Muslime im Gebet
Muslime im Gebet

12.06.2017

Liberale Muslime wollen mit konservativen Verbänden kooperieren Wille zur Annäherung

Ähnlich wie bei Katholiken gibt es auch unter Muslimen in Deutschland eher konservativ und eher liberal ausgerichtete Gläubige. Der Dialog untereinander stockt dabei noch an der ein oder anderen Stelle. Dies soll sich nun womöglich ändern.

Der Liberal-Islamische Bund hat die muslimischen Verbände in Deutschland zur Zusammenarbeit aufgerufen. Gemeinsam sollte sich darüber verständigt werden, was fundamentalistischen Lesarten und dschihadistischen Ideologien entgegengesetzt werden kann, sagte die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, Nushin Atmaca, in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zudem sollten eigene Denktraditionen hinterfragt und reflektiert werden.

Als weiteres Thema aller Islamverbände sieht Atmaca "die Rolle und Situation der muslimischen Minderheit in diesem Land". Es gehe darum, politische und gesellschaftliche Anliegen als Minderheit zu formulieren und Schwierigkeiten bis hin zu antimuslimischen Rassismus zu benennen, sagte Atmaca.

Liberale Muslime noch keine akzeptierter Gesprächspartner

Dabei bedauerte sie, dass die liberalen Muslime bei den konservativeren Verbänden unter dem Dach des Koordinationsrates der Muslime noch nicht als Gesprächspartner akzeptiert seien. Dazu gehören die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD), der Zentralrat der Muslime (ZMD) und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ).

Anders sehe es auf lokaler Ebene aus, so die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes. So sei etwa die Berliner Gemeinde ihres Verbandes Mitglied des "Zentrums für interreligiösen Dialog" im Stadtteil Moabit und mit anderen Moscheegemeinden im Austausch.

Der Liberal-islamische Bund hat nach eigenen Angaben bundesweit bis zu 300 Mitglieder. Gemeinden gibt es in Hamburg, Köln, Frankfurt am Main und Berlin. Weitere seien unter anderem in Heidelberg und Stuttgart im Aufbau.

"Freiburger Erklärung"

"Wir akzeptieren unterschiedliche Lesarten des Islam und stehen für Pluralität", betonte Atmaca. Deshalb habe sich ihr Verband auch nicht an der sogenannten Freiburger Erklärung säkularer Muslime vom September vergangenen Jahres beteiligt. "Deren Unterzeichner scheinen einen konfrontativeren Ansatz zu verfolgen."

In der Freiburger Erklärung sprechen sich die Unterzeichner unter anderem für ein zeitgemäßes "humanistisches, modernes und aufgeklärtes Islamverständnis" aus und lehnen unter anderem ein Kopftuch bei Frauen ab, die im Staatsdienst arbeiten.

Neue liberale Moschee-Gemeinde in Berlin

Mit Blick auf die von der Frauenrechtlerin und Rechtsanwältin Seyran Ates gegründete liberale Ibn Rushd-Goethe Moscheegemeinde in Berlin-Moabit sagte Atmaca, es gebe einige Gemeinsamkeiten. Dabei verwies sie auf das gemeinsame Beten von Frauen und Männern in einem Raum, den Einsatz von weiblichen Geistlichen, die historisch-kritische Auslegung des Korans und die Akzeptanz Homosexueller in der Gemeinde.

Wie die Ibn Rushd-Goethe Moscheegemeinde nutzt auch die Berliner Gemeinde des Liberal-islamischen Bundes Räume einer evangelischen Kirchengemeinde.

Lukas Philippi
(epd)

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