Terrorangriff in Bagdad
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Muslime gedenken der Opfer von Orlando
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Zeichen des Terrors in Istanbul
Terror in Istanbul
Ramadan in Paris
Ramadan steht eigentlich im Zeichen des Gebets

05.07.2016

Im Ramadan schlugen Terroristen weltweit zu Massenmord im Heiligen Monat

Der islamische Fastenmonat endet an diesem Dienstag. Der "Islamische Staat" und seine Sympathisanten mordeten im Namen Gottes besonders häufig. Für Europa hatten sie während der Fußball-EM offenbar Schlimmeres geplant.

Wochen des Schreckens hatte ein Sprecher der Terrormiliz "Islamischer Staat" Ende Mai, kurz vor Beginn des Ramadan, angekündigt und die Muslime zu Anschlägen gegen "Ungläubige" aufgerufen. Die Dschihadisten hielten Wort - hunderte Menschen, die meisten davon selbst Muslime, haben den am Dienstag endenden islamischen Fastenmonat nicht überlebt.

Die islamistische Blutspur zog sich durch die Bürgerkriegsländer Syrien und Irak, den Libanon und Jordanien, Jemen und Bangladesch. Sie reichte von einer Schwulenbar in Florida bis zum Flughafen von Istanbul. Allein beim bisher schwersten Anschlag des Jahres starben am Samstag in einem Schiitenviertel in Bagdad nach jüngsten Zahlen weit mehr als 200 Menschen.

Kriegerische Komponente

Im Ramadan konzentrieren sich Muslime auf jene Dinge, die sie ihrem Glauben und Gott näherbringen. Für die allermeisten heißt das: fasten, beten, Gutes tun und den freundschaftlichen Umgang mit den Mitmenschen pflegen. Doch daneben hatte der heilige Monat immer wieder auch eine kriegerische Komponente. Mohammed selbst zog im Ramadan 624 gegen die Mekkaner zu Felde und besiegte sie in einer legendären Schlacht. Das Ereignis interpretierten Dschihadisten stets als Appell, gerade während des Ramadan für die Sache Allahs zu kämpfen und zu töten. Radikale Gelehrte bestärkten sie darin.

Die Kairoer Al-Azhar-Universität ließ hingegen nach dem mörderischen Attentat auf den Homosexuellen-Club in Orlando keinen Zweifel, dass dort kein gottgefälliger Kampf, sondern schlichter Massenmord stattgefunden hatte.

Gefährdungslage in Europa

In diesem Jahr war die Terrorangst wegen der Europameisterschaft besonders groß, zumal der IS-Sprecher ausdrücklich zu Anschlägen im Westen aufgefordert hatte. "Ich mache drei Kreuze, wenn bis zum Finale nichts Schlimmeres passiert", so Terrorismus-Experte Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er hält die Gefährdungslage in Europa für sehr ernst.

Die tödliche Messerattacke auf zwei Polizeiangehörige im französischen Magnanville durch einen arabischstämmigen Islamisten am 13. Juni wäre womöglich nur der Anfang gewesen. "Aber der Verfolgungsdruck in den westeuropäischen Ländern ist enorm gewachsen", sagt Steinberg und nennt als Beispiel die Verhaftung von drei Verdächtigen in Belgien, die angeblich einen Anschlag auf ein Public Viewing in Brüssel planten.

Aufdeckung einer mutmaßlichen Terrorzelle in Düsseldorf

In Deutschland sorgte bereits kurz vor Turnierbeginn die Aufdeckung einer mutmaßlichen Terrorzelle für Schlagzeilen, die in der Düsseldorfer Altstadt ein Blutbad anrichten wollte. Die Islamisten kamen mit dem Flüchtlingsstrom nach Europa und sollen ihre Anweisungen direkt aus der IS-Zentrale erhalten haben. Laut Bundeskriminalamt stieg die Zahl gefährlicher Islamisten im ersten Halbjahr 2016 um fast das Doppelte auf rund 500 Personen. "Einsame Wölfe", die wie der Mörder von Orlando auf eigene Faust handeln, gibt es nach Ansicht des Terror-Experten nur sehr wenige.

Wenige richten immensen Schaden an

Militärisch gesehen brachte der Ramadan dem IS keinen Segen. Die Miliz ist in Syrien und im Irak auf dem Rückzug. Dauernde Luftschläge der Gegner dezimieren die Reihen der Gotteskrieger. "Gerade deshalb greifen die Dschihadis verstärkt zu terroristischen Mitteln, weil sie auf dem Schlachtfeld nicht viel bewegen können und Städte verlieren", analysiert Steinberg. Um sich weiter als Avantgarde der islamistischen Internationale verkaufen zu können, Geldgeber zu beeindrucken und freiwillige Kämpfer anzulocken, wolle die Terrormiliz möglichst blutrünstige Szenarien in den gegnerischen Zentren anrichten - am prestigeträchtigsten solche im Westen.

Steinberg geht davon aus, dass die Islamisten weiter mit Hochdruck versuchen werden, terroristische Strukturen in Europa aufzubauen. "Dieses Thema wird uns über Jahre beschäftigen." Islamistische Gelehrte, die den Kampf mit allen Mitteln propagieren, hätten zwar keine Breitenwirkung. "Aber es reichen wenige, um immensen Schaden zu verursachen."

Christoph Schmidt
(KNA)

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