang mit dem Islam. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken mahnt zur Sachlichkeit.

"Ich werde meine Politik nicht um ein Jota ändern", bekräftigte Horst Seehofer (CSU) nun im aktuellen "Spiegel" (Samstag). Zugleich zeigte sich der Bundesinnenminister verärgert über Angela Merkel (CDU). Es sei vollkommen unnötig gewesen, ihm öffentlich zu widersprechen.

Die Bundeskanzlerin hatte in ihrer Regierungserklärung Seehofers These in Zweifel gezogen, wonach der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Weil inzwischen Millionen Muslime in Deutschland lebten, sei auch deren Religion Teil des Landes, so Merkel.

Gegen pauschale Verurteilung

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wandte sich "entschieden" gegen eine pauschale Verurteilung des Islam und der Muslime. "In den gegenwärtigen Debatten darüber, welche Religion zu Deutschland gehört und welche nicht, werden zunehmend gewalttätige Extremisten, die den Islam für ihre Zwecke missbrauchen, mit den in Deutschland friedlich lebenden Muslimen und vor Gewalt und Terror geflüchteten Menschen gleichgesetzt", kritisierte ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Der CDU-Vize Armin Laschet sprach sich unterdessen für eine staatliche Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft aus. Es brauche derartige Regeln in einer zunehmend säkularen Gesellschaft, sagte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (Samstag).

Die AfD lehnte dieses Ansinnen ab. Organisationen wie die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) und der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hätten ein "fundamentalistisches und orthodoxes Islamverständnis, das in weiten Teilen mit dem Grundgesetz und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung kollidiert", erklärte der AfD-Bundestagsabgeordnete Andreas Bleck.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock kommentierte den Streit mit den Worten: "Die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland. Und dass der Islam zu Deutschland gehört, ist gelebter Alltag in unserem Land."

"Islam ist eine Realität in Deutschland"

Der FDP-Parteichef Christian Lindner betonte im SWR, "der Islam ist eine Realität" in Deutschland. "Aber das Integrations-Leitbild, das wir haben müssen, das muss basieren auf den republikanischen Werten des Grundgesetzes, auf unserer Rechtsordnung, und für die kann es keinen Rabatt geben für niemanden."

Laut dem Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Abdassamed El Yazidi, trägt die erneute Debatte zur Islamfeindlichkeit bei. "Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die eben die Gesellschaft spalten wollen, die Anhängern einer Religion die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft absprechen wollen", sagte er im Interview des Online-Portals Tag24.

Der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, nahm Christen und Muslime in Deutschland in die Pflicht. Alle Akteure sollten "unsere eigenen Kulturen, unsere eigenen Religionen, unsere eigene Geschichte und damit uns selbst ernster nehmen", schreibt Khorchide in einem Gastbeitrag für die "Rheinische Post" (Freitag). Dies sei "der erste Schritt, um mehr Bereitschaft aufzubringen, sich dem Anderen zu öffnen".

(KNA)

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