Halbmond als Symbol für den Islam
Halbmond als Symbol für den Islam

18.07.2016

Islamwissenschaftlerin warnt vor Pauschalisierung Straftaten nicht "dem Islam" zur Last legen

Die Bonner Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher warnt davor, Straftaten muslimischer Migranten "dem Islam" zur Last zu legen. Dies begründe eine generelle Ablehnung von Muslimen oder sogar Feindlichkeit. "Das darf nicht sein."

Das sagte sie dem Bonner "General-Anzeiger". Kritik an unguten Entwicklungen müsse jedoch erlaubt sein "und die Ideologie des politischen Islam vermehrt Teil der öffentlichen Debatte werden". Versuche, solche Themen unter dem Deckel zu halten, verursachten erst recht Ablehnung und Fremdenfeindlichkeit.

Koordinationsrat der Muslime nicht als Sprachrohr verstehen

Schirrmacher wandte sich auch dagegen, die im "Koordinationsrat der Muslime" (KRM) zusammengeschlossenen vier islamischen Dachverbände als Sprachrohr für "die" Muslime in Deutschland zu verstehen. Ihre Mitgliederzahl sei teils recht klein. So vertrete der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) weniger als ein Prozent der Muslime in Deutschland. Wie Umfragen zeigten, seien die Verbände vielen Muslimen gar nicht bekannt, setzten sich aber als "die" Ansprechpartner für die Politik in Szene. Alle vier Verbände repräsentierten den sunnitischen Islam; keiner stehe für den schiitischen oder alevitischen Islam oder die Ahmadiyya-Bewegung.

Nach den Worten der Islamwissenschaftlerin vertreten die Dachverbände einen orthodox-konservativen Schriftislam, der keine Distanzierung und keine kritische Neubewertung der traditionell definierten verminderten Rechte von Frauen und ihrer Gehorsamspflicht gegenüber den Ehemännern vorsehe.

Warnung vor Einflüssen aus muslimischen Herkunftsländern

Schirrmacher warnte auch vor Einflüssen aus muslimischen Herkunftsländern auf Deutschland. Einzelne Organisationen wie die 1928 in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft verfolgten über ihre Ableger in Europa Ziele wie die Verbreitung eines politisierten Islam.

Kein Geheimnis sei auch, dass die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) unter Kontrolle des Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten in der Türkei stehe, so die in Bonn und Leuven lehrende Professorin. Ditib-Imame seien in der Türkei ausgebildete Beamte des türkischen Staates und erhielten ihre Freitagspredigten aus Ankara vorgegeben. Damit wirke der türkische Islam sehr stark nach Deutschland hinein, und auch die Wahlkampfauftritte von AKP-Politikern seien in diesem Zusammenhang zu sehen. "Ein auf die deutschen Gegebenheiten adaptierter Islam ist das natürlich nicht", so Schirrmacher.

(KNA)

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