Junge Muslime
In einer Hamburger Moschee
Joachim Stamp
Joachim Stamp

08.12.2017

NRW-Minister Stamp fordert differenzierte Sicht auf den Islam "Wieviel Islam gehört zu Deutschland?"

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Joachim Stamp plädierte am Donerstagabend für eine differenzierte Sichtweise des Islam. Es gebe sehr viele fromme und laizistisch eingestellte Muslime. 

Dschihadisten dürften nicht das Bild der Muslime in Deutschland prägen, sagte Integrationsminister Stamp (FDP) am Donnerstagabend in Bonn. Er verweist auf einen Großteil laizistisch eingestellter Muslime, die nie mit dem deutschen Gesetz in Konflikt geraten seien.

Islamisten und Populisten profitieren voneinander

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Muslime sei von zwei Seiten bedroht, so der NRW-Vize-Ministerpräsident. Islamisten schürten Misstrauen; diese Ängste griffen wiederum Populisten auf. Beide Seiten profitierten voneinander, so Stamp. Er plädierte für eine Wertedebatte, die sowohl den eingesessenen wie auch den zugewanderten Menschen in Zeiten von Hetze deutlich mache, was die Gesellschaft zusammenhält.

Viele Muslime aus der zweiten Einwanderergeneration fühlten sich diskriminiert und orientierten sich daher wieder an der Heimat ihrer Großeltern, sagte Stamp und verwies auf Begeisterungsstürme für den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Prantl: "Heimat sein, bleiben oder werden"

Der Journalist Heribert Prantl betonte, radikaler Islamismus gehöre genauso wenig zu Deutschland wie radikale Islamfeindlichkeit. Deutschland müsse für alle Menschen "Heimat sein, bleiben oder werden", gleich welcher Religion. Entscheidend sei, dass Heilige Bücher nicht gegen die Menschenrechte gestellt und die Grundrechte respektiert würden.

Mittlerweile sei Deutschland "ein buntes Land", sagte Prantl, der Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung" ist. Neben 60 Prozent Christen gebe es hier 30 Prozent Konfessionslose und 5 Prozent Muslime. Diese Heterogenität gelte es nicht nur zu ertragen, sondern zu respektieren. Mit Blick auf die Zuwanderer sagte Prantl, Integration sei mehr als die Addition der Döner-Buden in Deutschland oder der Besuch eines türkischen Restaurants.

Moscheen als Orte der Integration

Der Journalist warnte auch vor einer Debatte, die Vorurteile schürt. So würden Werte des christlichen Abendlandes in einem rauen Ton verteidigt und "wie Schlagstöcke" mit dem Ziel von Abwertung und Abgrenzung eingesetzt. Auch Moscheen müssten zu Orten von Integration werden, so Prantl. Man brauche den Islam als Partner, um gegen islamistische Verirrungen einzuschreiten.

Prantl und Stamp äußerten sich bei einer Diskussionsveranstaltung der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP). Das Thema war: "Wieviel Islam gehört zu Deutschland?".

(KNA)

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